Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 8 (2.3.1920)
- Date
- 1920-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Jüdische Korrespondenz Nr. 8 auf Grund unwahrer Beschuldigungen von der aufgehetztcn Menge schwer mißhandelt. Frau Klinger, die schon damals leidend war, erfuhr infolge der Mißhandlungen und Aufregungen eine wesentliche Verschlimmerung ihres Leidens, von dem sie sich nicht mehr erholen konnte. (Rockefeller für die Oftjuden.) John Rockefeller hat sich an Oberst Ginsburg, den Leiter der Hilfsaktion für die Ostjuden, mit folgendem Brief gewandt: „Obwohl wir aunehmen, daß nur Geldsammlungen von Juden beabsichtigt sind, würden mein Vater und ich es uns zur Ehre anrechnen, wenn man auch uns gestatten würde, zugleich mit unseren jüdischen Mitbürgern zum Gelingen dieser Aktion beizutragen. Wenn also das geehrte Komitee nichts dagegen hat, erlauben wir uns, als Spende 75.000 Dollar (mein Vater 50.000 und ich 25.000) anzubieten." VereinsnachrLchten. <Schülerfeier der „Jessod-Hathora".) Dienstag, den 5. Adar, 5 Uhr abends, fand im Festsaal des „Bayrischen Hof" eine solenne Schülerfeier des Schulvereines „Jessod-Hathora" statt, verbunden mit einer Schülerjause, Festvorstellung durch die Zöglinge usw. Die Feier wurde mit dem Absingen des „Baruch habali beschem Haschern“ durch Schüler des „Jessod-Hathora" eröffnet, worauf Vereinsoorsteher Herr Moritz Leitner eine Begrüßungsansprache hielt, in welcher er die Aufgaben und die Leistungen der „Jessod-Hathora" in der Fürsorge für das materielle und geistige Wohl der Jugend schilderte und zu zahlreichem Anschluß aneiferte. Es fand hierauf eine Festjause für die Zöglinge statt, wonach Chorgesänge (vorgetragen durch den Schülerchor) folgten. Ganz besonders zeichneten sich im Solovortrag Schüler N. Sobel („Schauschanas Jaakauw“), B. Ungar („Der alte Jude"), L. Wiedholz („Schir Hamalaus“), sowie die Schülerin Valerie Wüsner aus. Hierauf folgte eine Festvorstellung durch die Zöglinge der Anstalt („Die schlimmen Buben in der Schule" von Nestroy). Rabbiner G. Neuwirth hielt eine begeisterte und begeisternde Schlußrede. Die Feier verlief glänzend und brachte einen reichen Ertrag. Hervorzuheben ist die eifrige Arbeit des Danienkomitees. (Generalversammlung des „Gemile§-Cheffed"-Berei«es.) Sonntag, den 3. Adar, abends, fand die Generalversammlung des Wohltätigkeits- und Krankenunterstützungsvereines „Gemiles- Chessed" (XVII., Thelemanngaffe 8) statt. Präsident Herr M. Silberstein eröffnete die Versammlung und begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder. Vizepräsident Herr M. Hochbaum hielt eine tiefempfundene Ansprache über die Aufgaben und die Bedeutung des Vereines, der als Bethausverein für Thora, Amanda und Gemiles-Chaffodim viel leistet. Nachdem der Kassier Herr Leib den Rechenschaftsbericht verlesen hatte, wurde dem Vorstande nach einer kurzen Diskussion das Absolutorium erteilt, worauf die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen wurde. Es wurden wieder respektive neugewählt die Herren: M. Silberstein, M Hochbaum, R. Bauernfreund, J.Krupnik, J.Kreppel, Jsid. Leib, M.Moßberg, A.MerIin, M.Ostermann, Perlmutter, A. Schulmann, I. Teller. — Zum letzten Punkt der Tagesordnung wurde beschlossen, den Mitgliedsbeiträg auf X 24 — pro Jahr zu erhöhen, sowie eine energische Aktion für den Bau eines neuen Bethauses einzuleiten. Korrespondenzen. Prag. Am Schabbath Schekalim (14. Februar) wurde in der Knabemvaisenhaussynagoge die Barmizwah seier des Realschülers Otto, Sohn des Herrn Rudolf und Kamilla Stransky, abgehalten. Diese Feier war durch die hervorragenden Leistungen des Barmizwah, die auf alle Teilnehmer einen geradezu überwältigenden Eindruck machte, ausgezeichnet, und verdient, der jüdischen Oeffentlichkeit bekanntgegeben zu werde». In der dichtgefüllten Synagoge waren eine große Anzahl auserlesener Gäste erschienen, darunter Sr. Ehrwürden Herr Ooerrabbiner Dr. H. Brody, die Herren Rabbiner Dr. Weiner, Dr. Adler, Phil. Gand. T. Jakobovitsch, die Herren David Lieben, I. u. Dr. Kühner, Nniversitätsproseffor Dr. I. Pollak, die Doktoren Jeiteles und Lieben und alle Thoragelehrten Prags. Sie hörten mit gespannter Aufmerksamkeit die treffliche und gewandte Vorlesung des ganzen Wochenabschnittes und der Haftora durch den Barmizwah an. Herr Prof. Dr. Fr. Thieberger hielt eine gehaltvolle Ansprache an den Barmizwah. Stach dem Gottesdienste wurde die Feier in der Wohnung fortgesetzt. Daselbst wurde Herrn Stransky, der sich um die Knabenwaisenhaussynagoge große Verdienste erwarb und auch zu Ehren dieses Tages ein prachtvolles. reichverziertes Parocheth spendete, vom Vorstände der Synagoge ein Ehrenmitgliedsdiplom überreicht. Hierauf hielt der Barmizwah eine inhaltsreiche, wunderschöne deutsche Rede und einen sinnvollen halachischen (talmudischen) Vortrag. Mit höchster Bewunderung lauschten die Anwesenden diesen eindrucksvollen und hinreißenden Worten und zollten dem herrlichen Jungen reichen Beifall. i. Gejterreichische Losanleihe zgro. Im Inseratenteil unserer heutigen Nununer finden die Leser die Einladung zur Subskription aus die österreichische Prämienanleihe. Die Bedingungen dieser Anleihe sind derart günstig, daß es sich wohl erübrigen dürste, viel Worte darüber zu verlieren. Es kann nur empfohlen werden, diese Bedingungen aufmerksam zu lesen mld darnach die Entscheidung zu treffen. Was diese Anleihe besonders empfehlenswert macht, ist der Umstand, daß sie in der Hauptsache dazu bestiinmt ist, die Einlösung derfrüheren österreichischen Kriegsanleihen durchzuführcn. Den Bürgern Oesterreichs und aller Welt wird damit der Beweis geliefert, daß das neue Oesterreich, trotz der politischen Umwälzung, es als Pflicht erachtet, die Bürger nicht zu Schaden kommen zu lassen. Das muß das Vertrauen aller Kreise zum heutigen Oesterreich erhöhen und die Wiederkehr der normalen wirtschaftlichen Verhältnisse erleichtern. Wer daher Prämienanleihe zeichnet, handelt im allgemeinen, wie im eigenen Interesse! Mordechais Gebet. Gott und Vater, hör' mein Flehen, Nimm es auf vor deinem Thron, Laß dem Tode uns entgehen, Den uns wünscht Amaleks Sohn. In der Fülle deiner Gnade Halte, Herr, das Uebel fern! Führe uns auf sich're Pfade, trige uns der Hoffnung Stern. llerbarmer, denk der Frauen, Denk der Kinder, die noch zart! Willst du ihr Verderben schauen, Willst sie strafen, ach, so hart? Soll der Name untergehen. Soll der Jude nicht mehr sein? Gott und Vater, hör' mein Flehen, Rette uns aus Not und Pein! Ach, ich fühl' es hier im Herzen, Du verläßt die Deinen nicht- Sieh — es schwinden meine Schmerzen, Heiter wird mein Aug' und Licht.- _ Ernst Heppn er. Die Megillcch von Zaragoffa. (Eine Sage aus Jerusalem.) Es war zur Zeit des Königs Saragasanus im Jahre 5167, der in Saragossa eine Residenz hatte, in welcher auch viele Juden lebten, die in zwölf prächtigen Synagogen beteten. Es herrschte die uralte Sitte, daß, wenn der König das Judenviertel betrat, ihm sogleich die ältesten Rabbinen jeder der zwölf Synagogen mit den heiligen, pergamentenen Thorarollen, die in geschmückten Kästchen verwahrt waren, entgegen gingen. Ihnen schloß sich die ganze Genreinde an, und während die Rabbinen den beim Anblick des gekrönten Hauses üblichen Segen sprachen, rief die ganze Gemeinde: Amen! So war es seit alten Zeiten her. Einmal fühlten einige sehr fromme Rabbinen ein Bedenken, ob es denn nach talmudischen Grundsätzen keine Entweihung sei, jedesmal 36 Thorarollen dem König grüßend entgegenzutragen? Da beschloffen sie, wenn der König wieder in das Judenviertel käme, aus jeder Synagoge nur drei leere, mit kostbaren Stoffen behängte Kästchen zu nehmen und ihm entgegen zu gehen. So geschah es auch, und sie gingen dem König viele Jahre lang mit diesen leeren Kästchen entgegen. Damals lebte am Hofe des Königs Saragasanus ein reicher Jude, der ein begünstigter Liebling war und Chajim Schamai hieß. Der fiel aber vom heiligen Glauben seiner Väter ab, und hieß dann Markus: wodurch er ein größeres Vertrauen am königlichen Hofe gewann, und wie die Abtrünnigen alle, ein größerer Haß er und Verleumder seines Volkes wurde, als die im christlichen Glauben Geborenen. Als der König Saragasanus wieder einmal im Judenviertel erschien, und ihm in der althergebrachten Weise gehuldigt wurde, pries er des Abends auf seinem Throne sitzend, in Gegenwart des versammelten Hofes die Anhänglichkeit der Juden an ihren König und rühmte die fromme Sitte, dem König mit ihrem Teuersten, mit den: Worte Gottes zu begrüßen. Da trat Markus auf und sprach also: „Nicht glaube, o Herr, daß die Juden wirklich so treu an ihrem Könige hängen. Die schön gezierten Kästchen, die sie dir entgegentragen, sind leer und enthalten nicht die ihnen heiligen Thorarollen." Der König und alle Anwesenden erstaunten, solches zu hören, Saragasanus erzürnte lehr und ordnete an, daß sein ganzer Hofstaat schon am folgenden Morgen bereit sei, mit ihm wieder ins Judenviertel zu gehen, und schwur, wenn sich die Wahrheit dessen, was Markus sagte, Herausstellen sollte, alle