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Jüdische Korrespondenz · 1920-02-20 · 7 (20.2.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
7 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz Nr. 7 äußert. Die Forderung erscheint einigermaßen unverschämt. Immerhin ist sie geeignet, die jüdische Lage in der Ukraine zu beleuchten, wenn der Umstand, daß jüdische Gelder an jüdische- Pogromopfer verteilt werden sotten, zur Verstärkung des Antisemitismus beitragen soll. (Amerikanische Unterstützung.) Dem Warschauer Komitee sind wiederum 100.000 Dollar aus Amerika für die Jeschiwos und Schulen in Minsk und Umgebung zugegangen. Rabbi Elieser Nabbinowitz in Minsk ist mit der Verteilung der Gelder (mit Hilfe einer Kommission, bestehend aus orthodoxen Mitgliedern) betraut. Eine Woche früher erhielt die. gleiche Summe und zum gleichen Zwecke auch der Wilnaer Bezirk. (Eine Bekanntmachung der Polizeidirektiou Baselland.) Folgende Bekanntmachung ist im Polizeigebäude in Liestal angeschlagen. „Polizeidirektion Baselland. Die eidgenössische Zentrale für Fremdenpolizei macht darauf aufmerksam, daß aus den östlichen Gebieten Europas, namentlich aus Polen, ein Andrang von Juden, welche die Einreise in die Schweiz nachsuchen, zu erwarten sei. Zur Fernhaltung dieses Zustromes empfehlen wir ihnen, die Einreise solcher unerwünschter Elemente durchwegs ablehnend zu begutachten. Polizeidirektion: gez. Glieder." Wenn sich ein solcher Erlaß gegen die Zuwanderung unerwünschter Elemente im allgemeinen richtet, so wird kein vernünftiger Mensch etwas dagegen einzuwcnden haben. Richtet er sich aber nur gegen Juden, so ist das eine einseitige Ungerechtigkeit, gegen die nicht genug Front gemacht werden kann. (Juden beim Aufbau Nordfrankreichs.) Dr. Soloweitschik, der Minister für die jüdischen Angelegenheiten in Litauen, hat telegraphisch das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris ersucht, bei den Wiederaufbauarbeiten in Frankreich und Belgien den litauischen Juden Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen. Sie können als Holz- und Möbelarbeiter, in welchem Fach sie viel Uebung haben, sich sehr nützlich machen. (Demonstrationen gegen Einstein.) Eine Anzahl Wiener Blätter berichtete gestern aus Berlin, daß antisemitische Studenten gegen Professor Einstein krawalliert und ihn als Juden beleidigt hätten. Professor Einstein habe deshalb sein Kolleg abgesagt. (Die Juden in den polnischen Mittelschulen.) Das polnische statistische Amt veröffentlicht die Schulstatistik für 1918/19. Ihr ist zu entnehmen, daß es im ehemaligen Kongreßpolen 1023 Mittelschulen (davon 154 für Knaben, 283 für Mädchen und 63 mit gemischten Klassen) gibt. 320 Schulen ähneln dem Typ des humanistischen Gymnasiums, 203 dem der Realschule. — Von den Mittelschulen werden fünf von jüdischen Gemeinden erhalten, 244 sind Privatanstalten. Der Konfession nach waren im abgelaufenen Schuljahr von den Frequentanten 60.237 (— 62 2 Proz.) Katholiken, 31.733 (—32'8Proz.) Juden; außerdem gab es 4 8 Proz. protestantische und 0 2 Proz. andersgläubige Schüler. (Die zweite Tagung des amerikanisch-jüdischen Kongresses.) Aus New Jork wird berichtet: Am 22. Jänner fand unter Vorsitz des Richters Julian Mack eine Beratung des Aktionskomitees des amerikanisch-jüdischen Komitees statt, in welchem der einhellige Beschluß gefaßt wurde, die Vorarbeiten für die Einberufung der zweiten Tagung des amerikanisch-jüdischen Kongresses in solchem Umfange in Angriff zu nehmen, daß sie drei Wochen nach Ratifizierung des Friedensvertrages durch den Senat abgehalten werden könne. Die Anwesenden gaben übereinstimmend der Ueberzeugung Ausdruck, daß mit Rücksicht auf die Agitation hervorragender Mitglieder der demokratischen Partei für einen modifizierten Vertrag die Ratifizierung bald erfolgen werde und daß schließlich auch Präsident Wilson werde nachgeben müssen. Für den Fall aber, daß wider Erwarten die Ratifizierung nicht in kurzer Zeit erfolgen sollte, beschloß die Versammlung, daß der Kongreß unter allen Umständen spätestens am 30. Mai 1920 abgehalten werden müsse. (Amerikanisches Alkoholverbot und Pessachwein.) Anläßlich des Alkoholverbotes hat Louis Marshall Schritte unternommen, um für die Juden die Erlaubnis zu erwirken, an den Sederabenden wie auch für religiöse Zwecke Wein benützen zu dürfen. (Berufungen.) Herr Rabbiner Dr. Adolf Deutsch aus Koste! (Mähren), wurde zum Direktor der Talmud-Thora der orthodoxen Gemeinde in Budapest gewählt. — Die orthodoxe Gemeinde in Preßburg hat an Stelle des Vorstorbenen R. Leb Rubinstein Herrn David Wesely, bisher Dajan in Szered, zum Rösch Beth Din, und Herrn Rabbiner Simon Hirschler aus Modor, zum Magid gewählt. (Der Verfasser der ersten hebräischen Stenographie gestorben.) Im Alter von achtzig Jahren starb in Budapest der Nestor der ungarischen Stenographen, Kammerstenograph Max Gombos, ein Vorkämpfer der Gabelsberger- Stenographie in Ungarn. Seine ursprüngliche Absicht war, als Lehrer der Allianceschulen nach dem Orient zu gehen und besuchte er im Jahre 1867 die Pariser Lehrerbildungsanstalt der Alliance. Schon vorher hatte er in der Gabelsberger-Stenographie eine solche Vollkommenheit erlangt, daß er seinen ursprünglichen Plan aufgab, und in seine Heimat zurückgekehrt, sich ausschließlich als Stenograph betätigte. Gombos, der außer der ungarischen auch die deutsche, französische, türkische und hebräische Sprache vollkommen beherrschte, hat das Gabelsberger-System in das Hebräische, Französische und Türkische übertragen. Seine hebräische Stenographie, die er im Jahre 1865, als er sich entschlossen hatte, als Lehrer im Orient zu wirken, entwarf, war der erste Versuch einer hebräischen Schnellschrift überhaupt. Seither sind bekanntlich mehrere Versuche gemacht worden. _ Mazzothversorgungsftelle für Oesterreich. __Bureau: I., Seitenstettengafse 4. Mit Bezug auf die erfolgte Kundmachung betreffend Anmeldung zum Mazzothbezuge werden die Parteien aufmerksam gemacht, daß die genau ausgefüllten Anmeldescheine bis zum 25. Februar 1920 bei den nachbenannten Kommissionen, und zwar wie folgt abzugeben sind: Von den Haushalten im 1. Bezirk: I., Seitenstettengaffe 4; 2. Bezirk: II., Tempelgasse 3, IL, Große Schiffgasse la (nur für Mitglieder der Adas Jisroel); 3. und 11. Bezirk: III., Untere Viaduktgasse 13; 4. und 6. Bezirk: V., Siebenbrunnengasse 1; 6. und 7. Bezirk: VI., Schmalzhofgasse 3; 8. Bezirk: VIII., Reudeggergasse 12; 9. Bezirk: IX., Seegaffe 9; 10. Bezirk: X., Humboldgaffe 27; 12. bis 15. Bezirk: XV., Turnergaffe 22; 16. und 17. Bezirk: XVI., Hubergaffe 8; 18. und 19. Bezirk: XVIll., Schopenhauerstraße 39;20. Bezirk: XX., Denisgasse 33; 21. Bezirk: XXI.. Holzmeistergasse 12, und zwar für die Haushalte mit den Anfangsbuchstaben: A bis F am 16. und 17., 6'bis X am 19. und 19., I. bis U am 20. und 23., 8 bis Z am 24. und 25. Februar 1920, von 2 bis 6 Uhr nachmittags, bei der Anmeldestelle II., Tempelgaffe 3 auch von 9 bis 12 Uhr vormittags. Bei Abgabe der Anmeldungen ist der Brotbezugsschein,, der Meldezettel und eventuell ein anderer Lebensmittelschein vorzuweisen. vierzigjähriges Rabbinerjubiläum des Gberrabbrners w. Reich. Die Israelitische Kultusgemeinde Baden feierte Samstag, den 14. Februar 1920, das vierzigjährige Amtsjubiläum ihres allverehrten Oberrabbiners Sr. Ehrwürden Herrn Wilhelm Reich. Die Festlichkeiten wurden am Freitag nachmittags eingeleitet durch das korporative Erscheinen der Vorstände der Chewra Kadischa. Der Präsident, Herr Raab, richtete an den Jubilar eine herzliche, warm empsirndene Worte der Begrüßung und des Glückwunsches und überreichte die Ehrengabe der Chewra Kadischa. Am Sabbat veranstaltete die Kultusgemeinde einen Festgottesdienst, zu welchem das Präsidium, bestehend aus den Herren Vorsteherstellvertreter David Daniel, Adolf Raab und Dr. Oskar Auerbach, unter Führung des Kultusvorstehers Herrn Alexander Braun den Jubilar aus der Wohnung feierlich abholte. Im Vorhofe des Tempels erwarteten ihn sämtliche Ausschußmitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde sowie die Vorstände der Chewra Kadischa, und zwar die Herren Gustav Oedenburger und Leopold Blau seitens der Chewra Kadischa, ferner Jakob Kohn, Rudolf Austerlitz, Chaskel Ingwer, Julius Schnürdreher, Josef Löwinger, David Schey und Dr. Samuel Deutsch. Das Seniormitglied des Ausschusses Herr Jakob Kohn begrüßte den Jubilar mit einer herzlichen» tief empfundenen Ansprache, welche der Jubilar in gerührten Worten erwiderte. Hiebei war eine größere Anzahl Gemeindemitglieder anwesend, welche den Wechselreden begeistert lauschten. Der Jubilar wurde sodann in den Tempel begleitet', wo er vom Oberkantor Kreutstein mit einem kräftigen BoruchHabah empfangen und unter Vortrag des Psalmes 150 feierlich auf seinen Sitz "geleitet wurde.

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