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Jüdische Korrespondenz · 1920-02-13 · 6 (13.2.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
6 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Bezug spreis : ' Ganzjährig K 30, halbjährig K15, viertelfjährig K 8. — Ausland jähAlch K 50.// Einzelnummer 60 Hellei\‘~“~ für die Interessen des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Ni*. 6. Wien, 24- Schebath 5880, 13. Februar 1920. lffl. Jahrgang. Die ausländischen Mfsgelder und das religiöse Judentum. Aus New Jork kommt eine Nachricht, die nicht verfehlen dürfte, lebhaftes Interesse und nicht minder großes Aufsehen zu erregen. Die Nachricht besagt: Die Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder in den verschiedenen Ländern geschieht regelmäßig in einer solchen Weise, daß die orthodoxe Judenschaft respektive deren Institutionen dabei leer ausgehen. Dieser Umstand veranlaßte das Zentralkomitee, daß sich aus lauter Orthodoxe zusammensetzt, die nun gesammelte Million Dollar (es ist dies die fünfte Million, die von ausschließlich Orthodoxen gesammelt wurde) dem Vereinigten Hilfskomitee nur dann zu überweisen, wenn dieser ansehnliche Betrag ausschließlich zur Unterstützung religiöser Institutionen verwendet wird. Folgender Aufteilungsmodus wurde beschlossen: 400.000 Dollar für die Juden Polens, 100.000 Dollar auf Mazotth für dieselben, 200.000 Dollar für die Juden Oesterreichs, 20.000 Dollar für die Jeschiwa in Rescha Rusol, 130.000 Dollar für die Juden Palästinas, die restliche Summe in anderen Ländern. Diese alle Summen müssen zur Hebung der dortigen Talmud-Thora- Schulen und Jeschiwes verwendet werden. Um die Tragweite dieser Nachricht voll würdigen zu können, muß man sich. die Behandlung vor Augen halten, die die religiösen Interessen des Judentums und die orthodoxen Kreise übexhaiM-HiGex seiteM-HerjmrgG - erfahren habeWEe«ss^ verstanden hätten, den Einfluß über die Verteilung der ausländischen Hilfsgelder in die Hand zu bekommen. Es geschahen hiebei allzu oft haarsträubende Ungerechtigkeiten und Rücksichtslosigkeiten, die der Außenstehende so lange als unglaubwürdig bezeichnen mußte, bis er Gelegenheit erhielt, sich aus eigener Wahrnehmung zu überzeugen, daß die Wirklichkeit alle Schilderungen übertrifft. Schließlich haben die Spender, deren Gros orthodox ist, denn doch die Wahrheit erfahren. Die zitierte Nachricht aus New Jork bedeutet wohl nur den ersten Schritt auf diesem Wege. Hoffentlich wird man dabei nicht stehen bleiben, sondern die Reform der Hilfsaktion konsequent durchführen, damit der Wille der Spender und der wirklich Bedürftigen der breiten Volksmassen volle Berücksichtigung finden. * Der Vertreter des amerikanischen Hilsiverks in Polen, Dr. Bogen, der mehrere Monate in Amerika weilte, um dort die in Polen gewonnenen Erfahrungen zu verwerten, befindet sich jetzt aus der Rückreise nach Polen. Er hat vor seiner Abreise einem Mitarbeiter des New Jorker jüdischen Blattes „Vorwärts" folgende Einzelheiten mitgeteilt: „Die Verbindung zwischen den Inden Amerikas und Polens soll organisatorisch ausaestaltet werden. Da die Verkehrswege schon offen sino, ist die Möglichkeit für viele amerikanische Juden gegeben, ihren Angehörigen und Verwandten in Polen Geld und Bedarfsgegenstände zu senden. Diese Hilfe kann nur dadurch wirksam werden, daß in diese Sendungstätigkeit ein System gebracht wird. Es soll eine Agentur eingerichtet werden, welche die Sendungen annimmt und für ihre Beförderung garantiert. Polen wird in 20 Rayons geteilt, von denen jeder Rayon ein sogenanntes Quartier als Hauptort haben wird. Die Zentrale — unter Leitung von Dr. Bogen — wird sich in Warschau befinden. Pakete und Gelo werden in das den Verteilungsorten nächste Quartier dirigiert und von dort in Automobilen ben Empfängern übermittelt werden. In jedem Rayon wird als Hauptleiter ein Verttauensmann von der amerikanischen Judenschaft amtieren. Hundert große Automobilstationen (5 in sedem Rayon) sollen errichtet werden. So wird es möglich sein, monatlich 150.000 Sendungen, also etwa 2 Millionen jährlich zu übermitteln. Die Geldunterstützungen waren bisher nicht richtig verteilt worden, da — insbesondere durch die Indolenz der reichen Juden Polens gegenüber dem Hilfswerk — alles den Amerikanern überlassen wurde. Das Joint Distribution Committee beschließt, wieviel Geld jedesmal nach Polen zu schicken ist, gleichgültig ob es zu viel oder zu wenig ist. Dr. Bogen wird nun rn Polen dieselbe. Aufteilung auf Komitees durchführen, wie sie in Amerika besteht. Nach seinem Vorschlag sollen die Komitees aus Arbeitern, Vertretern der Orthodoxie und solchen bemittelten jüdischen Persönlichkeiten bestehen, welche sich für die Hilfsfonds selbst besteuern. Solche Komitees sollen in allen Teilen des Landes organisiert werden; das Hauptkomitee wird sich in Warschau befinden.- Dieses wird die Verteilung der Gelder aus die einzelnen Landesteile beschließen und den Ortskomitees werde die Beschlußfassung über den Verteilungsmodus der Gelder unter die Bevölkerung verbleiben. Für diese neuorganifierte Hilfstätigkeit wurden eigene Angestellte ausgebildet und vor allem über die Lage der Juden in Polen ein-' gehend informiert. Vorläufig machen 25 Angestellte mit Dr. Bogen die Ueberfahrt. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß das Hilfswerk einen Stab von etwa 200 Beamten erfordern wird." Es sollte, aber Sache der Orthodoxie in allen Ländern, für die die Hilfsaktion bestimmt ist, sein, dafür zu sorgen, daß sich der entsprechende Einfluß aus die Verwendung und Verteilung der Gelder gesichert bleibe. Die Orthodoxie in Polen hat auf diesem Gebiete gar manches, wenn auch nicht alles, erwirkt. Auch die Orthodoxie in den anderen Ländern darf sich nicht ferner passiv verhalten und sich mit Beschwerden begnügen, sondern die Jnitiaüve zu eigener tatkräftigen Aktion aus diesem Gebiete ergreifen^M liegt M ein^Betzyrmundung seitens der andersgesinnten Kreise vor, die nur höchst selten das richtige Verständnis und das gebotene Interesse für die religiösen Bedürfnisse der breiten Volksmassen sowie für deren Lebensbedingungen aufbringen. Nach altjüdischer Auffassung muß Zedoko mit dem Herzen und nicht mit dem Bleistift in der Hand schablonenmäßig verteilt werden. Die Wahlen in der Tschechoslowakei. Der „demokratische" tschechoslowakische Staat hat die erste Illustration seiner Demokratie damit geliefert, daß er 15 Monate nach seiner Gründung noch immer einer sreigewählten Volksvertretung entbehrt und sich mit einem Surrogat, einer „ernannten" Nationalversammlung, begnügt. Alle Sukzessionsstaaten auf dem Gebiete des früheren Oesterreich-Ungarn haben bereits Wahlen vorgenommen, selbst Ungarn, das eine Phase Karolyi und eine noch schrecklichere Phase Kun durchzumachen hatte und noch immer um seinen Frieden kämpft, hat bereits seine Volksvertretung. Die Machthaber in Prag sind noch immer mit den Vorbereitungen zu den Wahlen nicht fertig und erst in den nächsten Wochen sollen diese vor sich gehen. Der eigentliche Datum ist noch nicht näher bekannt. Fürchten die Herren in Prag so sehr das Votum des Volkes oder möchten sie nach tvie vor ohne Kontrolle von seiten der Volksvertreter regieren? Diese Frage näher zu erörtern ist hier nicht der Ort. Wenn wir sie anschneiden, so geschieht es mit Rücksicht auf die Lage unserer Brüder in diesem Staate, um die 450.000 Juden, die dort leben und deren Gegenwart und Zukunft höchst unsicher ist. Die Ellenbogentaktik, die im allgemeinen die tschechische Politik charakterisiert, ist besonders in bezug auf die Juden fühlbar: Die rücksichtslose Ausweisung der galizischen Flüchtlinge, die Entrechtung breiter jüdischer Volkskreise, deren materieller Ruin gelegentlich der Schänkerkonzessionen usw. in der Slowakei, die sich immer breiter machende, antisemitische Hetze usw. sind der äußere Ausdruck dieser Politik den Juden gegenüber, die man bis zu einem gewissen Grade als

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