Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 4 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3495278-3495461-3495465--1214-3497089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 Jüdische Korrespondenz Nr. 4 Herr Ignatz L ö w i, Buchdrucker, verlobte sich mit Fräulein Rosa Hermann, Tochter des Herrn Elias Hermann, Vorsteher der Marpeh Lanefesch-Synagoge. Der Verein „Frauenhilfe der Adas Jisroel" veranstaltet Dienstag, den 27. Jänner, nm halb 6 Uhr, im großen Saale deS Ingenieur- und ArchitekteuvereineS, I., Escheubachgaffe 9, einen Lichtbildervortraa des UuiversitätSdozenten Dr. Max Eisler über „Rembrandt und Israel". — Karten von K 2*— bis X 25*—bei Jos. Schlesinger, I., Seitenstettengaffe 5. Neue Bücher. „Oesterreichs Ende" von Friedrich Wieser. Verlag Ullstein & Co., Gesellschaft m. b. H., Wien 1919. Preis Mk. 3.—. Die österreichischungarische Doppelmonarchie hat aufgehört zu existieren. Dem Untergänge geweiht, hat sie einen unerwartet zähen Kampf gegen die in ihrem Innern wirksamen zentrifugalen Kräfte gekämpft. Ihr Geschick ist um so tragischer, als die auflösenden Kräfte, das Nationalitätsprinzip und die darauf errichtete nationale Kultur, der aufbauenden Zukunft angehören. Obwohl nicht spezifisch österreichisch-ungarisch, mußten sie doch diesem Lande zuerst gefährlich werden. Sie gehören zu den tragenden politischen Ideen der neuesten Zeit. Sie verbinden sich mit dem starken Trieb zur sozialen Neuordnung, der gegenwärtig die Kulturnationen ernstlich erschüttert. Das Schicksal der Donaumonarchie kann darum nur gewürdigt werden in europäischer Perspektive. Friedrich von Wieser, ftüherer Finanznsinister, hervorragender Gelehrter an der Wiener Universität, hat das unstreitbare Verdienst, in seinem vornehm geschriebenen Buche „Oesterreichs Ende" diesen höheren Gesichtspunkt eingenommen zu haben. Beginnend mit dem Aufbau des alten Oesterreichs schildert er die Entwicklung und lieber« spannung diZ nationalen Gedankens in Europa, seine Zuspitzung bis zum Weltkriege und seine Wirkung auf Oesterreich-Ungarn, dessen Niederlagen die Dispositionen schufen für die von Osten kommende revolutionäre Welle. Nach einer Betrachtung über die Balkanisierung Oesterreich-Ungarns geht der Verfasser über zu dem Schicksal Deutschösterreichs, das daS härteste Los aller Teilstaaten zu tragen hat. Daß es den verlorenen Glauben an sich selbst wieder gewinnen möge, um die Kraft zur Mitarbeit an den Kulturaufgaben der Menschheit zu finden, mit diesem Wunsche schließt der Verfasser sein gedankenreiches Buch, das in hohem Maße berufen scheint, dem gerechteren Urteil den Weg zu ebnen, das die Geschichte einst über Oesterreich-Ungarn fällen wird. „Friedensbemühungen im Weltkriege." In einem Vortrage in der Deutschen Gesellschaft 1914 hat Staatsminister Dr. H elfferich vor kurzem „Die Friedensbemühungen im Weltkriege" behandelt, und der Zeitfragen-Verlag, Berlin-Zehlendorf-West, erwirbt sich das Verdienst, diesen Vortrag jetzt der breiten Oessentlichkeit vorzulegen (Preis Mk. 2—). Der Redner selbst kennzeichnet Ziel und Absicht seiner Ausführungen am Schluß mit den Worten: „Große Kreise des deutschen Volkes sind künstlich in den Irrglauben versetzt worden, daß die Schuld an der Kriegsverlängerung an der Unfähigkeit oder dem bösen Willen der Leiter der Geschicke des deutschen Volkes gelegen habe. Diese Wahnideen müssen ausgeräuchert werden. Das deutsche Volk kann nicht zur Ruhe und Gesundung kommen, solange es von dem Gedanken gepeinigt ist, als sei sein Geschick in diesem Kriege von leichtsinnigen Spielern und gewissenlosen Verbrechern bestimmt worden. Ich kenne kein größeres Verbrechen, als mutwillig und grundlos solche Vorstellungen hervorzurufen. Hier gilt es, ausklärend zu wirken." Für diese Aufklärung kann nun in der Tat nicht leicht eine Veröffentlichung geeigneter sein, als dieser auffchlußreiche Vortrag Helfferichs. Das Heft ist das bündigste Zeugnis für Deutschlands Redlichkeit und Deutschlands guten Willen bis zum bitteren Ende. „Das heilige Leben." Roman von Selma Lagerlöf. Deutsch von Pauline Klaiber-Gottschau. 1. bis 15. Auflage. Preis geheftet Mk. 6'—, gebunden Mk. 9'—. Verlag von Albert Langen in München. — Selma Lagerlöfs neues Werk wrrd, wie zuerst in Schweden, nun auch in Deutschland die Herzen und Seelen mächtig packen, erschütten und erheben. Wir hören die Geschichte eines Mannes, der in den Verdacht kommt, er hätte sich im Wahwitz höchster Hungersnot an einem Toten vergriffen. Alle glauben es, und er selber glaubt es. Die Menschen kennen gegen ihn nur noch Ekel und Verachtung. Ihm aber wird, die schwere Not, die er so erduldet, innerlich zum Segen. Er demütigt sich in seiner Reue, er wird ein Held und Märtyrer der Güte, er will seine Brüder zwingen, das Gräßliche zu vergessen, ihn wieder als Ihresgleichen unter sich aufzunehmen. Was er erreicht, ist nicht mehr als ihre zurückhaltende Anerkennung; den Schauder, der sie bei seinem Anblick faßt, vermögen sie nicht zu bannen, — keiner von ihnen, außer einer Frau, vielleicht der herrlichsten, reinsten, ergreifendsten unter allen Frauengastalten, die Selma Lagerlöf uns geschenkt hat. Die große Seeschlacht im Skagerrak bringt für den Helden des Buches den Umschwung. Scharen von gräßlich verstümmelten Opfern der Schlacht begegnen den schwedischen Fischern auf ihren Fahrten, werden an die schwedische Westküste getrieben. Da erwacht in der Bevölkerung mit dem Grauen über dies Entsetzliche die Erkenntnis, wie unbarmherzig sie gegen den armer Sven Elversson war, und wie tausendfach größer die Sünde ist, sich an Lebendigen zu vergreifen, denn an Toten. Im gleichen Augenblick bringt eine Fügung Sven Elverssons Unschuld an den Tag; er, dessen Kräfte die seelischen Leiden aufgezehrt haben, kann in Frieden, versöhnt mit der Menschheit sterben. Adas Jisroel (Schiffschul), II., Große Schiffg. 8. # Gebetstunden in der Zeit vom 3. bis ^10. Schebath (23. bis 30. Jänner). Freitag, 3. Schebath: Sabbateingang 440. Samstag, 4. Schebath: Morgengebet 7 und 9 30, Mincha 1215 und 3 30, Sabbatausgang 5 25. An Wochentagen: Morgengebet 640, Mincha. 430. BRILLANTEN Perlen schnüre Gold, Platin Silber*, Uhren auch verpfändeter Schmuck kauft zu bekannt hohen Preisen Juwelier Rabinowitsch II., Stefaniestraße 3, Telephon 21.214 im eigenen Hause. Achtung! Nicht im Hause des Wiener Bankvereines. Modernste Herrenkleider nach Maß, Reparaturen und Wenden werden prompt effektuiert. ao-»> Gelbard, Wien, II., Leopoldsgasse 43 Feinste Stoffe stets lagernd. Samstag geschlossen. . Papierwaren, Geschäftsbücher und Drucksorten ' A. LÖWY Wien, II., Große Pfarrgasse 6. Fernsprecher 44.609 Taliis- und Teffillimbeutel sowie sämtliche Synagogenstickereien in bester Ausführung. Brautausstattungen. ' Fernruf 44.609 BELLA. LÖWY Fernruf 44.609 Wien, 11. Bezirk, Krumhaumgasse Nr. 16. Von solidem Herrn gut bürgerlicher, verläßlich d-2) ritueller ' Mittagstisch gesucht. Mit hübschen Zimmer bevorzugt. Gefl. Zuschriften unter «Mittag 123» an die Administration. Heiratsvermittler wollen ihre Adresse bald gefälligst unter „Glänzendes Honorar“ an die Administration dieses Blattes senden. Eigentum einer Societät. —Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VHI., Hemalser Gürtel 30.