Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1920-01-09 · 2 (9.1.1920) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
2 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3495278-3495461-3495463--1193-3497066
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 2 Jüdische Korrespondenz Seite 7 Kriegsopfer in Polen, Litauen und in der Ukraine vorbereiten, hat Mr. Hirschfeld, der derzeit in Warschau weilende Vertreter des Joint Distribution Committee, nach Amerika telegraphiert, daß die bedrängten Ostjüden nicht um Almosen, sondern um finanzielle Hilfe bitten, die den breiten Massen durch Schaffung von Arbeitsmöglichkeit zum Wiederaufbau ihrer zerstörten wirtschaftlichen Existenz verhelfen würde. (Juden iw amerikanischen Heere.) Nach einer amerikanischen Statistik haben während des Krieges 200.000 Juden im amerikanischen Heere gedient, davon allein 50.000 aus dem Staate New Jork, 8000 Offiziere, darunter ein General, ein Brigadekommandeur, ent Admiral, 69 Obersten, 370 Majore und 1263 Hauptleute. Nach den amtlichen Listen erhielten über 600 jüdische Soldaten Ehrenzeichen, 3500 Juden fielen und etwa 12.000 wurden verwundet. (Zwölf jüdische Deputierte im französischen Parlament.) Der Pariser Korrespondent der „Gazeta Wieczorna" berichtet feinem Blatte, daß in die neue französische Kammer zwölf Juden gewählt wurden. Davon sind drei vereinigte Sozialisten, einer gehört der Dissidentenpartei an, einer ist Radikal-Sozialist, sechs sind Linksrepublikaner, einer (ein Deputierter aus dem Elsaß) ist Extremer Rechter. Unter den sechs Linksrepublikanern befinden sich zwei Rothschilds. Der eine von ihnen ist unter dem Pseudonym Georges Mandel als der viel angefeindete Sekretär Clemenceaus viel bekannter denn unter seinem wirklichen Namen. Der zweite Deputierte mit dem Namen Rothschild ist Maurice Rothschild, der Sohn des Barons Edmond Rothschild, Präsident des jüdischen Konsistoriums in Paris. (Die Schachtfrage.) - Aus Bern wird geschrieben: Walther (Luzern) hatte sich im Nationalrat jüngst in einer Motion dafür verwendet, daß mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit, geschachtetes Fleisch aus dem Auslande zu beziehen, die Schächtung im Jnlande weiterhin zu gestatten sei. Der Bundesrat hat nun beschlossen, die Schächtung bis Ende März zu gestatten. (Judenausweisnrrgen in Jugoslawien.) Zufolge von Nachrichten, die das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz aus sicherer Quelle aus Jugoslawien erhält, gehen die dortigen Behörden in der letzten Zeit gegen eine große Zahl von in Jugoslawien wohnhaften Juden, welche seit langen Jahren im Lande ansässig sind, mit Ausweisungen vor. Diese Maßnahme ist eine stagrante Verletzung des von Jugoslawien unterfertigten Vertrages, dessen Artikel III, Kapitel 1, ausdrücklich besagt, daß die Oesterreicher, Ungarn oder Bulgaren, die ihren Wohnsitz oder ihr Heimatsrecht zur Zeit des Inkrafttretens des Vertrages auf jugoslawischem Territorium haben oder dort geboren sind, als Staatszugehörige mit vollen Rechten ohne sonstige Formalitäten anzuerkennen seien. Unter den Ausgewiesenen finden sich Frauen und Greise, deren Söhne in der Armee des neuen Staates dienen. Ausweisungsversüguugen sind sogar an Juden adressiert worden, die seit etlichen Jahren tot sind. Die Ausgewiesenen befinden sich in einer außerordentlich schwierigen Lage, da sie kein Nachbarland über seine Grenzen läßt. Diese brutale Maßregel hat eine wahre Panik bei den Juden Jugoslawiens hervorgerufen, die sich in ihrer Sicherheit bedroht fühlen und dies um so mehr, als sie im Vertrauen auf die liberalen Traditionen Serbiens niemals eine ähnliche Behandlung durch den neuen Staat erwartet haben. Das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz hat, gestützt aus authentische Tatsachen, der Delegation des S. H. S.-Staates bei der Friedenskonferenz ein dies- * bezügliches Memorandum überreicht und weitere Schritte bei politischen Persönlichkeiten in dieser Richtung unternommen. (Seit wann leben Juden in Rumänien?) Bekanntlich wurden die in Rumänien wohnhaften und dort geborenen Juden bis vor kurzer Zeit als Fremde behandelt und erst jüngst hat der Friedensvertrag die Frage der jüdischen Bürgerrechte gelöst. Interessant ist, daß ein Teil der jüdischen Bewohner von Rumänien aus einen längeren Aufenthalt in dem Balkanreiche zurückblickt als die Rumänen selbst. Als die Romanen in das damalige Dazien kamen, bedienten sie sich der Juden als Dolmetscher bei der einheimischen Bevölkerung und ein Dekret des theodosianischen Kodex vom Jahre 397 spricht ihnen den kaiserlichen Schutz für ihre Gotteshäuser zu. Nach einer alten Überlieferung, die der Wahrscheinlichkeit nicht ganz entbehrt, sollen die zum Judentum übergetretenen Chazaren, deren Staat sich über Südrußland und Kleinasien erstreckte, mit einem starken Heeren im achten Jahrhundert aus Südrußland in die Donaugegenden eingezogen sein, und durch etliche Zeit soll der jüdische Glaube im Lande der vorherrschende gewesen sein. Als die Moldau und die Walachei unter türkische Oberhoheit kamen, gab es in dem heutigen Rumänien sogar einen Fürsten jüdischen Ursprungs, Emanuel Aaron, welcher seine 1573 erfolgte Wahl dem italienisch-jüdischen Arzte Salomon Aschkenasy dankte, der eine der einflußreichsten Personen am Hofe des Sultans war. Aber der Fürst verließ den Glauben seiner Väter und wurde ein grausamer Verfolger seiner Brüder, von denen er etliche tötete, während die" anderen aus dem Lande gejagt wurden. _ Sie Lar-Mzwah-Seier in der «Samilie Eduard Deutsch. Es mar eine solenne Szimchas-Mizwah, die Bar-Mizwah-Feier des Walter Deutsch, die Samstag, den 3. Jänner, stattgefunden hat. Die Eltern des Bar-Mizwah, Herr und Frau Eduard Deutsch, erleben an ihrem 13jährigen Sohne eine geistige Freude und hatten die Genugtuung, allseitig Worte des Anerkennens iu hören für die echtjüdische Erziehung, die sie auch diesem, ihren Sohne, wie seinen älteren Brüdern, angedeihen ließen. Diese Anerkennung war um so berechtigter, als es tatsächlich in unserer Zeit zu den Seltenheiten gehört, daß die Kinder einer sozial so hoch stehenden Familie, die noch dazu in einer dein eigentlich jüdiichen Zentrum ziemlich entfernt gelegenen Umgebung lebt, so traditionell jüdisch erzogen werden. Schon die religiöse Feier im Bethause, VI., Stumpergasse 42, brachte den zahlreichen Festgästen eine schöne Ueberraschung. Der Bar- Mizwah begnügte sich nicht, wie üblich, mit dem Verlesen des Maftir, sondern las den ganzen Wochenabschnitt vor, mit einer bewunderungswürdigen Korrektheit und Sicherheit, die man einen 13 jährigen Knaben kaum zugemutet hätte. Walter Deutsch erbrachte damit den feierlichsten Beweis, bereits ein ganzer Mann, ein wirklicher Bar-Mizwah zu sein, worauf Herr Rabbiner Flesch in seiner Ansprache mit vollstem Rechte Hinweisen durfte Nachmittags fand ein Gratulationsempfang im Hause der Familie Deutsch statt, zu welcher sich zahlreiche Gäste aus allen jüdischen Kreisen eingefunden haben. Der Bar-Mizwah überraschte zum zweiten Male mit dem Vortrag einer Derascha, in der Sugjah „Tewilas-Kelim" (Beza 17). In leichtfaßlicher, aber scharfsinniger Weise wurden der „Ris", der „Rasch", der „Ran" und der „Tur-Ewcn" herangezogen, um die sich aufwerfenden Fragen zu beantworten und die Halacha klarzustellen. Der Vortragende erntete reichen Beifall, ebenso auch gelegentlich seines Zweiten Vortrages, der einige Stellen des Wochenabschnittes und der Hafiora mit den Bestimmungen der Halacha in scharfsinniger Weise in Zusammenhang brachte. Es sprachen noch Herr Rabbiner Flesch, der Vater des Bar-Mizwah, Herr Eduard Deutsch, der Großonkel des Bar-Mizwah, Herr Bernhard Hof bau er, Herr Rabbiner Fleischmann, Herr M. Feljenburg, Herr Gewitsch (ber zu Ehren der Familie Deutsch K 500'— 'für wohltätige Zwecke spendete), Herr Rabbiner Dr. Taglicht sowie die beiden Brüder des Bar-Mizwah, die besonders eindrucksvoll Chidusche-Thora zum Vortrag brachten. Die Szimchas-Mizwah dauerte bis zum Anbruch des Abends und wurde mit den Vortrag der „Sahir-Hamalaus" durch Herrn Isidor Frommer und dem Vortragen des Tiichgebetes durch Herrn Rabbiner Flesch beendet. Rach dem Maariw-Gebet und Hawdala gingen die Festgäste in animierter Stimmung auseinander, dem Bar-Mizwah und seinen Elter die wärmsten Glückwünsche zum Ausdruck bringend. Lamilrennachrichten. Irma Herz Josef Diamant Ratnocz bei Pöstyen Wien ll. empfehlen sich als Verlobte. Clara Schiff Benjamin Gestetner Sopron Csorna enlpfehlen sich als Verlobte. Jolan Groß Max Mayer in Fa.Brüder Mayer, Wien-Budapest Raab Mattersdorf empfehlen sich als Verlobte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.