Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 43 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 43 Jüdische Korrespondenz Seite 9 Es ist alfo, dem Inhalt nach, ein Aufruf für Spenden, wahrscheinlich für die Kosten des Dienstes, Wohltätigkeit, Beamtenbesoldung, Auslagen für Materialien, Arbeiten in der Synagoge, Reparaturen, Vergrößerungen, selbst für Ausschmückung, in der Art wie die Legung der Mosaik selbst — wer weiß es? Denn augenscheinlich gehört sie u einer Synagoge. Der Name, mit dem sie genannt ist, ist sehr onderbar: atrah kadichah „Der Heilige Ort", und er erinnert an den Ausdruck, der, wie Philo uns erzählt, von den Effenern gebraucht wurde, „die heiligen Plätze", das heißt die Synagogen. Es ist bekannt, daß die Effener gerade in jenen Teilen an der Mündung des Jordans und des Toten Meeres lebten. Dies jedoch beweist noch nicht notwendig, daß das Datum unserer Mosaik in eine Zeit fallen muß, wo es noch Essener gab — das heißt zu Beginn oes christlichen Zeitalters. Aber dieser Ausdruck kann vielleicht auf eine Ueberlieferung essenischen Ursprungs zurückgeführt werden, möglicherweise durch die Vermittlung einer jener seltsamen jüdischen oder jüdisch-christlichen Sekten wie die Nazarener, die Gibeoniten usw. Denn, gemäß einer Reihe von Betrachtungen, für die hier nicht der Ort ist, werden sie in der ausführlichen Monographie erklärt werden, von der dies hier nur ein kurzer Auszug ist. Ich bin geneigt, das Datum dieser Inschrift so spät anzusetzen, wie die historischen Verhältnisse es zulassen. Die Tatsache, daß wir es mit einem Mosaikfußboden zu tun haben, ist nicht die kleinste dieser Erwägungen, denn die alten galiläischen Synagogen, welche bis ins zweite Jahrhundert nach Christi zurückgehen, hatten noch keine Mosaikfußböden. Alle ihre Fußböden waren aus großen steinernen Fliesen. Der Ort, wo die Mosaik gefunden wurde, und wo natürlich die Synagoge stand, ist die Gegend einer alten Stadt, von welcher noch charakteristische Spuren zu sehen sind. Ich selbst habe sie vor beinahe 60 Jahren besucht. Welche Stadt ist es gewesen, erbaut in der Ebene von Jericho nahe dem starken Strom, welcher am Fuße des Quarantanagebirges entspringt und von den Arabern „Ain-Duk", „die Quelle Duks", genannt wird? Der Name Duk ist zweifellos ein Ueberbleibse! von Dok, der Feste, wo im zweiten Jahrhundert vor Christo sich jene schreckliche Tragödie abspielte, welche mit dem Tode des berühmten hasmonäischen Fürsten Simon Maccabäus endete, welcher von seinem eigenen Schwiegersohn, Ptolemäus, dem Gouverneur von Jericho, überfallen und ermordet wurde. Ain Duk hat den Namen, aber nicht die genaue Lage des maccabäischen Dok bewahrt, welches zweifellos nicht weit davon, aber ein wenig weiter in den Bergen gelegen war. Ich habe früher die Hypothese aufgestellt, daß jener Ort die Stätte des Noara des Flavius Jösephus ist, von welcher der Tetrarch Archelaus, der Sohn des Herodes, die Wasserleitung gezogen hat, um die Palmengärten von Jericho zu bewässern. Dies Noara ist dasselbe wie das Na'aran des Talmud und das Noorath des Eusebius und St. Jerome, welche in ihrem Namenverzeichnis versuchen, es mit dem biblischen Noorath im Lande Ephraim zu identifizieren. Hierüber geben sie uns zwei wertvolle Jnformationspunkte; erstens, daß das Noorath ihrer Zeit fünf römische Meilen von Jericho entfernt lag (ungefähr in der gleichen Entfernung wie jenes Ain Duk von Jencho), und zweitens, daß die Stadt noch von Juden bewohnt war. Dies zeigt, daß dort noch ein jüdisches Zentrum existiere nach der endgültigen Zerstörung des politischen Judentums durch Hadrian. Nur war dieses Zentrum noch zu einer viel späteren Zeit in Blüte, wie durch die Schriften nachgewiesen ist, auf die ich oben bezug nahm. Diese bringen uns bis zum 4. und 5. Jahrhundert, gerade in das byzantinische Zeitalter. In Noeros, wird erzählt, nahe dem Doukaberge, hatten sich einige fanatische Juden angesiedelt und pflegten heftige Angriffe gegen die Mönche des Berges zu machen. Dieses Noeros gehört ohne jeden Zweifel zu der Serie gleichlautender Ortsnamen, von denen ich oben eine Reihe angeführt habe, und überdies entspricht es den topographischen Verhältnissen. Es ist natürlich klar, daß das, was von der Mosaik übrig geblieben ist, vollständig ausgegraben werden muß. Aber es ist ebenso wesentlich, unter dem Fußboden selbst Nachforschungen anzustellen. Denn vielleicht kann in den Fundamenten der alten Synagoge von Noeros irgendeine geheime unterirdische Vorratskammer gefunden werden, welche archäologische Schätze enthält. (Nach dem „Jewish Chronicle", 17. Oktober 1919.) Zeitschriften. Die dritte Nummer des „Haderech", der von dem Zentralkomitee der «Agudas Jisroel" in Zürich herausgegebenen hebräischen Monatsschrift, ist soeben erschienen. Neben einigen Artikeln enthält dieselbe ein reiches Nachrichtenmaterial über die orthodoxe Bewegung in allen Ländern. Unter dem Titel „Hajarden" begann in Zürich eine hebräische Monatsschrift religiös-literarischen Inhalts zu erscheinen. Die vorliegende, schön ausgestattete erste Nummer enthält mehrere publizistische und literarische Aufsätze. (Adresse: Redaktion „Hajarden", Zürich, Zwinglistraße 10.) „Karmenu" ist der Titel einer hebräischen Jugendzeitschrift, die in Lemberg erscheint und von M. C h a r t i n e r redigiert wird. Das Blatt dürfte zionistisch gehalten sein. Die Redaktion wird gut tun, anstatt Uebersetzungen von Roffeger usw. biblische Themata auf Grund des Talmud und Midrasch zu bearbeiten. Wenn schon national, so doch wenigstens auf rein jüdsscher Grundlage. Die Misrachi-Organisation in der Schweiz präsentiert die erste Nummer ihrer Monatsschrift „Misrachi" in deutscher Sprache. Zum ersten Male wurden in einem Misrachi-Organ wärmere religiöse Töne angeschlagen; das Zionistische kommt im Programmartikel erst in zweiter Linie — auch ein Fortschritt. Vielleicht ist dies ein Zeichen beginnender Erkenntnis. Ausgesprochen zionistisch - nationalistisch ist! die Monatsschrift „Esra", die vom jüdischen Hochschulausschuß in Wien herausgegeben wird und von der die ersten vier Hefte vorliegen. Don der Tendenz abgesehen, enthält das Blatt einige interessante Aufsätze. Das soeben erschienene Oktober-Heft des „Neuen Merkur" (Verlag „Der Neue Merkur", München, Preis Mk. 2-75) zeichnet bedeutungsvolle Auswahl und hoher Rang vor anderen Zeitschriften aus- Inhalt: Rudolf Pannwitz, Europäische Politik, nicht Weltpolitik; Rudolf Kayser, Vom inneren Pazifismus; Rudolf G. Bindung, Die Keuschheitslegende; Oskar Loerke, Ein Laie; Hugo Horwitz, Schöpferische Gemeinschaft; Otto Flake, Ueber „Die Stadt des Hirns"; Rudolf Oldenbourg, Kunstpflege; Hans Braun, Münchner Theatersommer; Karl Bröger, Geist und Masse; Hermann Erhard, Die Stadtkrone; Jean Paul, Aus „Herbstblumine". Neue Bücher. „Weltbücher." Der „Welt-Verlag", Berlin, N. W. 7, läßt Schriften unter dem Titel „Weltbücher" erscheinen, von welchen die ersten vier Bände vorliegen. Sie enthalten: 1—2. „Jerusalem", von Moses Mendelsohn; 3.' „Rettung der Juden", von Menosse ben Israel; 4—5. „Neunzehn Briefe über Judentum", von Samson Raphael Hirsch; 6. „Vier Essais über ostjüdische Dichtung und Kultur", von Fritz Mordechai Kaufmann. Preis pro Band Mk. 2-—, Doppelband Mk. 3—. — Der Gedanke, eine solche Schriftenauswahl herauszugeben, kann als glücklich bezeichnet werden. Die Leitung hat mit den ersten Veröffentlichungen eine gute Wahl getroffen. Auch die weiteren Ankündigungen, darunter „Moses" von Henry Georges, Uebertragungen aus dem Sohar, versprechen interessant zu werden. „Im Strahlenglanze der Menora." Ein neues Chanukkabuch. Von E- P l e m l e r. Berlin, 1920. Verlag von Louis Lamm, Berlin, C. 2. Preis Mk. 4 50. — Eine gute Sammlung von Aufsätzen, Gedichten und Erzählungen zum Charukkafest. „Die Sexualethik der jüdischen Wiedergeburt." Ein Wort an unsere Jugend. Von Hans Goslar. Jüdischer Verlag, Berlin. 1919. Preis Mk- 5'—. — Der Verfasser behandelt diese wichtigen Probleme mit großer Sachkenntnis und Wärme. Das Buch enthält folgende Kapitel: Einleitung. Assimilation und Zerfall. Enkel und Ahnen, Abstinenz, Frühehe, Wirtschaftliche Hemmnisse, Zion. „Dentschlauds Hungersnot." Von General d. Inf. z. D. von Francois. Flugschriften des „Tag" Nr. 7. Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin. Preis Mk. 2-—. — „Das ganze Unheil, das über Deutschland hereingebrochen ist, wurzelt in der Hungersnot. Man ist geneigt, die Ursache der Hungersnot einzig und allein der Blockade zuzuschreiben, die der brutale Vernichtungswille der Feinde uns auferlegte. Das ist aber ein Trugschluß. Ein großer Teil der Schuld lastet auf den Schultern der Männer, die vor und während des Krieges für die Volksernährung verantwortlich waren." Diese Anklage begründet der als Fachmann auf dem Gebiete des militärischen Verpflegungswesens bestens bekannte Verfaffer in knappen klaren Darlegungen voll vornehmer Sachlichkeit. Neben der Kritik gibt er wohldurchdachte und wohlbegründete Vorschläge zur Hebung unserer LebenSmittelnot. Er fordert den vernünftigen Abbau der Zwangsrationierung, will dafür ein neues Wirtschaftssystem, das schon den Anbau der Lebensmittel unter behördliche Aufsicht stellt und die gesamte Produktion nach den Bedürfnissen regelt und fördert. Die klaren Ausführungen verdienen die ernste Beachtung aller in Betracht kommenden Kreise. „Lndeudorff" von Dr. Wilhelm Spickernagel, Berlin 1919. Staatspolitischer Verlag G. m. b. H., Berlin W 66, Wtlhelmstraße 46-47. Preis Mk. 4-—. — Die soeben erschienene Schrift von Dr. Spickernagel gibt auf Grund zuverlässiger Kenntnis der Dinge ein unbefangenes, neutrales Bild von der Persönlichkeit und dem Wirken des hartumstrittenen Feldherrn. In seiner klargegliederten fesselnden Darstellung teilt der Verfaffer eine Reihe neuer, der Oeffentlichkeit bisher noch unbekannter Tatsachen mit, welche geeignet sein dürften, die Kritik der Persönlichkeit Ludendorffs in mehr als einer Hinsicht auf eine neue Grundlage zu stellen. Somit bildet die Schrift eine wertvolle Ergänzung zu den „Denkwürdigkeiten" Ludendorffs. Kein Deutscher, der sich ein klares Urteil über die Persönlichkeit des Generalquartiermeisters bilden will, wird an der Schilderung von Dr. Spickernagel vorübergehen können. Aus dem Inhalt seien folgende Kapitel besonders hervorgehoben: Vor dem Kriege: Aus Ludendorffs Jugendtagen. Militärische Laufbahn vor dem Kriege. Düsseldorf. Der Krieg: Lüttich. Als Generalstabschef Hindenburgs. Das Kulturwerk im Osten. Antritt' in die Oberste Heeresleitung. Vaterländische Aufklärungsarbeit. Fürsorgetätigkeit des Generalquartiermeisters. Der Kampf um den Frieden: Die Schlacht in Frankreich. Die Reservenrechnung der O. H.-L. Das Wassenstillstandsangebot. Ludendorff und Scheidemann. Ludendorff und die Politik. „Der Golem." Eine Ghettolegende von Artur Holitsch er. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. Mk. 2—, geb. Mk. 3—. — Wenn man sieht, mit wie geringen Variationen bekannter Typen sich das