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Jüdische Korrespondenz · 1919-11-07 · 41 (7.11.1919) · page 8

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
41 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Jüdische Korrespondenz Ar: 41 Bemerkungen aus der Goziallehre der Bibel. Von Dr. B. M a y (Frankfurt a. M.). Jeder Zeit ist durch die Strebungen und Regungen, von denen sie selbst bewegt ist, ihre besondere Aufgabe auch an der Erkenntnis der Vergangenheit zugewiesen. Zeiten und Geschlechter, die von religiösen Kämpfen und Krisen durchtobt waren, wie das Reformationszeitalter und das Geschlecht der englischen Nevolutionskirchen, haben sich in die heroischen Züge des religiösen Kampfes vertieft und eingelebt, die den Heldengestalten der Prophetie eingegraben sind. Die literarische Kulturperiode, die unmittelbar hinter uns liegt, hat sich von der Schönheit und Kraft ihrer Sprache und ihrer Gedanken tief beeinflussen lassen. Den Ausgangspunkt alles prophetischen Wirkens haben wir in jenen Kerngedanken zu suchen, die in dem Manifeste eines irdischen Gottesstaates, in der Thora niedergelegt sind. Führen wir uns einen kleinen Ausschnitt der sozialen Korngedanken dieser Schrift vor. In gewaltigem Akkord setzt sie ein. um die Grundlehre ihres Sozialismus zu verkünden: Es ist ein Gott. Gott der Herr schafft und erschafft alles, alles, vom Tautropfen, der am Grashalm zittert, bis zum Meere, das mit wogendem Flutenarm die Erde umspannt, was sich auf ihr regt und bewegt, alles ist dem einen Auserwählten übergeben, dem Menschen, der Gottgleichheit in sich trägt und deshalb aller Naturgebundenheit gegenüber frei ist. Und was ist seine Bestimmung und damit der Zweck der Schöpfung? Die Arbeit? Nein und tausendmal nein! Arbeit ist nur Mittel. Die Feier als die Freiheit in Gott. Darum ward der Akt der Schöpfung mit dem Tage der Feier gekrönt. Natur kennt keine Feier, aber der Mensch, der mit Seele, mit Bewußtsein begabte, er will, er muß seiner Seele, seines Seins, seiner Würde, seiner Freiheit, seiner Gotthörigkeit und Unabhängigkeit von der Erde und ihren Schlacken sich bewußt werden: weil Gott ist, weil er Möglichkeit zum Göttlichen — Gottebenbildlichkeit — in sich trägt, will er Gott erleben. Der Sabbat gibt diesem Gedanken Wirklichkeit. Er ist das einschneidendste, revolutionierendste Gesetz der sozialen Menschheit, er ist der erste, unvergänglichste Adelsbrief der Menschheit, den Hellas und Rom, von allen früheren Staaten zu schweigen, nie gekannt, erkannt und anerkannt haben, der im Prinzip schon vor Jahrtausenden alle Sklaverei beseitigte. tst er doch einmal direkt mit den Worten begründet: damit ruhe dein necht und deine Magd gleich dir. Schon seinetwegen verdiente Israel von der Menschheit als Volk Gottes anerkannt zu werden. Mit Bezug auf den Sabbat sagt der amerikanische Nationalökonom Henry Georges in einer Rede in Glasgow: „Das einzige bis auf diesen Tag, was zwischen unseren arbeitenden Klassen und Frondienst ohne Unterlaß fleht, ist eines dieser mosaischen Gesetze. In der politischen Oekonomie ist nichts klarer erwiesen, als daß unter den heutigen Verhältnissen die Arbeiterklaffe für siebentägige Arbeit nicht mehr Lohn bekommen würde, als sie jetzt für die sechstägige bekommt, und es würde ihr gerade so schwer fallen, die Zahl der täglichen Arbeitsstunden zu reduzieren wie jetzt. Daß da ein Tag in der Woche ist, den der Arbeiter für sich beanspruchen darf — ein Tag in der Woche, an dem der Hammer schweigt und der Webstuhl still steht, das ist dem Judentum zu verdanken, dem Gesetz, das in der sinaitischen Wüste entstand. Und wer, der die Verschwendung an Produktivkraft betrachtet, kann zweifeln, daß die moderne Gesellschaft nicht nur glücklicher, sondern auch reicher wäie, hätten wir wie den Sabbattag auch die wundervolle Idee des Sabbatjahres übernommen. Der Geist der Bibel hat Throne gestürzt und Priesterherrschaft niedergeworfen. Er stärkte den schottischen Covenanter in schweren Stunden und hieß den Puritaner ausharren in Schnee und Eis eines fremden Landes. Das Leben Mosis ebenso wie seine Gesetze sind ein Protest gegen jene lächerliche Lehre, die heute sowie vor 3000 Jahren im Umlaufe ist, jene Lehre, die oft von christlichen Kanzeln verkündet wird, daß das Elend und die Leiden der Menschen ihren Ursprung haben in einer geheimnisvollen Untätigkeit der Vorsehung, die wir wohl beklagen, nicht aber ändern können, und gegen die wir uns nicht auflehnen , sollen." Nein, diese Lehre läßt den Willen des Menschen, den sie für frei,erklärt, zum Schöpfer seines Schicksals werden, sie stellt sich ganz ,auf den Boden des realen Lebens und gibt sich keinen utopischen Hoffnungen betreffs der Möglichkeit eines Ausgleiches sozialer Gegensätze hin. Und wie sucht sie dieser Realität des Daseins gerecht zu werden, welches ist das heilige „Mittel", das zum heiligen Ziel, zur Feier, zur Verklärung des Daseins führt? Dies Mittel ist die Arbeit. Die Arbeit erhebt die Thora und nur die Thora zum Mittelpunkt alles Rechtes auf Leben und Besitz. Sie hielt ein Plato eines Griechen für unwürdig, sie nannte „verächtlich" ein Tenophon ebenso wie ein Cicero. Der Germane überwies sie an den Sklaven. Nur die Bibel schafft die Gesetze, die sie zum unumgänglichen Erfordernis des Lebens jedes Einzelnen machen. Dafür nur ein Beispiel, ein grundlegendes freilich: Das Zinsverbot. Im 2. V. M. 22 V. 24, heißt es: Wenn du Geld leihest meinem Volke, dem Armen neben dir, sollst du ihm nicht wie ein Schuldforderer sein; ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen. Der Ausdruck „loveh", leihen, kommt sonst nur noch in der Bedeutung eines freien, persönlichen, die Person des anderen fördernden Anschluffes vor. So der Anschluß des Gatten an die Gattin (1. B. M. 29, V. 24), des Proselyten an Israels Gott (Jes. 56, V. 3. 6, Esth. 9, V. 27). Der Leihende ist also nach der Bibel der, der den finanziell Schwachen zu leiten hat. Zum Verse selbst führt S. R. Hirsch in seinem Pentatcuchkommentare aus: „Mit dem Zinsverbot ist dem fruchtbarsten Faktor der sozialen Ungleichheit, dem Gelde, der verderblichste Einfluß genommen, die Uebermacht des Kapitals gebrochen. Wird dieses Verbot in seinem gesetzlichen Ernst aufrecht erhalten, so ist jedes Kapital an sich völlig tot und unfruchtbar und kann nur durch Vermählung mit der Arbeitskraft fruchtbar gemacht werden. Das Kapital ist gezwungen, die Ebenbürtigkeit der Arbeitskraft anzuerkennen. Jenem schreienden Kontraste, wo neben der mächtigen Opulenz das Elend der Arbeit wuchert, ist mit diesem Gesetze der Boden der Möglichkeit entzogen." (Schluß folgt.) Adas Jisroel (Schiffschul), II., Große Schiffg. 8. Gebetstunden in der Zeit vom 14. bis 21. Cheschwan (8. bis 15. November). Freitag, 14. Cheschwan: Sabbateingang 4'30. 1 Samstag, 15. Cheschwan: Morgengebet 7 und 9 30, Mincha 12 15 und 3 30, Sabbatausgang 5 25. An Wochentagen: Morgengebet 6 30, Mincha 4 30. Epstfilassigen IMeranteMlit erteilt staatlich geprüfte Klavierpädagogin für Anfänger und Vorgeschrittene. Zuschriften unter „Gewissenhaft“ an die Administration des Blattes. (2-2) Gejsuclit wird nach Preßburg für meine beiden Kinder (7jährigerKnabe und 9jähriges Mädehen) eine streng religiöse Erzieherin, die auch den Haushalt beaufsichtigen soll. Anfragen an Löwy, II., Große Pfarrgasse 6. 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