Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 37 (7.10.1919)
- Date
- 1919-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Be zu g s p r^ei s : Ganzjährig K 34, halbjährig K13, vierteljährig K 6. — Ausland jährlich K 40. ' Einzelnummer 50 Heller. Korrespondenz * j j! Redaktion und Administration: Organ für ule Interessen des i Wien, vm., Aiserstraße 55. orthodoxen Judentums. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Np. 37/38. Wien, 13. Tischri 5680, 7. Oktober 1919. V.Jahrgang. Wegen des Srrkkoth-Feftes erscheint unsere nächste Nummer um 24. Oktober. mtoty. ' Das Sukkothsest mit dem sich unmittelbar an dasselbe anschließenden Simchas-Thora-Feste ist das Letzte im Zyklus der gottgebotenen Feiertage. Die Reihe der Feste eröffnet im Frühling Pessach, das Fest der Besreiung. Ihm folgt im Hochsommer der Gedenktag der geistigen Besreiung, die Offenbarung am Sinai. Dann, wenn der scheidende Sommer die 'letzten Grüße ins Land sendet und das allmähliche Absterben -'in der Natur den Eintritt des Herbstes verkündet, wenn das Schofarhorn in der Synagoge hörbar wird, rüstet sich das .'Judentum zu einer Reihe von religiösen Festen, die mit dem ^Neujahrsfeste eröffnet werden. - '.''Die Bedeutung dieses ersten Festes liegt so nahe, so.klar vor Augen, daß sie eigentlich, nicht erst braucht auseinander-! gesetzt zu wsrden!?Sie liegtziu seinMNamey^Mdfch-HaschWä^ „Jahresanfang", den wohl die schriftliche Lehre nicht kennt, der aber durch die Ueberlieferung geheiligt ist und in der Feier dieses Festes zunächst zum Ausdrucke gelangt. Auch ohne die Vorschrift des-Gesetzes, das Gebot unseres Herzens hätte uns schon zur Feier des Jahresanfanges anfgefordert. Es ist ein Tag des Denkens und Erinnerns, an welchem wir zu lichter Selbsterkenntnis uns erheben, an dem wir das Leben verstehen und würdigen lernen, an dem wir uns rüsten mit sittlicher Kraft, an dem wir uns erheben und ermutigen, um emporzusteigen zu den Höhen dauernden Heils und religiöser Vollendung. Ja, erinnern sollen wir uns an das, was wir versäumt oder gar verdorben haben, an das, was wir vergessen und vernachlässigt haben; erinnern daran, wie wir im Leichtsinn und Unvernunft uns unserer Bestimmung entzogen und entfremdet haben, wie wir, teils durch Jndifferentismus, teils durch irrige Auffassung das Heiligste vernachlässigt und verraten haben. Aus dieser Erinnerung sollten wir den Antrieb, die Kraft zur inneren Erhebung und Aneiserung schöpfen. Darum: „aschre haam jaudei terua“ — „Heil dem Volke, das den Weckruf des Schofar versteht, es wandelt im Lichte der göttlichen Wahrheit!" Anders gestaltet als die übrigen Feiertage des Jahres ist das hohe Fest des Versöhnungstages, das wir unmittelbar nach dem Neujahrsfeste feiern. Während es zur Feier der übrigen'Feste gehört, daß wir sie durch Speisen und Trank auszeichnen, legt der Versöhnungstag uns auf, uns diese und ändere Genüsse ganz zu entziehen. Wir sollen an diesem Tage ein rein geistiges Leben führen und uns völlig ungestört dem Dienste Gottes weihen. Es ist ein Fest der körperlichen Entbehrungen und zugleich der höchsten geistigen Freude. Der milde und friedliche Hauch der Versöhnung weht im Lager Israels, die Herzen erweitern sich, jeder Groll schwindet, erlittene Kränkungen werden vergessen, Beleidigungen verziehen, der Geist der Liebe siegt über die Macht des Hasses, sogar den Fremden, den Nichtjuden wird verziehen — „welager hagar betaüchom“ — und Frieden und Eintracht herrschen unter der Gesamtheit des jüdischen Volkes. Der Versöhnungs- An unsere P. t. Abonnenten. Die in letzter Zeit wieder eingetretene bedeutende Steigerung der Druckkosten zwingen uns, den Bezugspreis der „Jüdischen Korrespondenz" ab 1. Oktober 1919 zu erhöhen. Dasselbe beträgt nunmehr: Harrzjährig K 24 —, Halbjährig K 12 Vierteljährig K 6 —, für das Ausland K 40*—. Die P. T. Abonnenten, die den alten Preis bis Ende 1919 bezahlt haben, werden ersucht, die Differenz für das letzte Vierteljahr nachzuzahlen. Die Abonnenten in der Tschecho-Slowakei werden ersucht, das Abonnement an Herrn Isidor Pappen he im, Preß-- b u r g, D o n a u st r a ß e 26, einzusenden. Die Abonnenten und Verschleißstellen in Polen und Galizien belieben die Bezugsgebühr an die „Ludowa Kasa Zaliczkowa", Krakau, Gertruda 9, für die „Jüdische Korrespondenz" einzusenden. Abonnements in Ungarn, welche abgelausen sind, wollen an Herrn Simon Schischa in Sopran, Papred 10, erneuert werden, woselbst auch Neuanmeldungen 'entgegengenommen werden. Der Ordnung wegen ersuchen wir, die Administration von der Entrichtung des Abonnements zu verständigen. tag ist in dieser Beziehung ein Symbol der jüdischen Einheit der jüdischen Solidarität. „In Hütten sollt ihr wohnen sieben Tage, auf daß Eure Nachkommen es erfahren, daß ich in Hütten habe die Kinder Israels wohnen lassen, als ich sie aus dem Lande Aegypten geführt" (III. B. M. XXIII, 42—43) — so lautet das göttliche Gebot, demgemäß wir an den Tagen des Herbstes unsere feste Wohnung verlassen, um uns in Laubhütten zu begeben. Die vier Pstanzenarten, die wir an jedem Tage des Festes in die Hand nehmen, sind das Symbol der Freude, aber auch eine Rückerinnerung an die schönen, längstverflossenen Zeiten, da wir noch im Lande unserer Väter jeder unter seinem Weinstocke und unter seinem Feigenbäume ruhte. — Wer kennt sie nicht, diese schöne Symbole eines trauten Sukkothfestes? Welch herzliche Erinnerungen und wonnige Empfindungen tauchen nicht bei deren bloßem Anblick in unserer Seele und in un-.. serem Gemüt auf! Das gelobte Land mit all seinen sonnigen Fluren und heiligem Boden, wo jede Hütte ihre Geschichte hat, wo jedes winzige Plätzchen Zeuge weltbeglückender und welterschütternder Ereignisse gewesen, Zeugen des Wohl und Wehes, das die Herzen unserer Ahnen durchbebte und beseeligte; der mächtige Libanon mit seinen rauschenden Wipfeln, Syrien, Palästina, ja der ganze Orient, diese Wiege des Monotheismus und der göttlichen Wahrheit, — dies alles tritt, wie auf einen Zauberschlag, vor unseren geistigen Augen mächtig hervor und flößt gar manche süße Gefühle, gar manche trostreiche Hoffnung in unsere schwergeprüften Seelen. Die Laubhütte bezeugt aber auch die Ewigkeit Israels Wie sollte auch das Judentum vernichtet werden, oder altern und sterben können, wenn es Jahr für Jahr, gerade zur Zeit, wenn durch das Herabfallen der Blätter von den Bäumen