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Jüdische Korrespondenz · 1919-09-23 · 35 (23.9.1919) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
35 (23.9.1919)
Date
1919-09-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Bezugspreis: Ganzjährig K 24, halbjährig Kl 2, vierteljährig K 6. — Ausland jährlich K 40. Einzelnummer 50 Heller. Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Ereitag. Nu*. 35/36. Wien, 28. Elul 5679, 23. September 1919. V. Jahrgang. Den geehrten Leiern, Dlitarbeitern und freund«« wünlcben wir aus JlnlaB des Jabreswecblels pqtö nom rann Die Redabtion. 5699-5680. Die Stimme der Posaune verkündet den Beginn eines neuen Jahres. Es gilt, vom abgelaufenen Abschied zu nehmen. Aber, trotz des bekannten „De mortuis nil nisi bene“, kann dem Jahre 5679 kein gutes Wort nachgesagt werden. Es hat nach keiner Richtung die in dasselbe gesetzten Hoffnungen erfüllt. An seiner Schwelle erwartete die schwergeprüfte Menschheit das Ende des blutigen Krieges und den Anbruch einer neuen Friedensperiode. Das Jahr hat das Ende des Krieges nicht gebracht — noch immer wird an verschiedenen Fronten gekämpft — es hat keine neue Friedensperiode gebracht. Der Friede, wie er heute aussieht, ist ärger als der Krieg. Dieser mußte nach menschlicher Berechnung schließlich einmal sein Ende finden. Die Lebensdauer des Chaos, dessen Zeugen wir heute sind, läßt sich gar nicht abschätzen. Wir sind durch den Krieg an den Rand des Abgrundes geführt worden, aber der Friede hat uns nicht befreit. Wir sind durch das neue System nicht erlöst worden, die neue „Weltordnung" hat kein Glück gebracht. Nein, man hat keine Ursache, dem scheidenden Jahre eine Träne nachzuweinen. Am wenigsten wir Juden. Uns hat das Jahr 5679 nur Kummer und Unglück gebracht. Die Pogrome im Osten, die an die furchtbarsten Zeiten Chmielnickis erinnern, der wilde Haß in Mitteleuropa, der immer größere Dimensionen annimmt, — wohin wir blicken: nach Polen, Ukraine, Ungarn, Tschechoslowakei, Rumänien, in all diesen Ländern Blut und Feuer, Mord und Raub, Plünderung und Schändung. Anderwärts Haß und Hetze. Das Wort „Jude" ist wie selten wann zum Schibolet der Tagespolitik geworden. Demokratie und Sozialdemokratie, Freiheit und Gleichheit versagen, wenn es sich um Juden handelt. Was die Friedenskonferenz angeblich zu unserem Gunsten geschaffen hat, ist nichts anderes als Illusionen. Weder in den neu entstandenen Staaten, noch im lieben alten Rumänien, können die sogenannten „Minoritätsschutzbedingungen" das Leben und Vermögen unserer Brüder schützen, ihre Existenz verbürgen. Dabei weigert sich noch Rumänien offen, die Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Es wäre Selbsttäuschung, wollte man sich bestimmten Hoffnungen hingeben. Selbst der einzige Lichtpunkt, den der Frieden sür das jüdische Volk aufzuweisen hat, die Palästinasache, ist noch immer nicht klar genug. «Um das Land unserer Sehnsucht wird im Rate der Völker gefeilscht und gewürfelt. Wer weiß, wie das letzte Wort lauten wird und was uns dort bevorsteht. Im Innern hat der Abfall einerseits und die Ueberhandnahme des a-religiösen Nationalismus anderseits immer größere Verheerungen angerichtet. Das erfreuliche Aufraffen der glaubenstreuen Judenschaft, der nivellierenden Flut einen Damm entgegenzustellen, ist leider noch nicht stark genug, um An unsere P. T. Abonnenten. Die in letzter Zeit wieder eingetretene bedeutende Steigerung der Druckkosten zwingen uns, den Bezugspreis der „Jüdischen Korrespondenz" ab 1. Oktober 1919 zu erhöhen. Dasselbe beträgt nunmehr: OarrzMrig K 24'—, Katöjährig K 12 Werte kzührig K 6 —, für das Anstand K 40'—. Die P. T. Abonnenten, die den alten Preis bis Ende 1919 bezahlt haben, werden ersucht, die Differenz für das letzte Vierteljahr nachzuzahlen. Die Abonnenten in der Tschecho-Slowakei werden ersucht, das Abonnement an Herrn Isidor Pappenheim, Preßburg, Donaustraße 26, einzusenden. Die Abonnenten und Verschleißstellen in Polen und Galizien belieben die Bezugsgebühr an die „Ludowa Kasa Zaliezkowa", Krakau, Gertruda 9, für die „Jüdische Korrespondenz" einzusenden. Abonnenrents in Ungarn, welche abgelaufen sind, wollen an Herrn Simon Schischa in Sopron, Papred 10, erneuert werden, woselbst auch Neuanmeldungen entgegengenvmmen werden. Der Ordnung wegen ersuchen wir, die Administration von der Entrichtung des Abonnements zu verständigen. die Wolken, die den Himmel der Glaubenstreue bedecken, zu verscheuchen. So stehen wir nun an der Schwelle des scheidenden Jahres, ohne demselben ein freundliches Abschiedswort zurufen zu können. Allein, gerade darum, daß dieses fluchbeladene Jahr von uns scheidet, atmen wir heute etwas freier auf. Wir wissen, am vergangenen Rösch Haschana ist es uns bestimmt worden, das ganze Jahr hindurch so zu leiden und zu bluten. Das Urteil ist nun vollbracht, die uns auferlegte Strafe abgebüßt. Rein und geläutert werden wir in den nächsten Tagen vor den Richter aller Welt im Himmel hintreten, um ein besseres, glücklicheres Jahr zu erflehen. Der Ewige im Himmel war Zeuge unserer Leiden; er möge diesmal den satanischen Verleumdern Schweigen gebieten und seinem Volke Israel als Gesamtheit, wie jedem Einzelnen ein gutes, glückliches Jahr zubilligen. Es gehe zu Ende das Jahr und seine Flüche — es beginne das Jahr und seine Segnungen!! rrrrnroi rw ^nn Rosch Daschaira. Am Berge Karmel war's. Drunten lag ausgetrocknet der Kison, und droben wölbte sich ein heißer grauer Himmel. Unübersehbar aber dehnte sich eine Menschenmenge am Abhang. Denn das seltsamste Schauspiel galt es zu erleben. Ein einsamer Greis kämpfte für seinen Gott, den er den einzig wahren nannte, gegen 450 Baalspropheten, Altar gegen Altar, Opfer gegen Opfer, Gebet gegen Gebet rang er mit ihnen. Welcher Gott mit Feuer vom Himmel antworten würde, der sollte der wahre seine. Und Baal schwieg den ganzen Tag, seine Propheten zerrissen sich den Leib vor Raserei, und dennoch schwieg er. Dann aber hob Elia, der Greis, seiner Seele Inbrunst zum Gotte Abrahams in einein kurzen Gebet und im. selben Augenblick lagen die Tausende Israels auf den Knien

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