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Jüdische Korrespondenz · 1919-09-12 · 34 (12.9.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
34 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Bezugspreis: Ganzjährig K 16, halbjährig K 8, vierteljährig K 4. — Ausland jährlich K 30. Einzelnummer 40 Heller. | Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: j Wien, VIII., Alserstraße 55. I Postsparkassenkonto Nr. 184.299. j Erscheint jeden Freitag. llr. 34. Wien, 17. EIul 5679, 12. September 1919. V. Jahrgang. Die näcbTte Nummer der „Milchen Norrelpondenr" erscheint am 23. September als Dolch-fialchana-Nummer in vergrößertem Umfang. Leimlose jüdische Linder. „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du deine Macht begründet." (Psalm, 6, 3). Es wird jetzt sehr viel bei uns von der Erhaltung der Jugend beiin Judentum, von der Erziehung der Jugend im jüdischen Geiste, von der Fortpflanzung und Vertiefung der Liebe zum Judentum in den Herzen der jungen Generation gesprochen und geschrieben. Seitens der radikalen Elemente wird gewissermaßen ein Tanz um die Seele der Jugend aufgeführt, kein Mittel wird unversucht gelassen, um die Jugend für die modernen Schlagworte nationaler oder sozialer Färbung zu gewinnen. Die glaubenstreue Judenheit, auf deren Kosten diese Eroberungszüge in der Regel geführt werden, wehrt sich dagegen mit Eifer und Entschiedenheit — besonders in letzter Zeit findet die nationalistische und sozialistische Seelenfängerei im Lager der Jugend einen immer entschiedeneren Widerstand und es ist zu erwarten, daß es mit der Zeit gelingen wird, das Gros der glaubenstreuen Jugend allen Verlockungen zunt Trotz dem unverfälschten Judentum zu erhalten — vorausgesetzt, daß die berufenen Faktoren in ^ihrem Eifer nicht Nachlassen werden. So löblich und segensreich diese Arbeit ist, so ließ sie bisher nach einer Richtung manches zu wünschen übrig. Um das Schicksal der ziemlich zahlreichen 'Heimlosen jüdischen Kinder hat man sich in orthodoxen Kreisen bisher wenig gekümmert. Diese Kinder, die, sei es als Waisen, sei es aus anderen Gründen in Kinderheimstätten oder bei Pflegeellern untergebracht wurden, gingen in der Regel dem Judentum verloren. Gar oft verfielen sie schon im zartesten Kindesalter einer nichtjüdischen Erziehung, indem sie in Heimstätten, wo die Majorität der Kinder Nichtjuden sind, untergebracht waren und dort direkt christliche Erziehung erhielten, oder sie wurden nichtjüdischen Eltern zur Pflege übergeberr, was auf dasselbe herauskam. Aber selbst in gewissen, sogenannten „jüdischen" Heimstätten war und ist die Erziehung alles eher als jüdisch ... Mit einem Worte: Hunderte und aber Hunderte jüdischer Kinder waren direkt dem Abfall überlassen. Nun soll es, wir wollen hoffen, besser werden. Angeregt durch einen in der „Jüdischen Korrespondenz", Nummer 32, (3. Elul) seitens des Herrn Josef Weiß veröffentlichten Appell haben die Herren Wolf Pappenheim und Akiwa Schreiber für Sonntag, den 12. Elul (7. September), eine außerordentliche Besprechung einberufen, zu welcher die in Betracht kommenden Kreise eingeladen wurden. Die Besprechung war zahlreich besucht. Nachdem der Vorsitzende den Zweck der Besprechung erläutert und auf die große Bedeutung der Aktion hingewiesen hat, mit Rücksicht darauf, daß es sich um mehrere Hunderte Kinder handelt, entwickelte sich eine sehr anregende und lebhafte Diskussion, an der sich die Herren Direktor Lemberger, Brody, Hertzka (Jugendgruppe), S. Kohn, Leitner, Dr. Reininger, Schreiber, Adler, Frommer, Porges, L. Fischer, Weiß, sowie Rabbiner Katz (Borszczow) beteiligten. Sämtliche Redner anerkannten die große Tragweite der Aktion und erklärten sich bereit, an derselben mit Rat und Tat mitznwirken. Die Diskussion drehte sich hauptsächlich darum, ob für die in Betracht kommenden Kinder spezielle Heimstätten auf religiöser Basis zu errichten wären, oder ob man religiöse Pflegeeltern ausfindig machen sollte, denen die Kinder zu übergeben wären. Im Laufe der Diskussion wurde eine Reihe praktischer und ersprießlicher Anregungen unterbreitet. Es wurde ein Komitee gewählt, dem - zunächst die Sichtung des Materials und die Einleitung der ersten Schritte zur Aufgabe gemacht wurde. Nachher soll in kürzester Zeit eine zweite Besprechung stattfinden, welche auf Grund des Vorhandellen Materials bestimmte Beschlüsse zu fassen haben wird. Dem Komitee, das den Namen „Vorbereitendes Komitee zur Versorgung heimloser jüdischer Kinder" führt, gehören folgende Mitglieder an: Sandor Adler, Ludwig Fischer, Rabbiner Heschel, Rabbiner Katz, S. Kohn, Direktor Lemberger, Dr. Reininger, Akiwa Schreiber, Josef Weiß, sowie je ein Vertreter der Schiffschul, der orthodoxen Jugendgruppe, des jüdischen Krankenvereines und des Vereines „Tomech-Ewjaunim". Vorsitzender ist Herr S. Kohn, Schriftführer Herr Josef Weiß. Angesichts der großen Tragweite dieser Aktion wollen roir hoffen, daß das Komitee es sich angelegen sein lassen wird, die Aktion rasch in Fluß zu bringen. An. die jüdische Oeffentlichkeit, besonders an die glaubenstreue, richten wir schon heute den eindringlichen Zlppell, das Unternehmen moralisch und materiell zu unterstützen und nach Kräften zu fördern. Es handelt sich um die Rettung von Hunderten Kindern für das Judentum: „Hisoharu bibne Anijim!“ Oer Friede von Zaint-Germain. Nun ist er endlich da, der so lang ersehnte Friede voll Saint-Germain. Daß auch dieser Friede, ähnlich dem von Versailles, himmelweit davon entfernt ist, ein Rechtsfriede zu sein, ist hinlänglich bekannt. Diese Bedingungen lassen der „Republik Oesterreich" keine Lebensmöglichkeiten. Sollte es nicht Aufgabe der Wiedergulnlachungskommission sein, den Vertrag derart zu interpretieren, daß die Kanten und Härten desselben gemildert werden, dann wird dieser Vertrag ein Fetzen Papier bleiben. Darüber dürfte man sich in Saint-Germain klar gewesen sein, indem man der Reparationskommission eine weitgehende Machtvollkommenheit gewährte. Wie sie sich ihrer Aufgabe entledigen werde, das wollen wir abwarten. An dieser Stelle wollen wir uns heute bloß jene Bestimmungen näher ansehen, die auf die Juden Bezug haben. Es handelt sich zunächst um die Bestimmungen über das Staatsbürgerrecht und den Schutz der Minderheiten. Die Bestimmungen über das Staatsbürgerrecht haben die Erwartungen nicht erfüllt. Das Optionsrecht ist höchst einseitig und überaus unklar formuliert. Es wird auf Grund desselben den Bürgern des ehemaligen Oesterreich ziemlich schwer fallen, für die Republik Oesterreich zu optieren — vielfach werden darunter jene Juden zu leiden haben, welche aus politischen Gründen gerne Bürger des neuen Oesterreich lverdell möchten. Etwas günstiger sind die Bestimmungell über den Schutz der Minoritäten, obwohl auch diese nicht immer genug deutlich und zweckentsprechend sind. Diese Bestimmungen lauten:

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