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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-29 · 32 (29.8.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
32 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 ehe; i s : I Ganzjährig K 16, halbjährig K 8, viertel- | jährig K 4. — Ausland jährlich K 30. j Einzelnummer 40 Heller. j Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Nr. 32. Wien, 3. Elul 5679, 29. August 1919. V. Jahrgang» Lliil-Gedanken. Der Sommer geht zu Ende, die wärmende Kraft der Sonne wird schwächer und der Herbst lündet sich an. Mit dem Wechsel der Jahreszeit wechselt auch das Treiben und Hasten der Menschen. Die frohen Ferienmonate sind vorüber und jeder kehrt zu seiner alltäglichen Arbeit zurück. Er beginnt aufs neue zu schaffen, um Güter zu erzeugen. Nach den Wochen der Rast und des Ausruhens kommen die Monate der Arbeit und der Tätigkeit. So ist der Werdegang der Welt, so spielt sich das Leben, Streben und Weben der Menschen ab. Für die Juden hat die Sonnenwende eine ganz andere Bedeutung. Unser Leben ist ja so grundverschieden von demjenigen unserer Mitbürger. Gar oft, wenn diese die Feste der Natur feiern und sich allen Behaglichkeiten des Lebens hingeben, sind wir zum Trauern verurteilt, ^durchleben wir düstere Stunden. Im Frühling zählen wir die sieben Sephira-Wochen, im Hochsommer- Haben wir drei Trauerwochen und selbst die frohe Stimmung der sieben Trostsabbate erleidet Einbuße durch den Ernst der Elul-Tage, da die Stimme des Schaufor uns das Herannahen der „Jomim-hanouruim", der furchtbaren Tage, anküudigt. Freilich, für diejenigen, die sich bereits jenseits von Gut und Böse befinden, haben die vier Wochen des Elulmonats wenig zu bedeuten. Ihnen sagen sie ebensowenig etwas, wie die sieben Wochen der Sephira und die drei Wochen des „Ben-Hamzarim". Sie haben sich längst von der Tradition losgesagt, die das Leben der Juden auf Schritt und Tritt begleitet und leitet, sie. huldigen allerhand Götzen, mögen sie die Gestalt von Menschen oder von abstrakten Ideologien anhaben.... Für das Gros der Juden aber, die noch immer der Tradition treu geblieben sind, bedeutet der Monat Elul etwas Großes, furchtbar Erhabenes. »Arjeh schoag— mi lau jira?“ Der Löwe brüllt — wer fürchtet nicht? — Das ist das Symbol des Elul, des Vorläufers des großen Gerichtstages, an dem über das Schicksal von Menschen und Völkern entschieden wird. Ernst ist die Stimmung, die jeden Juden mit dem Beginne des Monats Elul beherrscht. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und im Schatten der kommenden Dinge wandelt der Jude diese Tage hindurch. Aber es ist charakteristisch für unsere Tradition, daß sie stets darauf bedacht war, auch in den ernstesten Stunden den Mut zu heben und die Hoffnungen wach zu erhalten. Vielleicht ist dies der Grund für die Wahl des XXVII. Psalms, der vom ersten Tage des Elul bis Schemini Azares dem Morgen- und Minchagebete beigegeben wurde. „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem soll ich mich fürchten? — Der Herr ist meines Lebens Schutzwehr, vor wem soll ich bangen? Wenn.Bösewichter auf mich eindringen, mein Fleisch zu fressen, wenn meine Widersacher und rneine Feinde an mich herankommeu, so stürzen sie und fallen. Wenn sich gegen mich ein Lager aufstellt, so fürchtet mein Herz nicht; wenn sich gegen mich Krieg erhebt, auch dann bin ich sicher." (Psalm XVII, 1—3.) Diese Psalmverse, wie diejenigen, die ihnen Nachfolgen, sind dazu bestimmt, das zitternde jüdische Herz zu beruhigen und dem vor der Furcht des Gerichtstages bedrückten Gemüt neue Hoffnung einzuffößen. „Ani ledaudi — wedaudi lie — dieser Satz, dessen Anfangsbuchstaben das Wort Elul ergeben, ist das Symbol dieses Monats. „Ich gehöre meinem Gotte und mein Gott gehört mir" — darin liegt unser Trost und unsere Hoffnung. „Denn er schützt mich in seiner Hütte am Tage des Unglücks; er bewahrt mich im Schutze seines Zeltes und stellt mich hoch aus einen Felsen. Bald wird sich meinHauptübermeineFeinderingsummicherheben; Opfer des Jubels will ich seinem Zelte darbringen, den Herrn besingen und ihn lobpreisen." Von dieser Zuversicht beseelt, durchlebt der gottergebene Jude den Ernst des Elul und die furchtbare Erhabenheit des Tischri. Der Herr ist sein Licht und sein Heil, vor wem soll er sich fürchten; der Herr ist seines Lebens Schutzwehr, vor wem soll er bangen? Unser auch sonst beim Ertönen der Schausor-Stimmen so ernstes Gemüt ist diesmal noch ernster und gedrückter als sonst. Die bange Angst vor den „Jomim Nauruim" wird vielfach übertönt von den Jammer- und Klagerufen unserer Brüder im weiten Osten, welche den furchtbarsten Pogromen ausgesetzt sind. Wohin wir unser Auge wenden, nach der Slowakei, nach Ungarn, nach Polen, nach Rumänien, nach der Ukraine — überall sehen wir die blutigen Zeichen des Haffes, der Verfolgung und der Drangsalen. Und noch immer ist das Ende dieser blutigen Periode nicht abzusehen, noch immer wird den böswilligen Geistern kein „Halt!" geboten. Ist es da zu verwundern, daß unser Herz diesmal so gedrückt ist, daß wir den Ernst des Elul doppelt empfinden? Allein, auch da finden wir Trost in dem herrlichen „Le- Dawid haschem auri wejischii“. Auch da bewährt sich an uns das Wort unseres großen Dichters: „Strömte hin mein Tränenfluß, Se nach meinen Nöten, s würde nie eines Menschen Fuß Trocknes je betreten. Doch nicht bloß den Sintflutwogen. Auch meinen Tränen erschien der Regenbogen." Ja, der Regenbogen, das Himmelszeichen, ist uns in jeder Not erschienen, Trost spendend und neuen Mut einflößend. Dieser Regenbogen, das ist die Hilfe unseres ewigen Vaters im Himmel, die uns stets zuteil ward, so oft wir sie angerufen haben. „Höre, Herr, meine Stimme — ich rufe! So sei mir gnädig und erhöre mich. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, strecke nicht hin im Grimme deinen Knecht; mein Beistand warst du ja stets. Verstoße mich nicht und verlasse mich tlicht, Gott meines Heils!" Dieses Flehen hat stets Erhörung gesunde,! und wird auch jetzt finden, so wir es in Demut und Ergebenheit ertönen lassen. „Hoffe aus den Herrn. Sei stark und mutig sei dein Herz — hoffe auf den Herrn." _______ Achad-harab anim. „Kulturkampf" in Palästina t Trotz aller Ruhmredereien und Versprechungen, Beteuerungen und Versicherungen ist das letzte Wort in der Palciftinasache noch nicht gesprochen worden. Bei allem Optimismus, bei aller Hoffnungsseligkeit müssen alle Eventualitäten in Erwägung gezogen werden, um keine Enttäuschungen zu erleben. Immerhin aber, wie auch die letzte Entscheidung fallen mag, die Geschehnisse der letzten Jahre lassen sich nicht mehr wegwischen und eine stärkere jüdische Besiedlung Palästinas auf engerer oder breiterer rechtlicher Basis ist unter allen Umständen zu erwarten. Das Heilige Land wird in absehbarer Zeit ein jüdisches Zentrum werden und der Geist Jerusalems für die Judenschaft der Diaspora maßgebend sein. Gerade deswegen kommt der Gestaltung der Dinge innerhalb des dortigen Judentums eine erhöhte Bedeutung zu. Ein

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