Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 30 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 •Nr. 30 Jüdische Korrespondenz und bat ihm, die Schuldigen zu richten. Der Polizeichef erwies für die Angelegenheit großes Jntereffe und versprach, alles aufzubieten, um die Schuldigen der verdienten Strafe zuzuführen. Am achten Passahtag, vor der Thoraaushebung, hielt Rabbi Elie, wie eS seine Gepflogenheit war, einen Vortrag über alle jene ritu-. ellen Vorschriften, welche im Laufe des Sommers aktuell sind, und * er führte unter anderem aus, daß man zu Neujahr, bei Ausgang des Passah, kein Chamuz genießen soll, bis er es öftentlich nicht gestatten werde. Um das Verbot gut einzuschärfen, sprach er den Cherem aus über jedweden Menschen, der Gesäuertes ohne seine Bewilligung esien wird. Das klang den Leuten sehr seltsam, doch war ihnen sein Wort wie ein Gebot, und sie versicherten ihn. nach seinem Befehle zu handeln. Am Abend desselben Tages — des Passahausganges — erschien kein Jude in den Bäckereien, um Sauerteig zu kaufen. An ihre Stelle begab sich der Polizeichef von Bäckerei zu Bäckerei und konfiszierte alles vorrätige Sauerteig. Es wurde eine gründliche Untersuchung eingeleitet, die das schreckliche Resultat batte, daß von der Menge des vorbereiteten Sauerteiges mindestens 2000 Menschen das Leben einbüßen könnten. Daher wurden alle jene Bäcker, bei denen von dem Sauerteige gefunden wurde, zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt. Und da das Unglück schon abgewendet war, sprach Rabbi Elie bei dem anläßlich der Errettung abgehaltenen Dankgottesdienste: „An der Gräfin bewährt sich das Wort des Talmuds:. „Afile hure kunim scheboch raleiim mizwas kurimem“ — auch die, welche leer sind, das heißt, die jüdischen Gebote nicht erfüllen, sind voll der Gebote, wie ein Granatapfel, denn sie hat durch ihre ungesäumte Mitteilung das Leben tausenoer Juden gerettet." _ (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Ostas Schloster, Wien. Sie haben vollauf recht. Für jeden glaubenstreuen Juden ist die religiöse Tradition maßgebend und selbst Josephus Flavins kann da nichts ändern. Allein, wenn wir aus seinem Buche em aktuelles Kapitel reproduzierten, als die einzige vorhandene Darstellung eines Zeitgenossen, so mußten wir selbstverständlich den Text so bringen, wie er im Original lautet, ohne eigenmächtige Korrekturen. Historisch ist' das Buch übrigens nicht immer ganz verläßlich, da es manchmal allzu tendenziös ist. Auch über Titus urteilen Talmud und Midrasch ganz anders. Neue Bücher. „Die erste jüdische Republik." Die Probleme unserer Tage: Monarchie oder Republik — Staatenbund oder Völkerbund — Kapitalismus oder Kommunismus dichterisch zu erfasien, sie mit feiner Sronie in eine wehmütige Komik zu stellen und die Menschen, die ertteter dieser Probleme, in eine gestaltenreiche, heitere, geistreich - humorige Handlung von symbolischer Bedeutung zu komponieren — das alles ist dem Dichter Schalom Alechem gelungen, der mit seinen in jiddischem Jargon geschriebenen Erzählungen eine literarische Berühmtheit von europäischem Ruf geworden fft. Sein neues Werk „Die erste jüdische Republik" (soeben bei Osterheld & Co-, Berlin, verdeutscht von St. Goldenring, erschienen) wird den Kreis seiner Anhänger zweifellos gewaltig vorgrößern, denn hier ist in der Tat die Geschichte unserer Zeit gegeben. Einige seiner Landsleute läßt Schalom Alechem auf einer Seereise Schiffbruch erleiden und auf einem einsamen Eiland Rettung finden- Dreizehn Juden beschließen hier — von der wirklichen Welt angeschnitten —, die erste jüdische Republik zu errichten. Wie dies geschieht, wie aus der einen Republik bezeichnenderweise dreizehmRepublrken entstehen, dies alles muß nachgelesen werden. Der Humor deS Dichters wirkt versöhnend und ergreifend. So ist diese Geschichte Medizin für die problemkranken Menschen unserer Zeit. Im Anschluß daran umfaßt der Band noch ein paar köstliche Kindergeschichten aus dem Ghetto, die nicht nur des Dichters Gesinnungsgenoffen erfreuen werden, denn es sind allesamt Dichtungen und kleine Kunstwerke von feinstem literarischen Reiz und humoriger menschlicher Echtheit. „Chernt." Eine Rede über Jugend und Religion von Martin B u b e r. R. Löwit Verlag, Wien und Leipzig. Preis K 2 60. — Nicht darum geht eß in dieser Schrift, der Jugend Religion aufzuerlegen, sondern ihre eigene latente Religion zu erwecken, ihr den Mick zu eröffnen für das Wirken deS Absoluten an ihrem Geist, um es würdig zu erwidern. Die jüdische Jugend, der die europäische Intellektualisierung die Gefahr grenzenloser Vereinsamung bringt, wird hier zu neuem Aufbau ihres inneren Lebens aufgerufen. Die lebendig fortwirkenden Kräfte der Lehre deS Gesetzes und der Volksgemeinschaft sind die Urphänomene, von denen diese Umbildung ausgehen kann. Aber nur dann, wenn diese Kräfte nicht in dumpfer, willenloser Gewöhnung. sondern mit erfürchtiger, aber unbefangener Erkenntnis in der neuen Form des Lebens zum Fortwirken gebracht werden. Die Die Freihett in Gott als Rettung aus dem Verhängnis des Zeitalters ist der Sinn dieser Rede, deren »rkenntnisreiche Sprache stärksten Widerhall in jedem jungen Herzen finden muß. „Aus dieser und jener Welt." Jüdische Geschichten von Jizchok Leib Perez. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. Preis aeb. Mk. 10—, brosch. Mk. 7'—. — Im Verlage R. Löwit, der das deutiche Publikum schon mit einer Reihe von Werken dieses großen jüdischen Erzählers bekannt gemacht hat, ist ein neuer Novellenband von Perez erschienen. Eine Sammlung von Geschichten, Skizzen und Bildern aus der Welt des Ostens, die dem europäischen Verständnis noch nicht lange erschlossen ist. Der Zwiespalt ostjüdischen Lebens, die innige Verknüpfung von gottheiligender Pracht und armseligem Tagwerksdasein, die Inkongruenz von Enge und Unendlichkeit ist hier von einem Meister erschaut und in künstlichen Einzelfiguren lebendig gemacht. Siegfried Schmitz hat die deutsche Uebertragung mit künstlerischem Verständnis besorgt. Die Ausstattung des Buches schließt sich jener der „Chassidischen Geschichten" an. Inhalt und Form haben sich hier zu einem vollkommenen Produkt bester Buchkunst vereinigt. „Schlemiel", jüdische Blätter für Humor und Kunst. Im Welt- Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 35. Das humoristische Wochenblatt „Schlemiel" hatte seinerzeit zahlreiche Verehrer und wurde in jedem jüdischen Hause gerne gelesen. Nun ist der „Schlemiel" nach langem Schlafe wiederum erwacht und bereitet in ernster Zeit dem Leser heitere Minuten. Freunden jüdischen Humors können wir den „Schlemiel" wärmstens empfehlen. Adas Jisroel (Schiffschule), II., Große Schiffg. 8. Gebetstunden in der Zeit vom 19. bis 26. Ab (15. bis 22. August). Freitag, den 19. Ab: Sabbateingang 7. > Samstag: Morgengebet 630 und 9 Uhr, Mincha 1215. Um 3 30 Vortrag von Pirke-Abot, anschließend Mincha. Sabbat-Ausgang 7 45. An Wochentagen: Morgengebet 6 15 und 6 Uhr, Mincha 7 Uhr. Freitag, den 26. Ab: Sabbateingang 6 60. Augendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums. Hr Vereinslokal: II., Große Schiffgaffe Nr. 16. ------------ Geöffnet an Wochentag«:! von C bis 10 Uhr abends, an Samstagen und Sonntagen ab s Uhr vormittags. Neichhallige Äibliothet u. Zeitschriften zur freien Benützung der Mitglieder. Schiurim-Kirrtertung vom 20. Sis 25. AS 6679 (16. bis 21. August 1919). Samstag, VsH Uhr vormittags: Sidro mit Kommentar, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. H o f f m a n n. Samstag, 728 Uhr nachmittags: Gemoroh (Gittin), Herr Salamon Schreiber. Samstag, */»4 Uhr nachmittags: Pirkeh Omans, Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. P o l l a k. Sonntag, 11 Uhr vormittags: Jeschaja, Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Hoffmann. Sonntag, V-8 Uhr abends: Mischleh, Herr Albert Breuer. Montag, 728 Uhr abends: Mischnoh (Brochaus), Se. Ehrw. Herr Rabbiner A. W e i ß. Montag, V*9 Uhr abends: Gemoroh (Gittin), Herr Salamon Schreiber. Dienstag, 7*8 Uhr abends: Mischnoh (Brochaus), Se. Ehrw. Herr Rabbiner A. Weiß. Mittwoch, 7*8 Uhr abends: Thillim, Se. Ehrw. Herr Rabbiner M. Flesch. Donnerstag, lj2S Uhr abends: Jeschaja, Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. H o f f m a n n. Donnerstag, 7s9 Uhr abends: Gemoroh (Gittin), Herr Salamon Schreiber. Ankündigungen: Turnen für Mitglieder findet Sonntag, um 6 Uhr vormittags, II., Malzgasse 16, statt. Verein „2abner Klaus“, Wien, 11. Bezirk, Große Pfarrgasse Nr. 3—5. Der provisorische Vbrstand des obigen Vereines bittet ergebenst um gütige Spenden von verschiedenen D^iDD zwecks Veranstaltung von für rmriy Die geschätzten Spender wollen gütigst ihre Adresse mittels einer Korrespondenzkarte dem Vorstande mitteilsn, der die Abholung der zum Spenden vorbereiteten D'IBE veranlassen wird. Für den Vorstand: M. Kamm, Wien, I., Rotenturmstraße Nr. 22. Eigentum einer Societät. — Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hernalser Gürtel 20.