Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 27 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 27 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 Als nun Cäsar erkannte. daß die Schändung fremder Heiligtümer seinen Soldaten nur Tod und Verderben bringe, befahl er, Feuer an die Tore ^u legen. 2. Eben um diese Zeit gingen Ananus von Ammamaus, der Blutdürstigste unter den Spießges-ll:n des Simon, und Archelaus, der Sohn des Magadatu's. zu ihm über: sie hofften auf Gnade, weil sie die Luden zu einer Zeit verlassen hatten, wodiese im Vorteil waren. Lhre Pfiffigkeit aber kam dem Cäsar verdächtig vor und da er außerdem erfuhr, wie grausam sie sich gegen die Luden benommen hatten, zeigte er nicht übel Lust, sie beide hinrichten zu lassen. Nur die Not, sagte er, habe sie hierher getrieben: da sie also nicht aus freien Stücken zu ihm kämen, hätten sie also, gar keinen Anspruch auf Begnadigung, zumal sie aus der von ihnen selbst in Brand gesteckten Vaterstadt entsprungen seien. Gleichwohl opferte er seinen Zorn dem einmal gegebenen Wort, ohne sie jedoch in der Behand'ung den Uebrigen gleichzustellen. Unterdessen hatten die Soldaten bereits Feuer an die Tore gelegt, und das überall schmelzende Silber eröffnete Flammen den Zugang zu dem hölzernen Gebälk von wo sie prasselnd hervorbrachen und die Hallen ergriffen. Als aber die Juden ringsum den Brand auflodern sahen, da entsank ihnen mit der Leibeskrast auch der Mut: vor lauter Schrecken getraute sich niemand. Widerstand zu leisten, sondern wie gelähmt stunden sie da und sahen zu. So niederschlagend übrigens der Brand auf sie einwirkte, so dachten sie doch nicht im entferntesten daran, behufs dessen, was noch übrig war. ihren Sinn zu ändern. Vielmehr zeigten sie sich, als sei die Einäscherung des Tempels nunmehr beschlossene Sache, nur um so erbitterter gegen die Römer. Den ganzen Tag und die folgende "Nacht hindurch wütete das Feuer: denn die Römer konnten die Hallen nur einzeln und nicht alle zugleich in Brand setzen. 3. Tags darauf beorderte Titus einen Teil des Heeres zum Löschen und ließ zugleich bei den Toren einen regelrechten Weg anlegen, um den Lcgwnen den Aufstieg zu erleichtern. Dann beschiel» er die Offiziere zu sich, von denen zunächst die sechs vornehmsten zusammentraten: Nämlich Tiberius Alexander, der Oberbefehlshaber der gesamten Streitkräfte. Sextüs Ceralis. der Anführer der 5. Larrius Lepidus, 'der Anführer der 10.. Titus Phrygius^ der der 15. Legion, ferner Liternius Fronto, der Präf"kt der beiden alerandrinischen Legionen, und Markus Antonius Lulianus. der Landpfleqer von Ludäa. An diese schlossen sich die übrigen Statthalter und Kriegstribünen an. und Titus hielt nun mit al^n Kriegsrat wegen des Temvels. Die Einen meinten, man solle dlem Kriegsrecht freien Lauf las'en, denn solange der Tempel, dieser Sammelpunkt aller Luden, noch stehe, würden sie niemals aufhören, an Empörung zu denken. Andere äußerten ihre Ansicht dahin, daß man. wenn die Luden den Tempel räumten und niemand mehr zu seiner Verteidigung das Schwert ziehe ihn erhallen, wenn sie dagegen bei Widerstand beharrten, ihn verbrennen solle. Denn dann sei er eben eine Festung und kein Tempel. Auch würden im letzten Falle nicht die Römer sich einer Gottlosigkeit schuldig machen, sondern lediglich die. welche sie dazu genötigt hätten. Titu aber hielt dafür, man soll, selbst wenn die Luden vom Tempel herab sich wehren würden, seine Rache nicht an leblosen Dingen/statt an Menschen auslassen. und unter keinen Umständen ein so herrliches Bauwerk den Flammen preisgeben. Denn der Schaden treffe im Grunde ja die Römerin» ie umgekehrt der Tempel, wenn er erhalten bleibe, eine Zierde des Reiches sein werde. Dieser Ansicht traten Fronto. Alexander und Cerealis aufs Entschiedenste bei. Darauf entließ Cäsar die Versammlung und befahl den Offizieren, ihren Truppen Ruhe zu gönnen, damit sie in den kommenden Gefechten desto kräftiger losschlagen könnten: nur aus den Kohorten las er eine bestimmte Anzahl Leute aus. die den Weg durch die Trümmer bahnen und das Feuer löschen sollen. (Schluß'folgt.) Qer Balschem von Chelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Blech, Delatyn. (Fortsetzung) Der „Heilige“.1) Als der Golem eines Tages durch einen Wald un* itU* der Stadt Chelm wanderte. fand er eine Leiche. An der Kleidung erkannte er.gleich, daß der Tote ein 3ud. war. Er lief unverweilt in die Stadt und meldete Rabbi Elie von seinem Funde'. l) Jeder Jude der eines unnatürlichen Todes stirbt, heißt bei den Ostjuden „Kodesch“, „Heiliger“ und ist der Glaube verbreitet, daß — mag er auch ein großer Sünder gewesen seid — seine Seele in den Himmel hinaufsteige. -Dieser ließ gleich die Gemeindevorsteher zu - sich kommen und er befahl ihnen, sich zu der vom GoleM bezeichneten Stelle zu begeben und die Leiche'zu agnoszieren. Gleichzeitig ließ er auch der Behörde vom Vorfall Mitteilung machen. Daher begab sich der Polizei hauiptmann an die Fundstelle, um ein Protokoll aufzunehmen. Alle Merkmale zeigten, daß hier ein Raubmord vorlag und daß der Ermordete ein Lude war. Doch war derselbe nicht aus Chelm, sondern aus Lukow. Rabbi Elie ließ die Leiche in die Stadt bringen und sie wurde wie die eines Heiligen mit großer Ehre zu Grabe getragen. Er schrieb darauf hin an viele Gemeinden von diesem Vorfall, und gab alle Mkrkimale des Toten an, damit dessen Frau^vom AblMn ihres Gatten höre und sie ihr Leben lang keine Verlassene bleibe. Rach einiger Zeit meldete sich bei Rabbi Elie eine Frau aus Lukow, die angab. der Tote wäre chr Gatte gewesen und sie verlangte die Bewilligung zur Nmverehelichung. Das Rabbinatskollegium fand die Ausstellung, einer solchen Bewilligung von rechtswegen begründet,. doch Rabbi Elie wollte sich zur Erteilung der Bewilligung nicht entschließen, denn er sagte, eine inncke Stimme warne ihn davor. ■ Indessen hatte der Golem vom Rabbi Elie geheim den Auftrag erhalten, nach dem Mörder des Luden zu, fahnden. Er wunderte daher mehrere Nächte in dem Wald herum, um nach diesem zu forschen.^ Ln einer Nacht bemerkte er im Walde zwei He? ger, da sie sich Himer einem Baume versteckt hielten. Er näherte sich ihnen und hörte, wie der eine sagte,: ..von dem früheren scheint alles in Vergessenheit geraten M sein und ich glaube, es wäre schon an der Zeit, Uhr uind Kette zu verkaufen. Wenn es uns noch jetzt glücken wird, dann werden wir reiche Leute fein . . Sie unterbrachen plötzlich das Gespräch, da sie einen Wagen herannahen sahen: es war der Mann, auf den sie warteten. Sie hatten nämlich erfahren, daß im gräflichen Schloß ein reicher Lude erschienen war, um einen grö!- ßeren Betrag zu empfangen und sie besprächet, ihn ans der Rückreise zu überfallen, ihn des Geldes zu berauben, und, um die Tat zu verheimlichen, zu ermorden. 1 Nun sprangen sie von ihrem Versteck hervor und ließen die Pferde anhalten. Auf die Frage des Luden, was sie denn von ihm wollten, erwiderten sie in-barschem Tone: „Luide, wir wollen das Geld, das du bei dir hast, solltest du? es nicht gleich hergeben, dann ist der letzte Augenblick deines Lebens gekommen." Der zu Tode erschrockene Lude versuchte zu rst durch! gütliche, dann auch durch drohende Worte, die Ueberfallenden von ihrem Vorhaben abzichringen, aber all sein Reden war vergebens und schon hob einer det Heger ein versteckt gehaltenes Beil auf. um damit auf das Haupt des Luden^zu schlagen. Hinter ihm stand^der Golem-—Ln dem Attgenblicke. als der Heger den Schlag gegen den Luden führen wollte, fühlte er sich plötzlich von festen Händen umklammert, daß er sich nicht rühren konnte. Er war sehr erschrocken und stieß einen verzweifelten Schrei aup. 41nd da hörten sie eine Stimme, die w'e ein Scho im Walde klang: „Ich, die Seele des von euch vor einigen Wochen ermordeten Luden, steh.- hier auf der Wacht, daß chr keinen Luden mehr ermordet. Nun