Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 25 (11.7.1919)
- Date
- 1919-07-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jiiöildie Korrelponöenz Bezugspreis: Ganzjährig K16.—, halbjährig K 8.—. vierteljährig K 4.—. Ausland jährlich, K 30.—. Einzelnummer 40 Heller- Organ für öle Interellen Oes orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration* Wien, VII»., AlserstraOe 53. Erscheint jeden Freitag Nr. 25. Wien, 13. Tamus 5679,11. Juli 1919. V. Jahrgang, In jedem orthodoxen Hause - die „üadisdie Korrespondenz“! Die Vorstände der orthodoxen Bethäuser, Vereine und Institutionen, sowie die geehrten Gesinnungsgenossen in der Movinz werden ersucht, der Redaktion Berichte und Mitteilungen über alle wichtigen Ereignisse in ifjrem Kreise zukommen zu lassen. Alle Gesinnungsgenossen werdeil gleichzeitig zur Mitarbeit eingeladen. Diejenigen P. T. Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, werden ersucht, dasselbe umgehend zu erneuern, damit in der Zusendung des-Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Notwendigkeit einer populür-religivsen [ilferafur.1 Das gesprochene und das geschriebene Wort sind die treibenden Kräfte einer jeden Bewegung. Die Propaganda mittels Agitatio ns reden und mittels entsprechend gehaltener Schriften ist es, - die jeher Partei, jeder Richtung nnd^jeder Strömung zum Aufschwünge .und zur Ausbreitung verhilst. Wer nur halbwegs die Verhältnisse kennt, unter welchen in den letzten Jahren die Parteibildung innerhalb des Judentums sich entwickelt hat, der weiß es, welche Rolle hiebei die mündliche und die schriftliche Agitatwn spielte und wieviel derselben zu verdanken ist. Bis zu einem gewissen Grade kommt hiebei der schriftlichen Propaganda eine größere Bedeutung zu, da diese es leichter hat, in die weitesten Kreise zu dringen und in der Regel von nachhalkenderer Wirkung ist. Die Juden, bekanntlich das Volk des Buches, sind auch seit jeher dem Einflüsse des geschriebenen Wortes Zugänglicher und jede Schrift besitzt in rhren Augen eine gewisse Autorität, der sich nur wenige zu entziehen vermögen. Die radikalen Parteien und Gruppen im jüdischen Lager haben sich diesen Umstand zunutze gemacht. Die Heskala- Periode brachte eine Flut agitatorischer Literatur und besonders die zionistische Bewegung kann sich nach dieserRichtung geradezu eines unüberwindbaren ReÄrds rühmen. Im krassen Gegensätze hiezu steht die Passivität der glaubenstreuen Kreisenderen Mwehr- und Aufklärungslitecatur selbst hinter derjenigen der liberal-jüdischen Kreise zurückstcht, die ja an und für sich auch nicht besonders reichhaltig ist. Die Zahl der Schriften, die der Sache des glaubenstreuen Judentums das Wort reden, läßt sich an den Fingern abzählen. Irr den heißen Tages des Heskala-Kampfes war es anders. Damals traten die berufenen Führer und Lehrer der Orthodoxie energisch und entschlossen in die Bresche und wehrten die heranbrechende Flut mit großer Kraft ab. Heute ist es nicht so- Demgemäß hat auch die Entwicklung bet Verhältnisse Die je Wendung genommen, deren Zeugen wir sind und deren Wirkungen und Ausstrahlungen wir täglich peinlicher empfinden. Es handelt sich hier nicht so sehr um eine Kampfliteratur, für die eine Lanze eingelegt werden soll; obwohl auch diese überaus dringend geboten ist. Es handelt sich in erster Linie um eine populäre, religiös aufklärende Literatur, die dazu'bestimmt wäre, der Gtaubenstreue die Stange zu halten und sowohl die Jugend als auch weite reifere Kreise beim unverfälschten Judentum zu erhalten. Wohl besitzt unsere religiöse Literatur solche Schriften in Hülle und Fülle, der Reichtum unserer Mussar-Sphorim ist unermeßlich sowohl qualitativ als auch quantitativ. Diejenigen, die vom Born unseres religiösen Schrifttums trinken wollen, haben alle Gelegenheit, ihren geistigen Durst zu stillen. Voraussetzung hiefür ist jedoch, daß ihnem diese Schriften im Original zugänglich sind. Für diese Kreise ist auch genügend vorgesorat; sie brauchen nur entsprechend angeeifert zu werden, wo dies nötig ist. Leider aber Havel» die Verhältnisse innerhalb des. Judentums in den letzten Jahren eine derartige Entwickelung genommen, daß die Zahl derjenigen, die unsere religiöse Literatur in der Origrnalsprache nicht lesen können, immer größer wird. Für diese Kreise muß gesorgt werden, wollen wir ihre Entftemduug vom lebendigen Quell des Judentums verhüten. Ganz besonders kommen da unsere Frauen und Töchter in Betracht, die in letzterer Zeit sowohl innerhalb.der Familie cks auch im öffentlichen Leben immer stärker zur Geltung rammen und in der Regel viel leichter als die Männer dem influfse der modernen Propagandaliteratur ausgesetzt sind. Die Schaffung und Verbreitung einer populären religiösen Literatur, nach dem Muster der Schriften des großen Samson Rafael Hirsch, des Dr. Lehmann (sichosunom liwrocho) u. A. ist eine dringende Notwendigkeit, das Gebot des Tages. In klarer, populärer Weise soll zu den Fragen des Tages vom religiösen Standpunkte Stellung genommen werden, um zu verhüten, daß weite jüdische Kreise unter dem Einflüsse einer areligiösen, teilweise sogar anttreligiösen Propagandaliteratur aus Abwege geraten. Die glaubenstreue Judenheit muß ihre Reihen stärken und den schädlichen Wirkungen gewiffer literarischer Produkte in einer zeitgemäßen Weise positiv entgegenwirken. Achad Harabamm. Kampf, Fluch und Verführung. (Betrachtung zu P. phl) Der Judenhaß ist so alt, wie das jüdische Volk. Schon an der Wiege seines Volkstums, in Aegypten, hatte Israel unter dem "NV2NW TOnder Pharaonen furchtbar zu leiden. Seither wird es in jeder Periode seiner tausendjährigen Geschichte. von seinen Feinden verfolgt und drangsaliert. Nach drei Richtungen bewegt sich die Taktik seiner Feinde; dreierlei Mittel gelangen zur Anwendung, um das jüdische Voll zu vernichten oder es seinem Gotte, seiner Religion abwendig zu machen. Die mächtigen Feinde, die sich stark genug fühlen, Israel mit der Waffe in der Hand entgegenzutceten, sagen ihm offen Kampf an. Diejenigen, die ihrer eigenen Kraft nicht so weit trauen, versuchen es, mittels Verhetzung und Verleumdung die Position des Judentums zu untergraben und zu erschüttern. Wo. aber auch dieses Mittel nicht zur Anwendung gelangen kann kommt schließlich der dritte Weg, die Verführung und Verlockung, die Verleitung zur Untreue und Abtrünnigkeit in Betracht.