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Jüdische Korrespondenz · 1919-06-13 · 21 (13.6.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
21 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K16, halbjährig K 8, vierteljährig K 4. Ausland jährlich K 30. Einzelnummer 40 Heller. Organ für Ekmsen des orthodoi|l§jNentii!Rs. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstrafie 55. Erscheint jeden Freitag. Nr. 21 Wien, 15. Siwaw 5679, 13. Juni 1919.V. Jahrgang. Die „Jüdische Korrespondenz" — Organ der Gkganisation der Orthodoxie i» Wien. Auf Grund einer Vereinbarung mit dem Verlag der „Jüdischen Korrespondenz" übergeht dieselbe in den Besitz der Organisation der Orthodoxie und wird von nun an — unter Beibehaltung der bisherigen redaktionellen Leitung — offizielles Organ der Orthodoxie in Wien. Die „Jüdische Korrespondenz" wird, sobald die Verhältnisse es gestatten, sowohl im Umfange, wie auch inhaltlich ausgestaltet und vergrößert werden. Die Organisation erbittet und erwartet die weitestgehende Förderung des Unternehmens seitens aller Gesinnungsgenossen, in geistiger und in materieller Hinsicht. Die „Jüdische Korrespondenz" soll in keinem glaubenstreuen jüdischen Hause fehlen. Die Vvrstäüde der orthodoxen Bethäuser, Vereine und Institutionen, sowie die geehrten Gesinnungsgenossen in der Provinz werden ersucht, der Redaktion Berichte und Mitteilungen über alle wichtigen Ereignisse in ihrem Kreise zukommen zu lassem Alle Gesinnungsgenossen werden gleichzeitig zur Mitarbeit eingeladen. Der Bezugspreis der „Jüdischen Korrespondenz" ist nun: K 16 — ganzjährig, K 8'— Halbjährig, K 4 — vierteljährig. Einzelnummer 40 Keiler. Ausland K 30 — ganzjährig. Rechts- oder Machtftiede l Motto: „So spricht der Herr: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Starke nicht seiner Stärke und der Reiche nicht seines Reichtums. Sondern defs' darf sich jedermann rühmen, wer einzusehen und zu erkennen vermag, daß ich, der Herr, Liebe, Recht und Gerechtigkeit übe auf Erden, daß ich daran Wohlgefallen habe — so spricht der Herr." (Jeremias, 9, 22—23.) Die Friedenskrise wird immer ernster. Vier Jahre.Hindurch war es der blutige Krieg, der von einem kritischen Stadium ins ciuuere gelangte. Seit Monaten ist es nun der Friede, der aus den kritischen Stadien nicht hinauskommt. Gerade jetzt durchleben wir die Periode der schwersten Krise. Die nächsten Tage werden die Entscheidung darüber bringen, ob es endgültig zum Frieden kommen, oder ob der blutige Tanz von.neuem beginnen werde. Die gewaltigen Heeresmassen, die zu kämpfen und zu siegen verstanden haben, die genialen Feldherren, die „silbernen Kugeln", die den Endsieg entschieden haben, — all diese Weisheit, Stärke und Reichtum vermögen es nicht, der so furchtbar geplanten Menschheit den so heiß herbeigesehnten Frieden zu bringen. Da sitzen sie nun seit Monaten und beraten,. feilschen und handeln, ohne fertig werden zu können. Ohne den Propheten spielen zu wollen, kann man schon heute sagen: der Friede, der auf dieser Grundlage zustande käme — vorausgesetzt, daß es überhaupt dazu kommt — wird der Menschheit kein Heil bringen. Es ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Der Friedensvertrag Nr. 2, der den deutschösterreichischen Delegierten in Saint-Germain unterbreitet wurde, unterscheidet sich kaum von jenem, welcher den Deutschen in Versailles vorgelegt worden ist. Beide Instrumente haben das gemeinsam, daß sie die Keime neuer Konflikte in sich bergen und nach keiner Richtung hin den Grundsätzen Wilsons gerecht werden, auf welche man soviel Hoffnungen gesetzt hat. Das ist nicht der Friede, den man so heiß herbeigesehnt hat, dieses Werk kann seinen Meister nicht loben. Als Bürger Deutschösterreichs stimmen die Juden mit den anderen Bevölkerungsgruppen darin überein, daß diese Friedensbedingungen unannehmbar sind. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß der Entwurf eine Reihe von Bestimmungen zum Schutze der nationalen und religiösen Minoritäten enthält, die den Juden zugute konimen würden. Gewalt bleibt Gewalt, selbst wenn sie irgend wem Vorteil verschafft. Aber gerade als Juden, die seit jeher am stärksten unter der Gewalt und dem Mißbrauch der Macht zu leiden hatten und haben, müssen wir aussprechen, daß der Friede, wie ihn die Herren der Entente den Besiegten diktieren wollen, der Menschheit und auch den Juden nicht znm Segen gereichen könnte. Unter der Herrschaft der Gewalt, unter der Parole „Macht geht vor Recht!" werden die kleinen Völker, die Minoritäten in den verschiedenen Ländern nie Ruhe und Sicherheit finden. Was heute den Besiegten seitens einer Staatenkoalition auferlegt wird, wird morgen anderen Völkern im Zeichen einer anderen Gruppierung zugefügt werden. Die Menschheit wird aus der Krise nicht hinauskommen und'die Not und das Elend werden kein Ende nehmen. „Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Starke seiner Stärke und der Reiche feines Reichtums." Diejenigen, die auf ihr Genie, auf die Kraft ihrer Truppen, auf die Unerschöpflichkeit ihrer Geldmittel gebaut haben, sie haben dennoch das Spiel verloren. Aber auch diejenigen, die sich damit brüsten, ihren Gegnern hinsichtlich all dieser Dinge überlegen zu sein, auch sie erweisen sich als ohnmächtig, wenn es gilt, die Beute des Sieges zu bergen. Eitel ist aller Meuschenwahn — seiner Kraft sind Grenzen gesetzt. Nur Recht und Gerechtigkeit sind die Grundlagen, aus die das Wohl und Heil der Völker aufgebaut werden können. Nur daran findet der Herr der Heerscharen Wohlgefallen. Nur ein Friede der Gerechtigkeit und des Rechts wird für alle Völker ein guter Friede sein. Nur ein solcher Friede, der das Recht vor der Macht schützt, wird allen Völkern und Staaten zum Heil gereichen und auch dem vielgeplagten und verfolgten Volke Israel. Wir sind wie kein anderes Volk der Erde an dem Zustandekommen eines Rechtsfriedens interessiert, denn nur dann wird auch uns Recht und Gerechtigkeit zuteil werden. Was können uns die schönsten Vertragsbestimmungen nützen, wenn ihre Grundlage die Willkür der zeitweiligen Macht sind? Wo die Macht vorherrscht, gibt es kein Recht und keine Gerechtigkeit. Der „Schutz der Schwachen, der Minoritäten" wird zur Farce, wenn der Macht der zeitweilig Starken keine Grenzen gesetzt sind. _ Speetator.

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