Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 20 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Korrespondenz. städten in die Hauptstädte ziehen, so daß in Prag und Brünn noch kleine Zentren jüdischen Lebens sind. Vor allem ist es notwendig, durch genaue Registrierung aller Gesetzestreuen festzustellen, wo überall noch ein Scheevit-Jisroel ist, und welche dringenden rituellen Bedürfnisse zu befriedigen sind. Zu diesem Zwecke beschloß die Konferenz, überall kleine „Sinai"-Ortsgruppen zu bilden, welche durch ihren Anschluß an die „Sinai"-Zentrale in Prag deinen gemeinsamen Orthodoxenverband darstellen sollen, welcher wieder durch seine größere Autorität die Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder in ihren Gemeinden nachdrücklich fordern und von den Gemeindeleitungen cher erreichen kann. Es wird nach Erfassung allerMitglieder und ihrer Bedürfnisie möglich sein, durch Aufnahme von wandernden Schochtim, Lehrern, Sofrim den dringendsten Forderungen zu entsprechen. Zu all dem ist eifrige, aufopfernde Arbeit jedes Einzelnen notwendig, dem an unserer heiligen Sache gelegen ist. Wir hoffen nach drei bis vier Monaten so weit zu fein, daß der ganze Verband geschaffen sein wird, und wollen ihn nachher an die Agudas Jisroel anschließen; eine Angliederung an die slowakische Orchodoxie wird dann Gegenstand der Beratungen bilden. Dr. Salomon Lieben, Prag. Rundschau. (Jüdische Kinder in die Schweiz.) Im Rahmen der Unternehmung „Jüdische Kinder in die Schweiz" ist seitens des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums eine besondere Aktion fiir die Unterbringung jüdischorthodoxer Kinder bei orthodoxen Familien unternommen worden. Am 1. Juni ist der erste Kinderzug von Wien nach der Schweiz abgegangen. Unter den 750 Kindern befanden sich auch 150 aus orthodoxen Familien, die in der Schweiz separat und unter orthodoxer Aufficht untergebracht werden würden. Die Aktion, mit deren Führung der Verein „Jeschurun" betraut ist, wird fortgesetzt. (Gleichberechtigung für die Juden in Polen.) Aus Paris wird berichtet: Die Kommission der Friedenskonferenz für polnische Angelegenheiten hat den Entwurf eines Abkommens zwischen dm Ententemächten und Polen fertiggestellt, nach welchem sich Polen verpflichten soll, den Juden in jeder Hinsicht Gleichberechtigung zu gewähren. (Rabbiner Kook erkrankt.) Wie wir soebm erfahrm, ist Rabbiner Kook, Chiestabbi der jüdischen Kolonien in Palästina, in London erkrankt und ins Hospital überführt worden. Rabbiner Kook muß sich dort dieser Tage einer Operation unterziehen. Wie nachträglich berichtet wird, befindet sich Rabbiner Kook nach der Operation ziemlich wohl und dürste demnächst das Spital verlassen. (I. P. Z.) (Dzc Hilfstätigkeit für die jüdischen Pogromopfer in Lemberg.) Einem in der Lemberger „Chwila" erschienenen Berichte des dortigen jüdischen Rettungskomitees über dessen tilfstätigkeit zugunsten der Pogromopfer iy der eit vom 1. Dezember 1918 bis Ende März 1919 entnehmen wir die folgenden Daten: Die Einnahmen dieses Komitees betrugen X 2,960.690'—. Ungefähr ein Drittel dieses Betrages rührt von den Lemberger Inden selbst her, der Rest setzt sich aus größeren oder kleineren Spenden und Sammlungen in- und ausländischer jüdischer Organisationen zuzusammen. Die Ausgaben betrugen in vier Monaten X 644.095'— Davon wurden durch die Abteilung für rasche Hilfe, der Professor Dr. Schorr vorsteht, an 3200 Familien über X 360.000'— verteilt. Die Abteilung für wirtschaftlichen Wieder-' aufbau unter Leitung des Dr. Korkes gab für die Wiederaufrichtung der Existenz von 108 Kaufleuten ' und 96 selbständigen Handwerkem sowie für die Gründung' einer Kürschner- und Schneiderwerkstätte X 161.350.— aus. Die Wohnungs- und Beheizungsabteilung unter Leitung des Dr. Dogilewski verteilte 772'8 Zentner Kohle und 218'25 Zentner Brennholz. Die Sektion für Kinderschutz unter Leitung der Frauen Reichcnstein und Klüften „.brachte 507 Waisen in sechs Waisenhäusern unter. ' um Dr. Tobias Askenasy geleitete Abteilung hadenersatz nahm mit 4820 ausgeraubten Juden ausführliche Protokolle auf. Der materielle Schade der Novemberpogrome beläuft sich auf mehr als 102 Millionen Kronen. (Pryluzkis Mandat annulliert.) Aus Warschau wird berichtet: Der oberste Wahlgerichtshof hat unter Vorsitz seines ersten Präsidenten Rzednicki das Landtagsmandat des jüdischnationalen Abgeordneten Noach Pryluzki für ungültig erklärt. Wie bekannt, erteilte die Wahlordnung zum polnischen Landtage des passive Wahlrecht nur denjenigen, die in Polen geboren sind. Abgeordneter Pryluzki ist in Rußland geboren, wohnt aber seit 20 Jahren in Warschau, wo er seine Advokatenpraxis ausübt. Nichtsdestoweniger wurde, sein Mandat annulliert, weil er es unterlassen hat, sich ausdrücklich um die polnische Staatsbürgersch ast zubekümmern.' An StellePryluzkis kommt in den Landtag der bekannte jüdische Schriftsteller Nomberg. (Das rumänische Judengesetz.) Die Frist zur Einreichung des Gesuches um Einbürgerung auf Gmnd des königl. Dekretes vom 6. bis 19. Jänner 1919, welches dem Bewerber unter anderm die famose Beweislast der Geburt in einem Lande auferlegte, wo die GeburtsMatriken fehlen, oder daß der Petent nicht den Schutz irgendeines anderen Staates genießt, also etwas Negatives, ist für die im alten Rumänien wohnenden Juden bereits abgelaufen. Die Juden haben es abgelehnt, auf derartige Tricks aufzusitzen. »Nicht fünfzig Gesuche wurden überreicht. In diesem Verhalten ist, der einmütige Protest der Juden des' Landes gegen jede derartige Gesetzgebung zum Ausdrucke gekommen. (Misrachi und Agudath. Jisroel.) Das Kopenhagener Zionistische Bureau schreibt: Zwischen Vertretern des Misrachi und der Agudath Jisroel fand dieser Tage in Berlin eine Besprechung über die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit statt. Es nahmen an ihr teil von seiten der Agudath Jisroel Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt), Rabbiner Dr. Esra Munk und Moritz A. Löb; von seiten des Misrachi: Dr. Hermann Pick, Dr. Aron Barth, Direktor Willi David und Hermann Struck. Als Richtlinien einer möglichen Zusammenarbeit stellten sich folgende Punkte heraus: 1. Einrichtung eines thoratreuen Schulwesens. 2. Gründung thoratreuer Kolonien. 3. Eine der Bedeutung des thoratreuen Einwanderungs-Elementes entsprechende Vertretung der zionistischen und nichtzionistischen thoratreuen Juden in den Einwanderungsämtern. 4. Heilighaltung des Sqbbath im öffentlichen Leben. 5. Berücksichtigung des Schmitta-Gesetzes. 6. Gültigkeit des jüdischen Zivilrechtes. Puntt 4—7 in dem ' Maße, welches die dafür zuständigen rabbinischen Stellen für nötig erachten. Von seiten des Misrachi wurde noch als besonders dringend die Schaffung eines autoritativen rabbinischen Rates vorgeschlagen, der alle die jetzt aktuellen Fragen vom religionsgesetzlichen Standpunkte aus zu bearbeiten hätte. (Eine Bestätigung der Nachricht seitens der „Agudat Jisroel" liegt nicht vor.) Lamilieimachricht. Trauung. Sonntag, den 1. Juni, fand in'.Wien, 2. Bezirk, Große Schiffgasse 8. die Trauung von Fräulein Lola Hofbauer, Tochter des Herrn Bernhard Hofbauer, Präsident des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums, mit Herrn Ingenieur Ludwig Kritzler statt. Nekrolog. Nach schwerem Leiden ist im Alter von 39 Jahren am 4. Mai Rabbiner M. LGoldstein gestorben, der eine Reihe von Jahren an der Talmud-Thora-Volksschule den Bibel- und Talmudunterricht erteilte und sich auch in mehrfacher Weise im jüdisch-öffentlichen Leben, wie durch Abhaltung von Borträgen usw., betätigte. Das Leichenbegängnis dieses Talmud-Chochom. der einer Preßburger Gelehrtenfamilie entstammte, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Trauer der jüdischen Leopoldstädter Bevölkerung um diesen trefflichen Mann. Im Sterbehause sprach Worte des Abschiedes namens der Frau, des Kmdes und der Verwandten tief erregt der Bruder des Verstorbenen, Rabbinatsverweser S. Goldstein in Neunkirchen, und Rabbiner I. Baumgarten (Adas Jisroel) würdigte die Verdienste des so früh Verschiedenen. Eine ansehnliche Schar folgte dem Leichen-, wagen, welchem Schüler der Talmud-Thoraschule voranschritten, bis zur Talmud-Thoraschule, wo zur Ehrung, des Toten haltgemacht wurde. Am Friedhof widmeten Worte des Gedenkens Herr Oberlehrer Jakob Kohn. Herr Rabbiner Schenk, Rabbiner Schächter und Obmann des Pestalozzivereines Arnold Lemberger. Das Leichenbegängnis des Dahingeschiedenen, der in sehr bescheidenen Berhättniffen lebte, bezeugte, daß das jüdische Volk seine Gelehrten liebt und ehrt, und möge diese letzte Ehrung ein schwacher Trost für die junge Witwe sein. Verloren! Am 18. Mai 1919 ist am Kärntnerring eia breiter » Hflänner-Seidengurtel verloren worden. Der redliche Finder oder Käufer wird gebeten, denselben gegen ein entsprechendes Honorar eilen an Rabbiner J. Jeruchem, Wien, II. Bezirk, Kleine Pfarrgasse 1/10. HTNDMACHUNG. Die acMunddrelBlgste ordentliche Generalversammlung der fihtionire der Oesterreichischen Ldnderbanh findet fflontag, den 30. Juni d. 1, «um G Uhr abends, im flnstaltsgebäude (I., Hoiienstaufengasse Hr. 31. statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Gouverneurs über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Zensoren über die Geschäftsgebarung 4. Wahlen in den Verwaltungsrat (§§ 22, 23 und 25). 5, Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1919 iß 39) sowie Wertbestimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben (§ 42). im Jahre 1918. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes des Jahres 1918. Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 43, 44), welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien spätestens am 16. Juni d. J. zu deponieren, und zwar: in Wien bei der Oesterreichischen 1 änderbank; in Asch, Baden, Gablonz a. d. Nelsse, Graslitz, Graz, Innsbruck, Joachlntsthal, König* grätz, Linz, Pilsen, Prag, Reichenberg, Salzburg, Schönlinde, St. Pölten, Teplitz, Weipert bei den Filialen, respektive Exposituren der Oesterreichischen Länderbank; in Berlin bei der Deutschen Bank sowie deren Filialen, bei der Dresdener Bank und bei der Nationalbank für Deutschland; in Frankfurt a. Hl. bei der Deutschen Bank, Filiale Frankfurt, bei der Deutschen Effekten- und Wechsel-Bank, bei . der Deutschen Vereinsbank und bei der Dresdener Bank in Frankfurt a. M.; in Stuttgart bei der Wttrttembergtischen Vereinsbank. / Die Aktien sind, arithmetisch geordnet, in Wien mittels einfacher, bei den anderen Erlagstellen mittels doppelter Konsignation einzureichen und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung ausgefolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversammlung die Aktien zurückgestellt werden. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen und eigenhändig zu unterschreiben (§ 46). Ausnahmsweise können jedoch Minderjährige durch ihren Vormund, Kuranden durch ihren Kurator, Frauen durch einen Bevollmächtigten, Handelsgesellschaften durch einen ihrer Firmaführer, Gesellschaften überhaupt durch ein hiezu bevollmächtigtes Mitglied, Körperschaften, Institute und dergleichen durch einen ihrer Vorstände vertreten werden, wenn auch diese Vertreter nicht selbst Aktionäre sind. Wien, am 3i. Mai 1919. Oesterreichische Länderbank. § 43. Die Gesamtheit der Aktionäre wird durch die statutenmäßig gebildete Generalversammlung vertreten. — In derselben sind jene Aktionäre stimmberechtigt, welche mindestens 14 Tage vor dem Zusammentreten derselben 25 Aktien nebst Coupons bei der Gesellschaft oder bei einem anderen von dem Verwaltungsrate zu bestimmenden Institute hinterlegt haben, wogegen ihnen Legitimationskarten mit der Angabe der von ihnen vertretenen Aktien und der Zahl der ihnen gebührenden Stimmen erfolgt werden. — Die Listender stimmberechtigten Aktionäre mit der Angabe ihrer Aktien und Stimmenzahl werden denselben auf Verlangen verabfolgt und am Versammlungstische aufgelegt. — § 44. Jeder Aktionär ist zu so viel Stimmen berechtigt, wie vielmal er 25 Aktien vertritt. — § 46. Das Stimmrecht in der Generalversammlung kann vom Aktionär sowohl persönlich als durch Bevollmächtigung eines anderen stimmberechtigten Aktionärs ausgeübt werden. (Nachdruck wird nicht honoriert.) rerausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.