Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 18 (15.5.1919)
- Date
- 1919-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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indische Korrespondenz Bezugspreis: GänzjährigK 12, halbjährig K 6, viertöljährig K 3. Ausland jährlich K 20. Einzelnummer 30;Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Nr. 18. Wien, 15. Mai 1919. V. Jahrgang» Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums. Wir erlauben uns, nachstehende dringende Mitteilung unseren geehrten Gesinnungsgenoffen zur Kenntnis zu bringen: Rettet Jerusalems ThorastStte«! Wir erhielten folgendes Telegramm aus Jerusalem: „Zionist commission suspended all support Jerusalem talmud thoras and Yeshiboth. Absolute spiritual collapse imminent. Hastne Propaganda for rescuing orthodox education.“ Rabbis Sonnenfeld, Diskin and Waad Hair Ashkenasim. Uebersetzung: Zionistische Aommisston sperrte jede Hlnterstühung der Jerusalemer Fakmnd- Tyoraschulen und Jeschiwaus, vollständiger geistiger Zusammenbruch droht. Aeschkeuuigt Propaganda für die Aefremng orthodorer ßrziehung. FlaSSis Sonnenfeld, Siskrn und Waad Kair Afchkeuafim. Die Autoritäten, die das obige Telegramm Unterzeichneten, verbürgen vollkommen die gemeldete Taffache. Nicht um wegen dieser Taffache mit ihren Urhebern zu rechten, sondern um ihre erschreckenden Wirkungen zu beheben oder wenigstens zu mildern, wenden wir uns hiemil an die Oeffenllichkeil. Wer nicht will, daß die Pflegestätten der Thora aus Jerusalem, ihrer Urheimat,- neuerdings verbannt, daß die bisher Jahrhunderte hindurch unter so schweren Opfern in der heiligen Stadt aufrecht erhaltenen Jeschiwaus und Talmud Thoraschulen gerade jetzt zerstört werden, helfe uns, sie erhalten. Schnelle Hilfe tut not. Steure jeder nach seinen äußersten Kräften bei. Zürich-London, im Nissan 5679. . Für Histadruth Jeruschalajim (London): Für Zentralbureau der Agudas Jisroel: OberrabbinerA.J.Kuck, Chief-RabbiDr.M.Ioung. Dr. T. Lewenstein. Geldsendungen sind zu richten an: Zentralbureau der Agudas Jisroel, Zürich, Bahnhofstraße 35 (Postscheckkonto VIII/6497), oder an den Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen JudmtUmS,-Wienr k^-Tuchlaubrn 30 (Pvftsparkäffenkvnto 11.176).-~ -—- --*- Wien, Jjar 5679 (Mai 1919). . Her Vorstand: ' Wolf Pappenheim, Bernhard Hofbauer Obmann. RabbinerS. Fürst, Rabb.-Ass. I. Baumgarten von der Adas Jisroel. politische Glossen. Die Friedensfrage ist nun in ihr letztes Stadium getreten. Die Friedensbedingungen für Deutschland sind bereits veröffentlicht, diejenigen für Deuffchösterreich dürsten in den nächsten Tagen verlautbart werden. Dann folgen nach den angeblich bereits festgelegten Bedingungen für Ungarn, Bulgarien und die Türkei — das letzte Wort im Weltkrieg wird gesprochen werden. Ob es soweit kommen wird? — Das ist allerdings die Frage. Das, was die Herren in Versailles den Deutschen als Friedensbedingungen präsentiert haben, ist wenig darnach angetan, der geklagten Welt die Sorge um die Ruhe und den Frieden zu nehmen. Ob Deutschland sich unter dem Druck der Verhältnisse gezwungen sehen wird, die Bedingungen schließlich zu akzeptieren, soll an dieser Stelle nicht untersucht werden. Wie dem immer sein möge, der Friede, vorausgesetzt, daß es dazu kommen wird, dürste der Welt kaum die so heiß ersehnte Ruhe bringen und nach wie vor wird die Menschheit unter der Last fortgesetzter Kriegsgefahren seufzen und ächzen. Es ist kein Meisterstück, das dort in Versailles geschaffen wird. Das Werk wird den Meister kaum loben. Froh können wir Juden darüber sein, daß sich unter den Schöpfern dieses „Friedens" kein Jude befindet. Weder der Viererrat, noch der Zehnerrat, die dieses -Teufelswerk ausgebrütet haben, zählen Juden zu ihren Mitgliedern. Es wäre, angesichts des Hasses, welcher uns überall umgibt, furchtbar, könnte man auch dieses Werk als eine „jüdische Mache" bezeichnen. Da bleiben wir lieber aus dem Spiele. Wir verzichten auf die Ehre! Die liebe „Reichspost" hat zwar die Entdeckung gemacht, daß die Juden auch diesmal dabei sind. Unter den 32 Mitgliedern der deutschösterreichischen Friedensdelegation sollen angeblich sechs Juden vorhanden sein. Es mag ja sein, daß dies der Fall ist — für die „Reichspost" sind selbst Konfessionslose und sogar Täuflinge immer noch Juden — aber, und das mag uns zum teilweisen Trost gereichen, zumindest spielen sie hiebei keine erste Rolle und das Friedenswerk wird nicht ihre Arbeit sein. Die erste Geige spielen andere. Freilich, der Wiener „Zionistenführer" Robert Stricker wollte justament dabei sein. Nicht bloß als Jude, sondern sogar als Zionist. Mit einer Aufdringlichkeit, die den so verschrieenen Assimilanten eigen ist, hat er seine Maklerrolle angeboten. Die Zionisten, so versicherte er, verfügen über weite Verbindungen in aller Welt. Ein zionistischer Friedensunterhändler könnte daher der Sache Deutschösterreichs großen Nutzen bringen.... Es ist schwer, keine Satire zu schreiben.... Liegt da Größenwahn oder Gehirnerweichung vor? Glücklicherweise wurden diese Maklerdienste dankend abgelehnt — wir sind daher der Sorge stei, daß unsere lieben Freunde, vön rechts und links uns die Schuld für den Brei zuschreiben werden, der dort in St. Germain ausgekocht werden könnte. Die gekennzeichneten Kannegießereien sind immerhin wert, als ein Charakteristikum verzeichnet zu werden. Deutschösterreich soll ein Bundesstaat werden- So wollen es die Chrifilichsozialeu. Das „rote", das „verjudete" Wien steht ihnen nicht zu Gesicht. Da sie da nicht mehr herrschen können, so soll Wien isoliert werden. Die Länder sollen der Botmäßigkeit „seiner Regierung" nicht mehr unterstehen sondern Herren ihrer Schicksale sein. Die Sache streift auch die jüdischen Interessen. Die Zahl der Juden in der deutschösterreichischen Provinz ist zwar nicht bedeutend — immerhin möchten wir vieselben nicht ganz der Willkür der christlichsozialen und der deutschnationalen Bezirksgrötzen ausgeliefert sehen. Die Juden Deuffchösterreichs werden gut tun, sich diese neuen Pläne der Christlichsozialen näher anzusehen. __ Hamabit. Glaubenstreue Iudenheit und Palästina. An der Spitze unserer henffgen Nummer veröffentlichen wir einen Hilferuf aus Jerusalem. Die zionistische Kommission, die dank der Entwicklung der Verhältnisse über die Verteilung der aus dem Auslande, besonders aus Amerika, einlangenden Unterstützungsgelder zu entscheiden hat, suspendierte jede Unterstützung der Jerusalemer Talmud-Thoraschulen und Jeschiwaus. Die Gründe dieser höchst sonderbaren Maßnahme sind unbekannt; es ist auch ungewiß, in welchem Ausmaße und nach welcher Richtung dieselbe verfügt werde. Die Autoritäten, die das Telegramm Unterzeichneten, verbürgen jedenfalls die gemeldete j Tatsache Ganz besonders muß an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß einer der Unterzeichner, Rabbiner Kuck, als Sympathiker des Zionismus bekannt ist, daß er sich kaum dazu hcrgegeben hätte, für die Sache einzutreten, wenn das Faktum nicht ohne jeden Zweifel verbürgt wäre. Die Behauptung gewisser zionistischer Kreil«, man habe es wieder einmal mit antizionistischer (?) „Machinaffon" zu tun, sind deswegen eine faule Ausrede, um so mehr, als es die Leitung der Organisaffon bisher unterlassen hat, dazu Stellung zu nehmen, obwohl der Hilferuf im Auslande bereits seit zwei Wochen bekannt und veröffentlicht worden ist. Welche Gründe immer es auch gewesen sein mögen, die die zionistische Kommission in Jerusalem zu ihrer Haltung veranlaßt haben, — die heilige Pflicht aller derjenigen Juden, denen die Erhaltung der Thora im Heiligen Laude ein Herzensbedürfnis ist, ist es, so rasch und so ausgiebig als möglich . Hilfe bereitzustellen. Die Thora-An st alten in Jerusalem dürfen nicht notleidend werden! Es tue jeder gute Jehudi seine Pflicht! Darüber hinaus aber erachten wir es als unsere publizistische Pflicht, zur Sache auch von einem weiteren Gesichtspunkte Stellung zu nehmen. Diejenigen, die so oft die Frage auftverfen, warum denn die glaubenstreue Judenschaft es unterläßt, sich den Zionisten in der Palästinasache anzuschließen und besonders diejenigen, die, obwohl auf dem Boden der Orthodoxie stehend, den Anschluß an den Zionismus in dieser oder jener Form bereits vollzogen haben, — all diese Juden erhalten jetzt einen neuen Beweis für die Stichhältigkeit der Argumente, die von orthodoxer Seite gegen das Aufgehen in das zionistische Lager ins Treffen geführt werden. Trotz aller scheinheiligen Versicherung, der Zionismus habe nichts gegen die Religion (welche Gnade!) und sei bereit, den religiösen Bedürfnissen der glaubensffeuen Juden Rechnung zu tragen, gelangt dennoch bei jeder sich darbietenden Gelegenheit der wahre Pferdefuß zum Vorschein. Ueberall, wo, es den Zionisten zufällig gelingt, das Heft in die Hand zu bekommen, finö es die orthodoxen Juden und die religiösen Institutionen, die daran glauben müssen. So geschah es wiederholt im Osten, wo die religiösen Bedürfnisse der breiten Volksmassen gelegentlich der Verteilung der aus-' | ländischen Hilfsgelder eine stiefmütterliche Behänd-