Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 16 (1.5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdische Korrespondenz. Nr. 16 Adas Israel (Zchiffschul). Samstag nachmittags, um halb 4 Uhr, werdenallwöchentlich im Bethause öffentliche Vorträge über Pirke-Abath abgehalten. Nekrolog. Leon ParneS s. A. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Am 4. April ISIS verschied hier nach langem, schweren Leiden, Herr Leo Parnes, im Älter von 63 Jahren. Der Verblichene war einer jener leider seltenen Männer, die keine Sklaven ihres Reichtums sind. Eine Reihe von Stiftungen kündet von seiner Wohltätigkeit und Freigebigkeit, allzeitiger Hilfsbereitschaft und Menschenliebe. Ganz besonders zeichnete er sich in den letzten Kriegsjahren aus, als die Not unter den Juden Lembergs, sowohl der Einheimischen als auch der Zugereisten, so stark überhandnahm. Er war für jede gute Sache zu haben und nahm auch am öffentlichen jüdischen Leben regen Anteil. In den letzten Jahren war Herr Barnes Mitglied des Kultusbeirates, wo er eine lebhafte Tätigkeit entfaltete. Sein Ableben wirkte aus die breitesten Kreise erschütternd. Schwiegersohn des Verblichenen ist Herr Dr. Rafael Landau. Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde in Krakau. Das Andenken des Verblichenen sei gesegnet! Der Basischem von Lhelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von C h a i m Bloch, Delatyn. (Fortsetzung.) Der Chef beobachtete nun die Leiche und als er den Schnitt des Halses, die Stiche im Körper und zuletzt die Beschneidung bemerkte, wurde sein Ton noch strenger. „Nun ist es klar erwiesen, daß Du der Mörder des Kindes bist. Ich frage Dich zum letzten Male: Gestehst Du Deine Schuld ein oder nicht?" „Ich bin unschuldig", antwortete Taubeles, „und wenn ich eine Schuld eingestehe, dann wäre das eine Unwahrheit." „Hundeseele", schrie darauf der Chef, „wie er sich wie ein Lämmchen unschuldig zeigen will." In diesem Augenblick flog die schwere eisenbeschlagene Tür des vom flackernden Lichtschein beleuchteten Amtszimmer auf.-Aber kein Mensch wurde sichtbar. Die Leute schauten sich verwundert an. Und eine Stimme wurde hörbar wie vom Boden heraus: „Oeffnet nochmals das Bündel, dort findet Ihr die richtigen Merkmale, wer der Mörder des Kindes ist. Wie aber die später erfahren/ Alle Leute blieben wie erstarrt. Selbst der sonst tapfere und erschrockene Chef stieß einen Schrei des Entsetzens aus- Taubcles aber stand furchtlos da. Er verzagte nicht und hoffte, daß der Engel der Gerechtigkeit höchst persönlich herniederkäme, um seine Unschuld ^u beweisen. Run wurde nochmals das Körbchen geöstnet- Als der Chef nochmals die Leiche besichtigte, fand er zu seinem Erstaunen zwei Papierftreifen kleben. Das eine derselben lautete: „Lieber Papa! Die Frucht meiner Sünde, meiner Leidenschaft, meiner Dummheit hat gereift, der faule Apfel ist vom Baume gefallen, ich habe einen Knaben geboren. Dieser muß je früher beseitigt werden. Komme morgen her. damit wir beraten, was zu tun ist. Olga." Der zweite Papierstreifen lautete: „Der Gefertigte bestätigt hiedurch durch seine Unterschrift, daß er heute aus der Kaffe der Bausektion für geleistetete und unter Nr- 1012 liquidierten Bauarbeiten, den Betrag von zehntausend polnischen Gulden erhalten hat. Gefertigt zu Chelm am 26. Jänner 1581. Noah Taubeles." Kaum las der Chef die beiden Stücke zu Ende, als wieder die Stimme hörbar wurde: „Hatschewski hat das Kind geschlachtet, es ist sein Enkel, das uneheliche Kind seiner Tochter Olga, er machte alle Merkmale als wäre das Kind zu rituellen Zwecken geschlachtet worden, er legte das Kind in ein Körbchen und stellte es im Schutze der Nachtdunkelheit in die Kammer des Taubeles. Dann schloß er die Kammer und nahm den Schlüffe! an sich." Verblüfft schauten sich Chef und Beamte an. In diesem Augenblick fuhr ein Wagen vor dem Gebäude der Obrigkeit' vor. Der Absteigende sprang wie ein Wind im Bogen in das Amtslokal. Er ließ sich sofort dem Chef anmclden. Sein Erscheinen war dem Chef nur erwünscht und er ließ ihn cinlrcten. Als Hatschewski Taubeles erblickte, warf er auf ihn einen vernichtenden Blick. Er mag sich dabei gedacht haben: „Nun würdest Du wiffen, mit einem Hatschewski zu beginnen." Zum Chef sprach er: „Soeben komme ich von einer Dienstreise zurück, hörte von dem schrecklichen Mord und begab mich hieher, um näheres zu erfahren. Wiffen Sie, welchen geschickten Betrug der Mörder versuchte und mich verleumdete, ich hätte seine Unterschrift gefälscht." Der Chef erwiderte: „Sie kommen jetzt wie gewunschen. Soeben wollte ich einen Amtsmann um Sie schicken. Ich habe Sie über wichtige Dinge in der Mordsache zu betragen." Darauf Hatschewski: „Gern stehe ich zur Verfügung." Der Chef: „Erkennen Sie, Herr Finanzrat, wessen Schrift dieser Brief ist?" Dabei hielt er ihn den Brief mit der Unterschrift „Olga" vor Augen. Hatschewski wurde leichenblaß. In seinen Augen flackerte ein wirres Licht, er wurde sehr verstört und vermochte keine Antwort zu geben. Der Chef: „Und nun noch eine Frage: Wie kommt dieses Schriftstück, welches von Ihrer Hand herzurühren scheint, die Unterschrift des Taubeles trägt, in das Leintuch mit der Kindesleiche?" Das Angesicht Hatschewskis wechselte die Farben. 'Schon stand er wie ein armer Sünder da und gab auf diese Frage keine Antwort. Der Chef: „Nun möchte ich Sie noch um eines fragen: Haben Sie einen Schlüffel von einer Kammer des Taubeles bei sich? Geben Sie uns auf alle diese Fragen Antwort, und verraten Sie sich selber durch Ihre Verlegenheit nicht." Hatschewski stand jedoch wie eine Statue schweigsam. Man konnte nur an dem Zucken seiner Augen seine innerliche Verzweiflung erkennen. Daraufhin sagte der Chef: „Herr Finanzrat, Sie selbst sind dringend verdächtigt, das Kind, ihren Enkel, das uneheliche Kind Ihrer Tochter Olga ermordet zu haben. Gestatten Sie gerälligst Ihre Taschen zu durchsuchen und nach dem Scklüffel der Kammer zu suchen. Der Chef selbst steckte seine Hände in die Taschen des Hatschewski. Ohne langes Suchen fand er einen Schlüffel. Die Sache bedurfte nun keiner weiteren Aufklärung. sicher abzulenken, dem Wahne verfallen, die Leiche in die Kammer des Noah Taubeles zu legen, um auf ihn die Beschuldigung abzuwälzen. Den Grund, daß ich ihn und keinen anderen Juden als Sündenbock ausersah, findet Ihr in dem Schriftstück mit seiner Unterschrift. Es.ist das Papierstück, auf dem ich seine Unterschrift zu fälschen versucht habe und mir als mißlungen erschien." Zu Noah Laubeles gewendet, sprach er: „Noah Taubeles! Du bist ein redlicher Mann, ich habe Dir großes Unrecht zugefügt und auf Dich ein zweifaches Unheil zu bringen versucht. Verzeihe mir im letzten Äugenblick meines Lebens." Bei diesen Worten nahm er aus seiner Tasche ein kleines Quantum Pulver, schüttete es in den Mund, und schrie: „Ich bin gerichtet!" Hatschewski fiel nieder und jede Bemühung, um ihn zu beleben, war vergebens. Durch das Amtszimmer hörte man eine Stimme: „So mögen alle Deine Feinde, o Gott, zugrunde gehen." Nun nahm der Obrigkeitschef den ganzen Vorfall zu Protokoll und sprach Noah Taubeles wie auch Olga frei. (Fortsetzung folgt.) Fast um dieselbe Zeit erschien der Golem auf seiner Wanderung im Dorfe Podlesna in einer kleinen, armseligen Hütte. Olga, die den jüdischen Idioten von Chelm aus kannte, war über sein Erscheinen sehr erfreut, und wiewohl es Spätabend war. unterhielt sich mit ihm wie es immer die Leute mit Vorliebe taten, um seine Dummheiten zu hören. Sie gab ihm Brot und Fleisch. Diesnial wies der Idiot das Fleisch zurück. Als ihm Olga spöttisch aus die Ursache fragte, erzählte er ihr mit seltsamer Einfältigkeit, daß er heute in der Stadt vernommen habe, die Juden haben ein Christenkind geschlachtet und das Blut für ihr Paffahfest ausbewahrt. Ich glaube daher, daß dieses Fleisch von diesem Kinde herstammt." Olga wurde von einem Schauer ergriffen- Fleisch vom Leibe ihres Kindes.„Wir sind ja keine Juden und wie sollen wir von diesem Fleische haben?" fragte sie halb ernst, halb spöttisch. „Woher kann ich wiffen wie zu Euch dieses Fleisch kommt?" erwiderte er und-machte dabei ein sehr idiotisches Gesicht. Er lachte auf und fuhr kort: „Nun, da ich vom Blute des ermordeten Kindes genießen werde, steht ja das Paffahfest bevor, so kann ich ja auch vom Fleische des Kindes effen." Und vom ganzen Munde lachend ergriff er das Fleisch und aß es hastig auf. „Wie gut das Fleisch eines Christenkindes ist", sagte er, „die Juden wiffen was gut ist. Daß man wegen dieses Mordes Noah Taubeles aushängen wird, macht nichts. Gestern war ich bei ihm, man gab mir Butterbrot, aber nicht das gute Fleisch von einem Christenkind." „Ein wahrer Idiot", sagte Olga zu ihrer Tante, „und man braucht kein Theater, wenn man' mit ihm spricht." „Und wo haben die Juden ein Christenkind genommen?" fragte Olga. 'Der Golem erwiderte: „Man sagt, die Tochter eines höhen Beamten mit Namen Tscha—Bätsch—Hatschewski, der Teufel weiß wie er heißt, habe gehurt und als sie ein Kind gebar und sich dieses entledigen wollte, verkaufte sie dasselbe an Noah Taubeles. Man fand bei der Leiche'ein Briefchen mit ihrer "Handschrift. Noah Taubeles ist schon im Kerker, nach der Mutter des Kindes forscht man." Das Antlitz Olgas wurde grüngelb und sie wurde sehr verwirrt. Sie wollte noch an den Golem eine Frage richten, als sich die Türe öffnete und einige Polizeileute eintraten. Vorerst begrüßten sic den „jüdischen Idioten", der ja eine stadtbekannte Persönlichkeil in Chelm war und grob und klein sich über ihn gern lustig machten. „Was machst Du hier?" fragte ihn der Polizeiführer. „Ich ging aufs Dorf und als ich Hunger spürte, ging ich in dieses Hans um Effen zu bitten. Und was sür ein Nachtmahl habe ich da bekommen: Brot mit Fleisch von dem Christenkind, das Noah Taubeles geschlachtet hat. Das Blut werde ich erst zu Peffach zu dem Wein bekommen", antwortete der Golem und brach in ein großes Gelächter aus. „Merkwürdig", sprach der Polizeiführer zu seinen Kollegen, „daß ihn der Teufel gerade jetzt hersührte. Es ist aber jetzt nicht die Zeit zur Unterhaltung, wir muffen unseren Befehl ausführen." Zu Olga gewendet sprach er: „Wir wurden von dem Obrigkeitschef beauftragt, noch heute Nacht Sie einzuvernehmen. Sagen Sie. haben Sie vor einigen Tagen ein Kind geboren?" Olga schwieg. Nun nahm der Polizeisührer einen Brief aus der Aktenmappe, dielt ihn Olga vor Augen, indem er sie fragte: „Sind Sie die Schreiberin dieses Briefes?" Olga stieß einen verzweifelten Schrei aus: „Um Gotteswillen, wie kommt dieser Brief zu Ihnen?" „Das werden Sie später erfahren", antwortete der Polizeiführer, „inzwischen aber folgen Sie uns." Olga gebärdete sich wie eine Verrückte und schrie: „Ich bin unschuldig, ich hohe das Kind nicht getötet, mein Vater, Gott im Himmel, mein Vater war der Mörder." „Das wird schon die Obrigkeit untersuchen, wer der Mörder war", sagte der Polizeisührer. „Sie aber folgen uns, wir müffen bis Mitternacht zurück sein " Olga sah ein, daß jedes Widerictzen unnütz sein wird, hüllte sich in einen Mantel und ging hinaus. Da sie von der Niederkunft ganz erschöpft war, mußten sie die Polizcibeamten beim Aufsteigcn auf den Wagen stützen. Bei der Obrigkeit traf sie ihren Vater. Er sah sehr verdüstert aus. Bei ihrem Anblick schluchzte er tief auf und wollte ihr einige Worte sagen. Doch verwehrte der Chef jedes Gespräch. Als der Polizeiführer vom Geständnis Olgas berichtete, und daß sie ihren Vater als Mörder bezeichnete, erhob sich Hatschewski. und vor Wut schäumend, sprach er: „Ich, ich bin der Mörder des Kindes, meine Tochter hat gehurt und ich konnte es nicht aufs Gewiffen nehmen, der Großvater eines Hurenkindes zu sein. Nun bin ich, um von mir den Verdacht des Mordes Zchiurim-Linteilung vom 30. April bis 8. Mai ' der „Jugendgruppe" des „Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums". Im eigenen Lokal: II., Große Schiffgasse 16. Geöffnet an Wochentagen von 6 bis 9 Uhr abends, am Samstag und Sonntag ab 9 Uhr vormittags. Mittwoch von Vj8 bis V29 Uhr abends: Mischnajoth (Berachoth). Sr. Ehrw. Herr Rabbiner S. Fürst. Donnerstag von V28 bis ’/29 Uhr abends: Mischnajoth (Berachoth). Herr G. Pappenheim. Samstag von V2II bis '/2I2 Uhr vormittags: Tauroh mit Raschi. Sr. Ehrw. Herr Dr. I. Hoff- Samstag von %12 bis V4I Uhr vormittags: Vortrag (im Beth Hamidrasch der Adas Jisrvel). Sr. Ehrw. .Herr Rabbiner S. Fürst. Samstag von 3 bis 4 Uhr nachmittags: Pirkeh Omans. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner S. Fürst. Sonntag von 11 bis 12 Uhr vormittags: Jesaja. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Hoffmann. Sonntag von V26 bis 1/2? Uhr nachmittags: Mögen Awrohom. Herr D. Baumgarten.- Sonntag von 1/28 bis Uhr abends: Tauroh mit Raschi. Herr D. Baumgarten. Montag von V28 bis y29 Uhr abends: Tauroh mit Raschi. Herr D. Baumgarten. Dienstag von y2S bis '/29 Uhr abends: Mischleh. Herr S. Stern. Mittwoch von V28 bis y29 Uhr abends: Mischnajoth. Herr S. Schreiber. Donnerstag von V28 bis V29 Uhr abends: Mischnajoth. Herr S. Schreiber. Seforim sind mitzubringen! II., Große SchifFgasse 8. - Gebetstunden in der Zeit vom 2. bis 9. ijar 5679 C2. bis 9. JUlai 1919). Freitag, 2. Ijar: Sabbateingang 7 Uhr. Samstag, 3. Ijar: Morgengebet 630 und 9 30, Mincha 12-16, Pirke-Abath Vortrag um 3 30 und anschließend das Mincha-Gebet. Sabbatausgang: 7 45. An Wochentagen: Morgengebet 515 und 6 Ulir, Mincha Freitag, 9. Ijar: Sabbateingang 710. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trauungen und Barmizwah werden während der Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. BRENNHOLZ : hart und weich : geschnitten und gehackt S5wird fuhraeise uerlraiift und zugesiellt -2 Anträge an: (6-'S) E. Zopperitsch Wien, XVII., Kainzgasse 5, 11/17. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei; Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hernalser Gürtel 20. 89745506^86974