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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-08 · 29 (8.8.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
29 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Bezugspreis: Ganzjährig K 16, halbjährig K 8, vierteljährig K 4. — Ausland jährlich K 30. Einzelnummer 40 Heller. Organ für die Interessen des | Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Erscheint jeden Freitag. Ni*. 29. Wiera, 12» Ab 5679, 8. August 1919. II. Jahi*gang Tröstet, tröstet mein Volk! „Tröstet, o tröstet mein Volk, — spricht euer Gott. Redet zum Herrn Jerusalems und ruset ihm zu, daß erfüllt ist seine Leidenszeit, daß seiner Schuld genug getan, denn es hat empfangen aus der Hand des Herrn doppelt für alle seine Sünden." (Jes. 40,' 1, 2.) Merkwürdig ist das jüdische Volk. Mitten in der größten Not und Drangsal verliert es seine Hoffnung nicht. Kaum sind die drei Trauerwochen vorüber, noch sind die ergreifenden Töne der Kinoth nicht verhallt, und schon sttmmt Israel das herrliche „Tröstet, tröstet mein Volk" an. Den drei Trauerwochen folgen die sieben Trosteswochen auf dem Fuße. Sabbath Chazan mit seiner düsteren Stimmung wird vom Sabbath Nachmu abgelöst. Fürwahr, Jehuda Halewi hatte recht, wenn er in seiner „Zionide" verkündete: „So ich dein Elend beweine, gleiche ich der nächtlichen Eule — aber wenn mir von deiner Erlösung träumt, wird mein frohes Gemüt die Harfe deiner freudigen Danklieder." Vielleicht liegt darin die Erklärung für das Rätsel der jüdischen Volksexistenz, die allen Gefahren zum Trotz erhalten bleibt. Ein Volk, das in den schweren Stunden die Hoffnung nicht aufgibt, das dem „Echa joschbo baded" das „Nachmu, nechmu ami" folgen läßt, hat ewigen Bestand. Allein, so einfach ist die Sache nicht. Nicht so ohne weiteres kann dem Volke der göttliche Trost zuteil werden. Voraussetzung ist der Abbau seines Schuldenkontos, der Ablauf seiner \ Leidenszeit; erst dann spricht der Ewige: „Tröstet, tröstet mein Volk." Diese Leidenszeit ist ihm vorher angekündigt worden, mit einer nichts zu wünschen übriglassenden Deutlichkeit wurde es verwarnt: „Wenn ihr auf mich hören wollet, so werdet ihr das Beste des Landes genießen; wenn ihr euch aber weigert und widerspenstig bleibt, werdet ihr vom Schwert verzehrt — denn so hat der Herr gesprochen." Die Warnung fand kein Gehör, die Strafe wurde vollzogen. Die Leidenszeit ist aber nur dann vorüber, wenn die reumütige Abkehr erfolgt, wenn sich" das Volk des Trostes seines himmlischen Vaters würdig erweist. „Auf hohen Berg steige hinan, Heilboün Zions, erhebe kräftig deine Stimme, Heilbotin Jerusalems, erhebe sie, fürchte nicht, sprich zu den Städten Judas: da erscheint Euer Gott." Die wahre Erlösung kann nur vom Himmel kommen, Zion und Jerusalem werden |rft dann ihren Trost finden, da der Gott Israels wieder erscheinen wird. Leerer Wahn ist es, anzunehmen, daß politische Umwälzungen, imperialistische Gelüste und unstillbare Ländergier dem jüdischen Volke die Erlösung bringen können. Nein! Diejenigen, die sich heute anmaßen, als Werkzeuge Gottes sich auszugeben, dazu berufen, der Welt eine neue Ordnung zu geben — sie sind es nicht. „Wer erforschte denn den Geist des Herrn und wem gab der Ewige seinen Ratschluß kund? Mit wem beriet er sich, daß er ihm Einsicht gab und ihn den richtigen Pfad lehrte?" Die neue Ordnung, die daselbstsüchtige Menschensöhne schaffen wollen, sie wird schwerlich Bestand haben, wenn der Ratschluß des Ewigen anders lauten sollte. „Und die Völker sind wie ein Nichts vor ihm, nichtig und leer sind sie ihm geachtet. Wen wollt ihr mit Gott vergleichen und welch Gebilde ihm gleichstellen? Vielleicht ein Bild, das der Künstler gegossen und der Goldarbeiter mit Gold überzogen, an das der Schmied silberne Ketten gemacht?" Oder vielleicht sollen jene die Stelle Gottes vertreten, die in Paris versammelt sind, ihrer Rache die Zügel schießen lassen, ihrem Haß keine Grenzen setzen und ihre Beutegier restlos befriedigen wollen? „Wisset ihr nicht? hört ihr nicht? Ist euch nicht verkündet worden von Anbeginn an? Habt ihr nicht gemerkt auf die Grundpfeiler der Erde? Er, der über dem Erdkreise thront, dem gegenüber die Bewohner wie Heuschrecken sind, der ausgespannt wie ein Flor den Himmel und ihn ausgebreitet wie ein Zelt zur Wohnung; der die Fürsten zunichte macht, die Mächtigen der Erde in Nichts verwandelt." Nur der Ewige ist berufen, der Welt eine Ordnung zu geben, die Bestand haben soll; nur der Gott Israels wird seinem Volke die Erlösung bringen. „Er verleiht den Müden Kraft und dem Ohnmächtigen gibt er große Stärke." Der Israel zerstreut hat, yWd es auch wieder sammeln. „Wie ein Hirt, der seine HerdLDßidet, mit seinem Arm sammelt er die Lämmer, in seinem Busen 'trägt er sie und die Säugenden leitet er", so wird der Ewige die Zerstreuten Israels sammeln. Das ist der Trost, der dem jüdischen Volke zuteil werden wird, der Trost, den der Prophet verkündet: „Tröstet, o tröstet mein Volk, spricht euer Gott!" Achad-harabanim. Die orthodoxe Delegation in Paris und London. Die orthodoxe Delegation, die sich nach Paris und London zum Zwecke der Fühlungnahme mit anderen jüdischen Vertretern und der Friedenskonferenz begeben hat, sollte ursprünglich aus zehn Herren bestehen, leider konnte nur für fünf die Reisemöglichkeit bewirkt werden. Es waren dies die Herren N. Rosenfeld, S. Awrach und M. Kaminer aus Warschau und die Herren Rabbiner Dr. Bloch und Dr. Weill aus dem Elsaß. Zunächst ist die Delegation mit den in Paris weilenden Abordnungen aus Palästina, Italien, England und Amerika zusammengetreten. Mit den zionistischen Vertretern, den Herren Sokolow, Weizmann, Ussischkin und Richter Mack, hat die Delegation drei Beratungen abgehalten. Die Anträge und Anregungen der Orthodoxen fanden im ganzen bei den Zionisten wenig Gegenliebe. Ablehnend verhielten sie sich auch gegen den Vorschlag, orthodoxe Vertreter in das Komitee der zionistischen Delegationen zu wählen. Mit großem Eifer wendete sich die Delegation der Regelung der jüdischen Interessen in den Golusländern zu.^ Von den Zionisten war dieses Gebiet lange unbearbeitet gelassen worden, weil aus der Lösung des Palästinaproblems die Regulierung der jüdischen Gesamtlage erwartet wurde. Erst auf die entschiedene Einwirkung der Amerikaner hin, entschloß man sich auch hier, ein die Juden in den Ländern Europas betreffendes Memorandum der Friedenskonferenz vorzulegen. Als erste Aufgabe erachtete die Delegation die Aktion gegen die Austreibungen aus Warschau, durch die 15.000 Juden dem Lose der Heimatlosigkeit entgegengingen. Die Delegatton wies in einer ausführlichen Denkschrift die Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit dieser geplanten Maßnahme erschöpfend nach. Die Denkschrift wurde der Friedenskonferenz wie verschiedenen einflußreichen Persönlichkeiten in Paris überreicht. Der Erfolg dieser Aktton trat glücklicherweise früher als erwartet ein. Auf Veranlassung der Friedenskonferenz wurde, nach einer Mitteilung Paderewskis, die Verordnung so gemildert, daß die Gefahr fürs erste beseitigt scheint. ■UBHasasass 799556

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