Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1919-04-10 · 13-14 (10.4.1919) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
13-14 (10.4.1919)
Date
1919-04-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3495278-3495418-3495430--0893-3496745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Korrespondenz. Nr. 13/14 schlotterten, sie war nicht mehr in der Welt. Trotzdem ermannte sie sich und antwortete: Alles, was ihm der Heilige, ged. sei er! gesagt hat, möge er tun zum Leben und zum Frieden. Als der Satan sah, daß seine Ab» sicht und der Wunsch seines Herzens, das Opfer unsers Vaters Abraham zu vereiteln, nicht glückte, was machte er? Er ging und machte sich wie ein großer Strom. Ms sie sich dem Strome nahten, sprach Abraham zu Isaak: Verziehe ein wenig, ich will zuerst hineinsteigen und sehen, ob er tief ist. Er tat so und kam bis in die Mitte des Stromes, und die Wasser reichten ihm nicht bis an seine Kniee. Er sprach zu Isaak: Steige hinab hinter mir her, fürchte dich nicht, denn die Wasier reichen nicht bis an meine Kniee. Isaak stieg hinab hinter ihm her; aber sie waren noch nicht bis in die Mitte des Stromes hinabgestiegen, da wuchsen die Wasier und erhoben sich bis zu ihren Hälsen. In dieser Stunde erhob Abraham . seine Augen zum Himmel und sprach: Herr der Welt! offenbar und bekannt ist es vor dem Throne deiner Herrlichkeit, daß du ein Gott der Oberen und der Unteren bist, und du hast dich mir offenbart und mir gesagt: Ich bin einzig, und es ist niemand, der mir gleicht, und du bist einzig, denn es gibt in der Welt keinen Gerechten wie du; mache meinen Namen bekannt in der Welt und opfere vor mir Isaak, deinen Sohn, zum Ganzopfer. und ich beeilte mich, deinen Willen zu vollziehen und dachte nicht darüber nach, den Einwand zu erheben: Gestern sagtest du mir: „Denn in Isaak wird dir ein Same genannt werden" (Gen. 21, 12), und jetzt sagst du zu mir, daß ich ihn als Opfer darbringen soll, wenn wir jetzt untersinken, wer wird die Einheit deines Namens in dieser Welt bekannt machen? Der Heilige, gcb. sei er! sprach zu ihm: Bei deinem Leben fürchte dich nicht, durch dich wird die Einheit meines Namens in der Welt bekannt gemacht werden. Der Heilige, geb. sei er! bedrohte sofort den Satan, und die Wasier vertrockneten von der Erde, und sie fanden sich auf dem Trocknen stehend. Als Abraham und Isaak noch unterwegs waren, erhob sich ein Streit zwischen Jsmacl und Eli'ezer, welche die Gerätschaften und ihr Vieh bewachten. Jsmael sprach: Jetzt wird mein Vater den Isaak opfern, und ich werde alle Güter erben, die von meinem Vater übrig bleiben. Eli'ezer cntgegnete ihm: Dich hat er bereits geschieden (vertrieben) wie ein Weib, das von ihrem Manne geschieden (vertrieben) ist und hat dich in die Wüste geschickt, ich aber bin sein Knecht, der Vertraute seines Hauses bei Tag und bei Nacht. Der Heilige -Geist antwortete und sprach: Dieser wird ihn nicht beerben und dieser wird ihn nicht beerben! Es heißt (Gen. 22, 9): „Und sie kamen an den Ort, den ihm Gott angesagt halte, und Abraham baute dort den Altar, und legte das Holz zurecht und band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar über das Holz." Ahraham baute den Altar, und Isaak reichte ihm das Holz und die Steine. Abraham glich einen Menschen, welcher für seinen Sohn ein Hochzcitshaus baute, und Isaak glich einem Menschen, der sich zum Traubaldachin rüstet und es mit Freuden tut. Er sprach: Mein Vater! spute^nch, entblöße deinen Arm und binde meine Hände und meine Füße recht schön, denn ich bin ein Jüngling von 37 Jahren, und du bist ein alter Mann, wenn ich das Mesier in deiner Hand sehe, könnte ich aus Furcht vor dem Mesier mich ängstigen und dich stoßen, denn die Seele ist dreist, vielleicht könnte ich mir bei dem Stoßen einen Fehler zuziehen und ich würde untauglich sein; ich bitte dich, mein Vater! spute dich, vollziehe den Willen deines Schöpfers, zögere nicht; wickle deine Kleider zusammen, gürte deine Lenden und verbrenne mich recht schön; nimm meine Asche und bringe sie zu Sara, meiner Mutter, und lege sie in einen Kasten in ihre Kammer, sie ivird dann zu jeber Stunde, wo sie ihre Kammer betritt, an ihren Sohn Isaak denken und weinen. Und noch viel mehr sprach Isaak zu seinem Vater, nämlich: Sobald du mich geschlachtet und dich von mir getrennt hast und zu Sara, meiner Mutter, gehst und sie dich fragt: Wo ist mein Sohn Isaak? was wirst du ihr antworten, und was werdet ihr in euerm Alter tun? Abraham sprach: Wir wisien, daß nach dir nur noch wenige Tage uns sein werden. Er, der unser Trost war, bevor du geboren wurdest, wird uns trösten von diesem Tage ab und weiter- Abraham legte sofort das Holz zurecht, band Isaak auf den Altar über das Holz, stärkte seine Arme und wickelte seine Kleider zulammcn und legte seine beiden Kniee auf ihn mit grovcr Kraft; der Heilige aber, denen Name gepriesen sei! saß auf seinem hohen und erhabenen Throne und sah, wie das Herz der beiden gleich war, und Tränen von Abraham hcrabrollten und auf Isaak und von Isaak auf das Holz fielen, sodaß cs in die Tränen getaucht ward. Sofort „streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Schlachtmesier, seinen Sohn zu schlachten." Der Heilige, geb. sei er! sprach zu den Dienstengeln: Seht ihr Abraham, meinen Geliebten, wie er die Einheit meines Namens in der Welt bekannt macht? Wenn ich euch Gehör geschenkt hätte in der Stunde, da ihr bei der Schöpfung meiner- Welt spracht: „Was ist der Mensch, daß du an ihn denkest, und des Menschensohn, daß du auf ihn achtest" (Ps. 8, 5,? wer hätte die Einheit meines Namens in dieser Welt bekannt gemacht wie Abraham? In dieser Stunde weinten die Dienstengel in der Bitternis der Seele und was sprachen sie? „Verödet sind die Straßen, es feiert der Wanderer. Zerstört hat er den Bund" <Jes. 33 8). Wo ist der Lohn derer, welche die Wanderer aufnchmcn? — Denn alle Wanderer, mochten sie kommen von einem Orte, von welchem sie wollten, führte Abraham in sein Haus, und er gab ihnen zu esien und zu trinken und gab ihnen das Geleite auf den Weg — wo ist der Lohn, den Abraham genommen hat? „Er hat den Bund gebrochen," nämlich er hat jenen Bund gebrochen, von dem du ihm gesagt hast: „Denn in Isaak soll dir ein Same genannt werden," „und meinen Bund richte ich mit Isaak auf," siehe, das Schlachtmesier ist an seinem Halse. Die Dienstengel weinten, und ihre Tränen fielen auf das Mesier, bis es stand und am Halse Isaaks keine Gewalt hatte. Sogleich floh seine Seele von ihm. Der Heilige, geb. sei er! sprach zu Michael: Warum stehst du da, laß ihn nicht schlachten! Michael rief sofort und sprach zu Abraham: „Abraham, Abraham!" Warum rief er zweimal? Weil unser Vater Abraham in Eile war, und der Engel schrie, wie ein Mensch schreit und ruft: N. N., N. N., was machst du? „Lege deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm nicht das Geringste." Abraham sprach zum Engel: Der Heilige, gebcncdeit sei er! hat mir geboten, ihn zu schlachten, und du befiehlst mir: Du sollst ihn nicht schlachten. Aus wcsien Worte soll ich hören, auf die Worte des Lehrers oder auf die Worte des Schülers? Sofort „rief der Engel des Ewigen Abraham zum zweitenmale vom Himmel und sprach: Bei mir habe ich geschworen, ist der Ausspruch des Ewigen, weil du diefes getan hast, und hast deinen Sohn, deinen einzigen, nicht zurückgehalten, daß ich dich segnen und deinen Samen mehren will gleich den Sternen des Himmels und gleich dem Sande, der am Rande des Meeres ist, und erben wird dein Same das Tor seiner Feinde" (Gen. 22,16,17). Sogleich ließ Abraham ab, und seine Seele kehrte in ihn (in Isaak) zurück, und er stellte sich auf seine Füße und sprach die Benediktion: Gepriesen -seist du, der du die Toten belebst! In jener Stunde hob Abraham seine Augen zum Himmel und sprach: Herr der Welt! in der Stunde, wo meine Kinder in Not sind, gedenke ihnen dieser Stunde, wo ich vor dir stehe! „Und nun rede zu den Kindern Israel, daß sie aufbrechen" (Ex. 14,15'). Mose antwortete vor dem Heiligen, geb. sei er!: Herr der Welt! was soll ich tun? Der Heilige sprach: Nimm den Stab, den ich dir gegeben habe, und gehe zum Meer in meiner Sendung und sprich zu ihm: Ich bin der Gesandte des Schöpfers des Schöpsungswerkes, lege bloß deine Wege meinen Kindern, daß sie durch dich hindurchziehen. Sofort ging Mose zum Meer und sprach zu ihm die Worte des Heiligen, geb. sei er; und das Meer antwortete Mose: Ich werde nicht tun, wie du geredet hast, denn du bist ein Weibgeborener, und nicht nur dies, sondern ich bin drei Tage älter als du, denn ich bin am dritten erschaffen worden, und du bist erst am sechsten Tage erschaffen worden. Sofort teilte Mose die Worte des Meeres dem Heiligen, geb. sei er! mit, und dieser sprach zu ihm: Was tut man einem Knechte. dergegenseinenHerrnwiberspenstigist?Mose antwortete: Man tch'lägt ihn mit dem Stocke. So „erhebe auch du deinen Stab," verletzte der Heilige, geb, sei eri- „und strecke deine -Hand aus über das Meer und spalte es." Sogleich „streckte Mose seine Hand aus über das Meer und spaltete es," und die Israeliten fürchteten sich, ins Meer zu gehen, bis Nachjchon den Amminadab aufsprang und zuerst ins Meer hinabstieg, nach ihm kamen alle Israeliten aufs Trockene," und die Wasier waren eine Mauer zu ihrer Rechten und ihrer Linken. „Und der Ewige errettete an diesem Tage Israel aus der Hand Aegyptens" (Ex. 14, 30). Die Weisen s- A. haben getagt: Waren denn die Israeliten an diesem Tage in die Hand Aegyptens gegeben, daß es heißt: „Und es errettete der Ewige an diesem Tage Israel aus der Hand Aegyptens:" Alletn sie (die Weisen) haben gesagt: In der Stunde, da die Israeliten aus Aegypten zogen, stellte sich Uza, der Schutzpatron der Aegypter, vor den Heiligen, geb. sei er! und sprach vor ihm: Herr der Welt: mit dieser Nation, die du aus Aegypten führst, habe ich eine Rechtssache, ist es dein Wille, so komme Michael, ihr Schutzpatron, und rechte mit mir vor dir! In dieser Stunde sprach der Heilige, geb. sei er! zu Michael: Geh und rechte mit ihm vor mir;! Sofort tat Uza, der Schutzpatron der Aegypter, vor dem Heiligen, geb. sei er! seinen Mund auf und sprach; Herr der Welt! du hast über diese Nation verhängt, daß sie unter meiner Nation 400 Jahre geknechtet sein sollen, wie es heißt (Gen. 15, 13) : „Und sie werden sie knechten und sie drücken 400 Jahre," sic haben sie erst 66 Jahre geknechtet, seit dem Tage, an dein Mirjam geboren wurde, denn da verbitterten die Aegypter ihr Leben, wie cs heißt (Ex. I, 14) : „Und sie verbitterten ihnen das Leben," noch ist die Zeit ihres Ausziehens nicht herangenaht, sondern, wenn es dein Wille ist, gib mir die Erlaubnis, daß ich sie nach Aegypten zurück'führe, um sie die 314 Jahre, die übrig sind, zu knechten, und laß deine Worte bestehen! Und sowie du bestehend bist, so soll auch dein Beschluß bestehend sein. Als Michael das hörte, hüllte er sich in Schweigen und fand keine Entgegnung, mn Uza, dem Schutzpatron der Aegypter, zu erwidern- Als der Heilige, geb. sei er! sah, daß Uza die Israeliten wieder nach Aegypten zurückführcn wollte, sprach er zst Uza: Warum willst du meine Kinder zu deiner Knechtung wieder zurückführen? Meine Kinder sind Hoch nur für schuldig befunden worden, deiner Nation zu dienen wegen des einen Wortes, das Abraham in der Stunde redete, da ich zu ihm sprach (Gen. 15, 7): „Ich bin der Ewige, der ich dich aus Ur-Kasdim herausgcführt habe, dir dieses Land zu geben, es zu erben." Er sprach vor mir: Herr der Welten! woran soll ich erkenner, daß ich es erben werde? Auf dieses Wort hin sprach ich zu ihm: „Fremdlinge sollen sie sein." In Aegypten habe ich nicht gesagt, sondern: „In einem Lande, daß ihnen nicht gehört." Es ist offenbar und bekannt, daß sie von dem Tage ab, da Isaak geboren ward. Fremdlinge waren, und jene 400 Jahre sind bereits vorüber, dir kommt mithin nicht die Ermächtigung zu, meine Kinder zu knechten. Das ist es, was die Schrift tagt: „Und cs errettete der Ewige an diesem Tage Israel aus der Hand Aegyptens." Der Baalschem von Lhelm und fein Golem. - Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von Ch aim Bloch, Delatyn. (Fortsetzung.) 4. gitt Nkrrt-Nikö«r.* In Sb eint lebte ein hoher Finanzbeamter, namens Hatschewski. Er scheute keine Gewalt und beging verschiedene Amtsmißbräuche durch Bestechungsannahme Veruntreuungen und Erpresiungen. Da er einer adeligen polnischen Familie entstammte und mit vielen der Evelleute verschwägert oder verwandt war. drückte die Behörde ein Auge zu. Wenn hr seltenen Fällen eine Klage Sen ihn bei der Behörde einlangte, so verwendete man für ihn und die Klage wurde unterdrückt. Hatschewski hatte eine einzige Tochter, Olga. Es glückte ihm, ihr einen Offizier als Gatten zu geben, mit dem sie in eine ferne Garnisonsstadt zog und einige Jahre lebte. Eines Tages wurde ihr Mann bei einem Pöbelauflauf getötet und sie kehrte daher ins Elternhaus zurück. Bald darauf knüpfte sie heimlich mit einem Edelmann ein Liebesverhältnis an. Als sich die Folgen dieses Verhältnisies einstellten, überschüttete sie Hatschewski mit bitteren Vorwürfen. Er hatte für sie eine neue gute Partie in Sicht, die, wenn ihr Fehltritt bekannt werden sollte, nicht zustande käme. Er beschloß daher, um einen öffentlichen Skandal zu verhüten, seine Tochter nach Podlesna, ein entlegenes Dorf, zu seiner Schwester zu bringen, damit sie dort ihre Niederkunft abwarten soll. Seinen Bekannten sagte er, Olga sei behufs Erholung zu Verwandten für einige Monate gefahren und sie werde erst im Frühjahr zurückkommen. Indessen beging Hatschewski einen großen Betrug und cs drohte ihm der Verlust seiner hohen Amtsstelle, wie auch die Verurteilung zu einigen Jahren Gefängnis. Der Sachverhalt war folgender: Ein jüdischer Bauunternehmer, namens Noah Taubeles, hatte eine größere Geldsumme für geleistete Arbeiten an der Staatskaffe zu beheben. Hatschewski selbst hatte ihm dieses Geld liquidiert. Nun fälschte er die Unterschrift des Taubeles und behob die Summe für sich. Als Taubeles sich zum Empfang des Geldes einfand, erklärte Hatschewski, er habe die Summe schon einmal ausbezahlt bekommen uitd wies seine Quittung vor. Selbstredend erklärte Taubeles, daß die Unterschrift gefälscht sei und forderte sein Guthaben. Es fiel der Verdacht auf Hatschewski, den Betrug verübt zu haben. Dieser leugnete aber hartnäckig und behauptete, daß Taubeles die Geldsumme nochmals herauslocken will. Selbstverständlich war es Hatschewski riesig daran gelegen, Taubelcs unschädlich zu machen und seine Vertrauenswürdigkeit zu erschüttern. Doch er fand keine Möglichkeit hiezu. Bald daraus erhielt er von seiner Tochter die Nachricht, sie habe einem Knaben das Leben geschenkt und sie drückte das Verlangen aus, das Kind zu beseitigen. Dies kam Hatschewski sehr gelegen. Er werde das Kind töten, die Leiche im Hause des Taubeles verstecken und ihm einen Ritualmordprozeß machen 'lassen. Er reiste nach Podlesna zu seiner Tochter. Noch bevor er dort eintras, zerbrach sich Olga den Kopf, wie sie das Kind aus der Welt schaffen könnte; nach Ehelm dürfte sie es unter keiner Bedingung lebend bringen. Als daher Hatschewski seine Tochter in seinen Plan einweihte, gefiel thr dies sehr gut. Nun wurde das Kind ohne Zögern abgeschlachtet. Hatschewski wollte, daß alle Merkmale auf einen Nitualmord stimmen sollen, daher preßte er dem Kinde das Blut aus dem Körper, machte an verschiedenen Körperteilen Stiche und um seinem Werke die Krone zu verleihen, nahm er auch die Beschneidung vor. Nun steckte er die Leiche in ein weißes Leintuch, auf dem er mit Blut das Davidsschild, das jüdische Wappen, zeichnete. Er merkte es nicht, daß sich' ein unsichtbares Wesen an ihn herandrückte, aus seiner Westentasche zwei Papierstücke zog und diese so unauställig der Leiche beilegte, daß Halichewski es nicht wahrnehmen konnte. Denn als Rabbi Elle Baalschem in der vergangenen Nacht einschlief, träumte er folgenden Vers: „Noah,war ein frommer Mann**." Da er von dem Prozeß zwilchen Noah Taubeles und Hatschewski hörte, maß er dem Traume Bedeutung zu. Er rief den Golem zu sich und sprach zu ihm: „Israel walte Deines Amtes." Es genügte, wenn Rabbi Elle ihm nur den Namen einer Person nannte, der er aufzupasien hatte, und er verfolgte diese wo immer sie sich kehrte und wendete und nichts von deren Tun konnte ihm entgehen. Abends kehrte Hatschewski nach Chelm zurück. Die" Leiche packte er in ein kleines Körbchen und bewahrte es unter dem Sitze des Wagens. Olga ließ er noch in Podlesna zurück, bis die Spuren ihrer Niederkunft verwischt sein werden. Mitten in der Nacht schritt er dem Hause Taubeles zu und es gelang ihni, von niemanden bemerkt, das Körbchen in eine Kammer, welche zufällig offen war, unterzubringen. Die Türe hinter sich schließend, nahm er den Schlüsiel in die Tasche und entfernte sich frohen Mutes, triumphierend rufend: „Ich habe nun durch die .Schandtat meiner Tochter meine Ehre gerettet." Natürlich glaubte er sich von niemand beobachtet. (Fortsetzung folgt.) * Bilbul — Verleumdung, falsche Beschuldigung, Jntrigue. ** 1. Buch Moses, 6, 9. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.