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Jüdische Korrespondenz · 1919-04-10 · 13-14 (10.4.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
13-14 (10.4.1919)
Date
1919-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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indische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K12, halbjährig K 6, vierteliährig K 3. Ausland jährlich K 20. - Einzelnummer 30 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag Np. 13/14. Wien, 10. April 1919. V. Jahrgang. Aeußwe Freiheit und innere Knechtschaft. Im Zeichen der „Freiheit" feiern wir diesmal unser schönes Freiheitsfest. Freiheit überall; die Mauern der Reaktion sind gestürzt, Machthaber mußten weichen, die Völker sind die Herren ihrer Schicksale und die Freiheit blüht in allen Gassen. Und doch sind wir heute nicht frohen Mutes die Freiheit, die wir so sehnlichst herbeigewünscht, sie hat uns die erhoffte Erlösung nicht gebracht. „Akate awde anan!“ Noch immer sind wir Sklaven, wie alle anderen Völker. Nur die Herren, die heute über uns zu befehlen haben, sind andere als früher, die Knechtschaft ist geblieben. Als wir in den Novembertagen 1918 nach viereinhalbjährigen blutigen Krieg jene Umwälzung erlebten, glaubten wir, das Pessachfest, das wir vier Jahre hindurch in Not und gedrückter Stimmung feierten, Heujahr in Freude begehen zu können. Fünf Monate sind seither vorüber — unsere Not ist dieselbe geblieben. Wir leiden heute unter viel größeren Entbehrungen als früher, wir haben eine düstere Vergangenheit und eine unsichere Zukunft. Die Völkerfreiheit, die in jenen denkwürdigen Novembertagen angeblich gesiegt habe, die Demokratie, die damals triumphierte — wo ist sie, wo sind ihre Spuren zu entdecken? Weder in Paris, wo die Sieger vom November über die Neuordnung der Welt seit Monaten beratschlagen und zu keinem Resultat gelangen können, noch an den Stellen, wo durch Jahrhunderte unterdrückte Völker die Honigwochen ihrer jungen Freiheit begehen. Der Imperialismus, der Terror der Minderheiten feiern Triumphe — die Freiheit, die sie meinen, sie gereicht der Menschheit nicht zum Segen. Der Mißbrauch, der mit der Freiheit getrieben wird, er ist nicht weniger verwerflich als der Mißbrauch, den die Exponenten der Reaktion früher mit ihrer Macht getrieben haben. „Gar mancher dünkt sich frei und ist nur ein Sklave seines Wahnes!" Die Völkerfreiheit sollte auch uns Juden Freiheit und Erlösung bringen. So hofften viele, die die Geduld verloren haben, die Erlösung, die von oben kommen soll, zu erwarten. Sie sind bitter enttäuscht. Wo sind die Spuren dieser Freiheit, die der Sieg der Westmächte hätte bringen sollen? Pogrome, Verhetzung, Verfolgungen und Drangsalierungen sind' auf der Tagesordnung. Wir sind kaum einen Schritt vorwärts gekommen, es sei denn, wir wollen Versprechungen für bare Münze nehmen und uns Illusionen hingeben, denen jede reale Grundlage fehlt. „Aeußere Freiheit, innere Knechtschaft" — das ist das Zeichen der Zeit, die wir jetzt durchleben. Nur die Materie hat die Freiheit errungen, der Geist ist fernerhin in Sklavenketten geschlagen. Wir sind die Sklaven einer ruchlosen Demagogie, einer inhaltslosen Phraseologie. Wir Juden ebenso wie die anderen Völker — die echte und reine Freiheit ist es nicht, derer wir uns jetzt erfreuen. „En loch ben-chaurin ela mi sche-aussek bathora!“ — Nur derjenige ist wirklich frei, dessen G6st frei ist. Unsere Vorfahren in Aegypten haben mit der materiellen Freiheit auch die geistige erlangt. „Behauziachu es haam inimizraim taavdun en ha-scheim al hahor haseh!“ Das war das eigentliche Ziel des Auszuges aus dem Lande der Knechtschaft. Auch wir werden nur dann im vollen Sinne des Wortes frei sein, wenn die L-klavenketten abgeworfen werden, die um unseren Geist geschlagen sind, die Ketten der Phrase, der Demagogie, die darnach strebt, im Namen der Freiheit zu herrschen gnd zu gebieten. Dann, aber nur dann werden wir in voller Freiheit das Freiheitsfest feiern können. Dr. Awi-Schalom. Feststellung. Um allen tendenziösen Gerüchten ein für allemal die Spitze abzubrechen, wird hiemit kategorisch festgestellt, daß alle Nachrichten über einen Zusammenschluß der Orthodoxie mit den Zionisten jeder Grundlage entbehren. Weder die Wiener Orthodoxie, noch die Weltkonferenz der orthodoxen Verbände in Zürich hat einen solchen Beschluß gefaßt. In Zürich wurdebloß beschlossen, hinsichtlich des Auftretens vor der Friedenskonferenz in der Palästinafrage sowie hinsichtlich der Rechtsstellung der Juden in der Diaspora gegebenenfalls gemeinsam, mit der zionistischen Organisation vorzugehen; jedoch ausdrücklich hinzugefügt, daß „das in Aussicht genommene eventuelle gemeinsame Vorgehen mit anderen Organisationen gegenüber dem Friedenskongreß in keiner Weise die Ueberzeugung berührt von der Notwendigkeit dauernder Selbständigkeit der auf der Konferenz vertretenen thoratreuen Organisationen und den Willen, in dieser Selbständigkeit zu ver- Alle anderslautenden Gerüchte sind tendenziös und widersprechen der Wahrheit. _____ Line große orthodoxe Versammlung in Wien. Dienstag, den 8. April, um 6 Uhr abends, fand im großen Saale des „Bayerischen Hof" eine vom Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums einberufene Versammlung statt, mit der Tagesordnung: Bericht über die Weltkonferenz der orthodoxen Verbände in Zürich. Die Versammlung wurde durch den Präsidenten Herrn B. Hofbauer eröffnet, der die zahlreich erschienenen Teilnehmer, besonders die orthodoxen Rabbiner und die Vertreter der Presse begrüßte und dem Referenten, Herrn W. Pappenheim, das Wort erteilte. Herr Pappenheim erklärt zunächst, bevor er zum eigenlichen Thema übergeht, über die Mazzothakiion des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums eingehend zu berichten. Redner schildert die großen Anstrengungen, welche diesbezüglich gemacht werden mußten, um die Einfuhr von einem entsprechenden Mehlquanhlm für Mazzoth aus der Schweiz bewilligt zu erhalten. Ohne Ruhmrederei kann gesagt werden, nur der Arbeit des Vereines und der Freunde in der Schweiz ist es zu verdanken, wenn Wien Heuer überhaupt Mazzoth, wenn auch in sehr kleinem Ausmaße erhielt. Ferner berichtet der Redner über den Beschluß des Gremiums der Kaufmannschaft in Angelegenheit der Sabbatruhe — worüber wir an anderer Stelle ausführlich berichten — sowie über eine Aktion zur Versorgung der Juden Wiens mit Koscherfleisch aus Holland, die auf dem besten Wege ist, einen Erfolg zu bringen. Aus all dem ist« die segensreiche Tätigkeit der Organisation der Orthodoxie zu ersehen. Referent bespricht hierauf die Bedeutung und die Dringlichkeit einer Organisation zur Erhaltung und Stärkung des Judentums; betont die große Tragweite der Palästinafrage angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse. Die Orthodoxie sah sich veranlaßt, ,hiezu positiv Stellung zu nehmen und schreitet nun daran, eine diesbezügliche großzügige Aktion in die Wege zu leiten. Der Gedanke einer Weltorganisation der Orthodoxie ist bereits einige Zeit vor dem Kriege über Initiative der Orthodoxie in Frankfurt am Main entstanden. Der Krieg hat die Einberufung eines großen Kongresses behindert. Nunmehr wird an die Realisierung des Gedankens geschritten und der erste Schritt hiezu war die Weltkonferenz der orthodoxen Verbände in Zürich. Redner entwirft ein anschauliches Bild vom -Verlauf der Konferenz, die an und für sich ein Ereignis von großer Tragweite war. schildert eingehend die Fragen/ die zur Beratung und Beschlußfassung gestellt waren und erläutert die gefaßten Beschlüsse. Besonders hebt der Referent die Tragweite der Beschlüsse hinsichtlich des Wiederaufbaues und Neugründung der Jeschibot sowohl in der Diaspora, als auch im Heiligen Lande, das wieder zum geistigen Zentrum werden soll. Er bespricht hierauf die Palästinafrage und die Stellung der Orthodoxie zu derselben in der Vergangenheit und in der Gegenwart sowie in der»Zukunft. Nur Dank dem alten Jischob ist die Entstehung des neuen Jischob möglich geworden. Jetzt ist auch eine stärkere Besiedelung des Landes möglich und es tritt an die Orthodoxie die Pflicht heran, hiefür ihre ganze Kraft einzusetzen. (Lebhafter Beifall.) Die Besiedelung kann aber nur a! taharas ha-kaudesch oor sich gehen. (Bravo!) Deswegen ist es notwendig, daß sich recht viele glaubenstreue Juden dorthin begeben, um die Erhaltung und Stärkung des unverfälschten Judentums möglich zu zu machen. (Bravo!) Um dies entsprechend in die Wege zu leiten, ist eine Vorbereitungsarbeit notwendig, bezüglich welcher in Zürich bereits positive Beschlüsse gefaßt wurden, so die Gründung der Siedlungs- und Handelsbank, des Jnformationsbureaus, der Palästinaämter usw. usw. Zu alldem sind natürlich große Geldsummen nötig, und es ist zu erwarten, daß dieselben znr Verfügung sein werden. Die Orthodoxie, respektive deren Organisation, hat aber auch die Ausgabe, für das Judentuin aller Länder einzutreten, und zwar sowohl für deren äußere Stellung als auch für deren Entwicklung im Innern. Auch diesbezüglich sind entsprechende Beschlüsse gefaßt worden. Schließlich berichtet der Redner eingehend über die Verhandlungen bezüglich eines Zusammengehens mit den Zionisten, verliest die bezüglichen Beschlüsse der Konferenz und konstatiert, daß entgegen allen von zionistischer Seite verbreiteten Gerüchte von einem Anschluß der Orthodoxie an den Zionismus keine Rede sei. (Stürmischer Beifall., Hinsichtlich gewisser, allgemein-jüdischer Fragen können beide Gruppen zusammengehen, sonst aber müssen unsere Wege getrennt bleiben. Wir stehen auf der Grundlage der Thora schebiksasv und schebaal-peh — die Zionisten aber nicht. Deswegen können wir bis auf weiteres keinen Anschluß au sie suchen und finden. (Bravo!) Zum Schluß rekapituliert der Referent die Beschlüsse der Weltkonferenz und appelliert an die Versammelten, sich zur Mitarbeit in geistiger und materieller Beziehung bereit zu finden. Jeder von uns muß ein freiwilliger Agitator für die gute Sache sein, dann werden wir mit Gottes Hilfe unser Ziel erreichen. (Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende spricht dem Referenten den Dank für seine interessanten Ausführungen aus und eröffnet die Diskussion. In derselben sprechen zunächst die Herren Bermann und Wundermann, die für ein engeres Zusammengehen mit den Zionisten eiutreten. Letzterer fragt, warum denn die Zionisten seitens der Ortho-

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