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Jüdische Korrespondenz · 1919-04-03 · 12 (3.4.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
12 (3.4.1919)
Date
1919-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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indische Korrespondenz Bezugspreis: GanzjährigK12,halbjährigK6, vierteljährig K 3. Ausland jährlich K 20. Einzelnummer 30 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag Nr. 12. Wien, 3. April 1919. V. Jahrgang. UächsteWoche erscheint eine Ueffach-Uuinmer der„AüdischenKorrespondenz"invergrößertem Umfange mit literarischen Beiträgen. Mit 1. April öegann ein nenes Vierteljahr. Wir ersuche» alt diejenige«, deren Abonnement zu Knde ist, dasselbe umgehend erneuern z« wollen. Kvenso belieben diejenigen, die mit der Uränumeratiou im Rückstände sind, dieselbe umgehend zu begleichen, damit in der Anwendung des ZZlattes keine Unterbrechung einträte. An unsere Leser in westgalizien. Z>a der Uostverkehr mit Westgalizien nunmehr wieder geöffnet ist, lassen wir de» dortigen Lesern das IZlatt weiter zugehen. Z>as Abonnement ist per Adresse: „Ludowa Kasa zaliczkowa" für „Jüdische Korrespondenz", Krakow, Gertrud« 9, zu senden und die Administration mirtels Uokkarte zn verständige«. Die „Orgelsrage" in Wim. Sollte es einer der diversen zurzeit in Wien weilenden ausländischen Studienkommissionen einfallen, ihre Aufmerksamkeit auch den Verhältnissen innerhalb unserer jüdischen Gemeinde zu widmen, sie würde sicherlich mit dem größten Erstaunen die Wahrnehmung machen, daß weite Kreise der Wiener Judenheit gegenwärtig auf den sonderbaren Einfall gekommen sind, sich mit der Orgelfrage so eingehend zu beschäftigen. Als das sogenannte Organisationskomitee, das von den Tempelvereinen eingesetzt wurde, es im vorigen Jahre für richtig gefunden hatte, die Orgelfrage anzuschneiden, zuckten Viele die Achseln und lächelten über den Versuch, ausgerechnet jetzt dieser Sache so viel Interesse zu widmen, wo doch weder die politische, noch-die wirtschaftliche Lage der Wiener Judenheit, ja nicht einmal die geistigen Zustände hiefür geeignet schienen. Man glaubte, es handle sich um ein Unterfangen, das an der Teilnahmslosigkeit der Oeffentlichkeit scheitern müßte. Es ist jedoch anders gekommen. Die „Frage" will von der „Tagesordnung" nicht verschwinden, Gelehrte und Rabbiner widmen derselben ihren ganzen Scharfsinn, breite Kreise diskutieren darüber, sie ist zum Kaffeehausgespräch — in Wien will das etwas sagen — geworden, und der Rabbiner des größten Wiener Teotpels fand sich veranlaßt, mit dem Rüstzeug großer Gelehrsamkeit auszumchschieren, um die Unzulässigkeit der Orgel beim jüdischen Gottesdienst nachzuweisen. Der Herr Rabbiner scheint aber seiner Sache dennoch nicht ganz sicher zu sein, denn am Schluffe seiner eingehenden Streiffchrift sieht er sich veranlaßt, einen Angstruf ertönen zu lassen und die Tempelmitglieder aufzurufen, sie mögen ihm dazu behilflich sein, das drohende Gespenst zu bannen.... So sonderbar die Sache auch anmuten mag, man sieht sich angesichts dieses Rummels veranlaßt, zu dem „Problem" Stellung zu nehmen, was aber in der möglichst kürzesten Form geschehen soll, da es wahrlich schade um Zeit und Raum ist, darüber viele Worte zu verlieren. Für den glaubenstreuen Juden exissiert die Frage längst nicht mehr. Alles, was dagegen zu sagen war, ist längst gesagt worden, und es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man all die bekannten Argumente wiederholen. Nur so viel soll an dieser Stelle betont werden: der hauptsächlichste Grund gegen die Orgel in den Tempeln liegt darin, daß die Benützung derselben am Samstag und an Feiertagen verboten ist. Selbst wenn die Orgel kein ausgesprochen kirchliches Instrument wäre, selbst wenn die Orgeltöne tatsächlich dazu geeignet sein sollten, die Weihe des Gottesdienstes zu heben, selbst wenn die vielfachen Momente, die sonst dagegen sprechen, nicht vorhanden wären: es ist ganz einfach unzulässig, in den Gotteshäusern etwas einzuführen, was im Sinne der religiösen Vorschriften verboten ist. Das Gotteshaus, mag es auch ein Fortschrittstempel sein, ist nicht dazu da, um die religiösen Vorschriften zu verletzen. Es wäre geradezu absurd, die Ausreden zu gebrauchen, es könnten ja Nichtjuden sein, die dabei Mitwirken. Auch dies ist unzulässig. Alle übrigen Motive müssen gegenüber diesem Argumente in den Hintergrund Zur Sache selbst mögen sich die Exponenten des Orgelgedankens gesagt sein lassen: Euer Unterfangen ist nicht bloß lächerlich angesichts der gegenwärttgen Verhältnisse, sondern entbehrt auch jeder sachlichen Begründung. Es ist eine Selbsttäuschung, annehmen zu wollen, die Orgel würde die Gotteshäuser wieder füllen und das religiöse Empfinden stärken. Wer Vorliebe hat für musikalische Produkttonen, der findet Befriedigung in den Konzertsälen. Ins Gotteshaus gehört bloß derjenige, der die Bestimmung desselben kennt und sich darnach richten will. Andernfalls mag er ruhig zu Hause bleiben, was er übrigens trotz der Orgel tun wird. Vielleicht wird der Reiz der Neuheit ein- oder zweimal gewisse Auch-Fuden in den Tempel führen — damit wird aber weder dem Judrntume^ noch. den-Tempeln, geholfen sein. „Meiner Hände Werke versinken ins Meer — und Ihr wollt Lobeshymnen anstimmen!" — Wir durchleben eine sehr ernste Zeit, wir haben eine düstere Gegenwart und eine unsichere Zukunft. Die Wiener Gemeinde geht einer Krise entgegen. Sollte der Zufluß aus den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie aufhören, dann wird Wien mit der Zeit aufhören, die größte Judengemeinde des Westens zu sein. Anstatt all den Fragen, die damit im Zusammenhangs stehen, die nötige Aufmerksamkeit zu widmen, werden Zeit und Energie zur Heraufbeschwörung und Bannung eines Gespenstes vergeudet, die für eine bessere Sache viel eher angebracht und viel mehr realen Nutzen bringen könnten. _ Veritas. Die palästinafrage. Der in unserer vorigen Nummer erwähnte Bericht der „Agence Havas" über die Verttegung der Entscheidung über das Schicksal Palästinas lautet folgendermaßen: Der „Temps" meldet, daß nach Anhörung des Generals Allenby beschlossen wurde, auf den amerikanischen Vorschlag, Ernennung einer interalliierten Kommission, die die Probleme in Syrien und Palästina wie auch in dem ganzen türkischen Asien an Ort und Stelle studieren soll, zurückzukommen. Infolge dieser Entscheidung kann die Erteilung der Mandate für die Gebiete des türkischen Asiens nicht vor der Rückkehr dieser Kommission, d. h. nicht vor einigen Monaten erfolgen. Der „Neuen Zürcher Zeitung" berichtet ihr italienischer S. Korrespondent: Von der italienischen Grenze, 23. März. Sowohl die Verteilung der kleinasiatischen Mandate, als die Einteilung der asiatischen Türkei in provisorische Besetzungsgebiete dürste durch den Beschluß des Rates der Zehn, eine interalliierte Studienkommission nach Kleinasien zu entsenden, auf unbestimmte Zeit verschoben worden sein. Der Beschluß, Kleinasien wie einen unbekannten Erdteil zu erforschen, ist, wie aus Pariser Informationen der Mailänder Blätter hervorgeht, nicht zuletzt auf die englisch-französische Rivalität zurückzuführen. Er bedeutet ein Kompromiß, mit dem sich die beiden Rivalen zuftieden geben, obwohl er jener Scheu vor bindenden Entschlüssen entsprang, der die Hauptschuld an der Verschleppung der Friedensverhandlungen beigemessen wird. England befürwortete die „Forschungsreise", weil vorläufig die seiner Politik günstige -Verteilung der militärischen Kräfte in Kleinasien erhalten bleibt. Während England die Gebiete von Konstanttnopel bis Koma, von Smyrna bis Bagdad und von Aleppo bis zur ägyptischen Grenze mit einem Netz von Garnisonen überzog, bestehen, wie der „Eorriere della Sera" mitteilt, die französischen Streitkräfte nur aus zwei Bataillonen algerischer Schützen, zwei Armenierbataillonen der Orientarmee, drei Schwadronen Spahis und zwei Batterien Artillerie. Abgesehen von Cilicien, Syrien und Palästina, liegt in der ganzen asiatischen Türkei die Verwaltung in den Händen englischer Beamter. Frankreich verfolgt diese britische Regsamkeit mit den Blicken des bedrohten Rivalen. In den jüngsten ägyptischen Unruhen erblickt es den Beweis, daß der von England geschaffene und geförderte Panarabismus nicht nur die französischen Rechte auf Syrien, sondern auch englisches Besitztum bedroht. Aber nicht einmal diese Gefahr vermochte England von seinem Programm abzubringen. Frankreich andererseits hatte Grund, die Vertagung definitiver Beschlüsse über Kleinasien zu unterstützen, weil ihm die Regelung der deutschen Grenzfragen näher liegt. Nachher wird es größere Bewegungsfreiheit. besitzen einem Verbündeten gegenüber, auf dessen Unterstützung es vorläufig angewiesen ist. Italien verspricht sich von der Vertagung insofern Vorteile, als dadurch vermutlich die Lösung der adriatischen Differenzen beschleunigt wird. Die italienische Presse begrüßt die Entsendung einer Studienkommission auch deshalb, weil sie über den Wert eines allfällig zu übertragenden anatolischen Mandates zuverlässige Informationen zu erhalten hofft. Ein Pariser Korrespondent schreibt dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag: „Ich hatte Gelegenheit, eine Karte zu sehen, worauf die Regelung der Palästinafrage — wie Frankreich sie wünscht — durch den Direktor des Kabinetts des ftanzösischen Auswärtigen Amtes, das die Syrien- und Palästinafrage behandelt, angegeben war. Auf dieser Karte sind die Gebiete, die eventuell den Juden zugewiesen werden, blau angezeichnet. Die Nordgrenze teilt Galiläa in zwei Teile, die Ostgrenze folgt dem Jordantal, die Südgrenze läuft nördlich Hebrons, während die Küste die Westgrenze bildet. Dieser kleine Landesteil könnte den Juden abgegeben werden, und dies auch nur unter dem Protektorat Englands, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und Italiens." Das ist alles, was Frankreich den Juden überlassen will.. .. Die Woche. Versammlung der Delegierten der orthodoxen Bethäuser. Ueber Einladung der „Adas Jisroel" (Schiffschul) fand Sonntag nachmittags eine Versammlung der Delegierten der orthodoxen Bethäuser in Wien statt, welche sehr zahlreich beschickt war. Die Tagesordnung umfaßte: a) die Mazzothfrage, b) die orthodoxe Weltkonferenz in Zürich, e) Organisattonsfragen. Nachdem Vizepräsident Dr. Reiniger die Versammelten begrüßte und die Bedeutung der auf der Tagesordnung stehenden Punkte hervorhob, referierte Herr Lettner über die Mazzothftage. Der Referent schilderte eingehend die Schwierigkeiten,

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