Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 8-9 (13.3.1919)
- Date
- 1919-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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]Odisclie Korrespondenz Ganzjähng^rSrigKe, viertel-1 Wochenblatt für jüdischeInteressen. iährigK3. Ausland jährlich K 20. i Redakteur: Jonas Kreppel. Einzelnummer 30 Heller. | Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraöe 55. Erscheint jeden Donnerstag, Np. 8/9. Wien, 13. IH5p* 1919. ¥. Jahrgang. Die Weükonferenz 6er GrtHoboxie. (Zürich, 19. bis 26. Februar 1919.) Die Welrkonserenz der orthodoxen Verbände hat statlgesnnden. Ihre Beschlüsse liegen vor und die Öeffentlichkeit hat die Möglichkeit, das Resultat einer ganzwöchentlichen intensiven Arbeit zu bewerten. Ohne'diesem Urteil vorgreisen zu wollen, mag gesagt sein, daß die glaubenstreue Judenheit und all diejenigen, die Herz und Sinn für das unverfälschte Judentum besitzen, allen Grund zur Zufriedenheit haben. Schon die Abhaltung dieser ersten allweltlichen Konferenz während des noch andauernden Kriegszustandes ist eine Tat von großer Tragweite. Die so viel verlästerte jüdische Solidarität hat wieder einmal ihre feierlichste Dokumentierung erfahren. Auch der Umstand, daß es rrotz aller auch im Lager der Orthodoxie unleugbar vorhandenen Meinungsverschiedenheiten gelungen ist, hinsichtlich aller wichtigen Fragen Uebereinstimmung, ja fast Einstimmigkeit zu erzielen, kann nicht hoch genug bewertet werden. Die Orthodoxie ist aus ihrem bisherigen engen Rahmen hinausgetreten und sowohl die jüdische wie die nichtjüdische Öeffentlichkeit wird von nun an mit dieser Tatsache zu rechnen haben. Ernst und würdig war der Verlaus der Beratungen, sachlich die Diskussion und die Beschlüsse bewegen sich vornehmlich im Rahmen der Realisierbarkeit. . Es ist nicht viel zum Fenster hinausgesprochen tvorden. Jede Ueberschwenglichkeit wurde vermieden. Die Orthodoxie will sich keinen Illusionen hingeben und sie will auch keine Illusionen erwecken. Die große Tragweite der politischen Tagesprobleme erkennend, wollte die Konferenz keineswegs die Bedeutung jener innerjüdischen Fragen verkennen, die, von allen äußeren Einflüssen unabhängig, im eigenen Wirkungskreise gelöst werden können und müssen. Das, was das Judentum bisher erhalten hat und ihm Lebenskraft verlieh, soll auch weiter gewahrt und gepflegt werden. Unter der Fahne der Thora soll die Judenheit einer besseren Zukunst entgegengehen. Die Grundlage für eine intensive praktische Arbeit ist nun vorhanden. Sache derjenigen, die die Konferenz beschickt haben, ist es nun, dafür zu sorgen, daß ans dieser Grundlage jener herrliche Bau aufgcführt werde, den alle Gutgesinnten so sehnlichst herbeiwünschen. Die Konferenz. (Speziälbericht der „Jüdischen Korrespondenz".) Zur Konferenz waren etwa 120 Delegierte aus 14 Ländern angemeldet, von welchen zirka 100 erschienen sind. Die Delegierten aus Polen konnten infolge der Verkehrsunterbindung nicht erscheinen, die Delegierten aus England erhielten die Ausreisebewilligung zu spät und konnten nicht rechtzeitig eintreffen, ebenso sind die Delegierten aus Nordamerika und Aegypten in der Mitte des Weges stecken geblieben. Insgesamt waren etwa 45 orthodoxe Verbände vertreten, unter anderen: Provisorisches Komitee des Agudas Jisroel, der orthodoxe und der tradisionell-gesetzestreue Rabbinerverband Deutschlands, Sinai Prag, Sinai London, orthodoxer Rabbinerverband Englands, Rabbinerverband Italiens, Waad Hair Jeruscholaim, Landesverband der Agudas Jisroel Palästina, Schlaume Emune Jisrael Polen, Machsike Hadas Dänemark, Agudas Jisroel Dänemark, Agudas Jisroel Belgien, Oberrabbinerverband Holland, Pekidim und Amarkadim Holland, Orthodoxe Landeskanzlei Ungarn, Oberrabbinate Kowno, Grodno und Telcz, Agudas Jisroel Litauen, Galizisch-Bukowiner Rabbinerverband, Orthodoxe Organisation Wien, Admas Kodesch Wien, Orthodoxer Rabbinerverband Amerika, Orthodoxe Organisation Achdus Jisrael Ukraine, Bureau des allweltlichen Rabbinerverbandes mit Sitz in Kairo, Degel Jeruscholaim London usw. Von den zur Konferenz erschienenen Persönlichkeiten sind besonders zu erwähnen: Rabbiner Doktor Breuer (Frankfurt a. M.), Oberrabbiner Schapiro (Kowno), Oberrabbiner Schuster (Sokolka), Oberrabbiner Prof. Margulies (Florenz), Oberrabbiner Dr. Winkler (Kopenhagen), Oberrabbiner Tal (Utrecht), Oberrabbiner Sacerdotti (Rom), Oberrabbiner Dr. Disegni (Verona), Präsident der orthodoxen Landeskanzlei in Ungarn Adolf Frankl (Budapest), Rabbiner I. Horowitz (Jerusalem), Rabbiner Dr. Kohn (Basel), Rabbiner Dr. Weil (Buxtviller), Oberrabbiner Horowitz (Bohorodczany), Rabbiner Leiter (Dunajöw), Oberrabbiner Fuchs (Großwardein), Rabbiner Rochenberg (Scheveningen), die Rabbiner Dr. Munk und Dr. Hildesheimer (Berlin), ferner Deutsch (Wien), Pappenheim (Wien), Holländer (Kopenhagen), Dr. Nathan Birnbaum (Wien), Akiba Schreiber (Bukowina),. Rabbiner Groß (Jerusalem), Rabbiner Dr. Unna (Mannheim), Jakob Rosenheim (Frankflirt a. M.),, Rechtsanwalt Dr. Horowitz -(Frankfurt a. M.), Mannasewitz (Bialystock), Spira (Scheveningen), Feuchtwanger (München), Bauminger (Krakau), Grünbaum (Nürnberg), Hornstein (Kiew), Schwarz (Basel), Direktor Dr. Lange (Frankfurt a. Di.), Jakob S. Posen (Frankfurt a. M.), Stopnitzky (Scheveningen), S. Pines (Minsk), David Kahan «Basel». Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), Rabbiner Dr. Bambergec (Hanau), Dr. med. Hoffman» Berlin), M. Kohen «Köln), Dr. med. Lieben (Prag), Rechtsanwalt Dr. Breuer (Frankfurt a. M.), A. v. Freudiger (Budapest), Rabbiner Dr. Breuer (Aschaffenburg), Dav. Klein und Ladislaus Friedmann (Nagyvarad), Löb (Berlin), Wreschner (Frankfurt a. M.), N. Sternbuch (Basel), Rabbiner Kornfein (Zürich), E. Botfchko (Basel), Jos. Brandeis (Zürich), Dr. P. Cohn (Ansbach), S. Cohn (Wien), Dr. Markus Cohn (Basel). S. Ehrmann (Basel), Sally Guggenheim (Basel), Jakob Gut (Zürich), Gordon (Bialystock), Dr. H. Hirsch (Hamburg), W. Jakobsvhn (Zürich), Louis Kahn (Frankfurt a. Bi.), Rabbiner Krauß (Baden), Moses Leiter (Zürich), Lazar Landau (Grodno), Max Mannes (Zürich), Charles Nordmann (Basel), Dr. I. Simon (Heidelberg), Leop. Schwab (Frankflirt), I. Schwarz (Prag), Felix Strauß (Frankfurt). Die Konferenz fand im Hotel Bellevue statt, wo auch Zimmer für die meisten Delegierten belegt wurden. Dortselbst war auch eine streng rituelle Küche eingerichtet, sowie ein Jnformationsbureau, ein Preßbureau usw. Die Jugendgruppen der „Agudas Jisroel". in der Schweiz besorgten den Kanzlei- und den Ordnerdienst, wobei sich besonders die.Herren Rothschild, Schterenbuch, Löwenstein und andere, sowie die Frl. Löwenstein, Rothschild und Dreyfuß hervorgetan haben. Auch die Tätige keit der Herren Eiß, Mannes und anderer verdient besonders hervorgehoben zu werden. Sämtliche Ankündigungen und Verlautbarungen der Konferenz waren dreisprachig: hebräisch, deutsch und jiidisch. Die Tagesordnung umfaßte folgende Punkte: 1. Eröffnung. 2. Wahl des Bureaus und der Ausschüsse. 3. Thaura und zeitgenössiche Judenheit. 4. Palästinaarbeit: a) die innere Verfassung der jüdischen Siedlung in Palästina, b) die religiöskulturellen Aufgaben in Palästina und ihre Ausführung. c) die wirtschaftlichen Aufgaben in Palästina, d) die Organisation der Palästinaarbeit in der Diaspora. 5. Die Vertretung der thoratreuen Judenheit auf dem Friedenskongresse. 6. Die Organisation der gesetzestreuen Judenheit. 7. Die Rechtsstellung der Juden in der Diaspora. 8. Die Emigrationsflage. Der Begrüßungsaöend. Die Weltkonferenz wurde am Mittwoch, den 19. Februar, abends, durch einen feierlichen Begrüßungsabend im großen Saale desKonservatoriums eröffnet. Die Versammlung bot ein imposantes Bild. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und Hunderte konnten keinen Einlaß mehr finden. Die Begrüßungsreden wurden in verschiedenen Sprachen gehalten. Der Vorsitzende des Zentralbureaus der Agudas Jisroel, Rabbiner Dr. Löwenstein, Zürich, eröffnete und leitete die Versammlung. In ergreifenden Worten wies er auf die große Bedeutung der Konferenz hin. Er begrüßte zuerst die erschienenen Geaunei Hadaur, Tauffei Hatauroh, Anschei Hascheim, die aus allen Weltrichtungen herbeigceilt sind, um der heutigen Versammlung und den bevorstehenden Konferenzsitzungen den hehren Glanz der Thaurowissenschaft zu verleihen. Er schildert die bisherige Leidensgeschichte des Volkes Jisrael und schloß mit der Hoffnung, .daß diese Tagung dazu beitragen wird, die Rechte des Judentuins und seiner heiligen Thauroh zu neuem Glanze zu verhelfen. Der Oberrabbiner von Kowuo, Schapiro, ergreift namens der litauischen Chareidim das Wort in jidischer Sprache. Die Chareidim, die unbedingt die Mehrheit der litauischen Juden bilden, begrüßen die Konferenz, die die orthodoxe Judenheit der Welt vertritt und wünschen ihr gedeihliche Arbeit zum Wohle der jüdischen Gesamtheit, da. wie er ausführte, die Orthodoxen keine Partei) sondern den hauptsächlichsten Bestandteil des jüdischen Volkes bilden und also keine Parteiarbeit, sondern Volksarbeit leisten wollen. Unser ganzes Volk war, ist und bleibt stets ungeteilt. Rabbiner A. Kornfein hält eine Ansprache namens der Züricher Religionsgesellschast und weist darauf hin, von welcher Sehnsucht die Gemeinde und mit ihr Hunderttausende in Jisroel ergriffen sind, um von den Beschlüssen dieser historischen Weltkonferenz die so notwendig gewordene präzisierte Stellungnahme des thoratreuen Judentums zu den brennendsten und die Gesamtjudenheit bewegenden Fragen des jüdischen Volkes und seiner Zukunft zu vernehmen. Rabbiner Dr. Cohn (Basel) begrüßte die Konferenz im Namen des schweizerischen Zentral- Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz. Schon die alten Völker konnten nicht genug die Lebenskraft anstaunen, die unserem Volke innewohnte. Die Weisen Athens flagten uns: Wie kann man ein Haus in der Lust bauen, das heißt, wie kann ein Volk ohne Land leben? Wir haben diese Kunst verstanden. Die Assimilation lauert uns auf allen Gassen auf und Frömmigkeit wird als Rückständigkeit bezeichnet und dennoch gibt es nur ein Judentum, das der Thora und der