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Jüdische Korrespondenz · 1919-02-13 · 7 (13.2.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
7 (13.2.1919)
Date
1919-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Bezugspreis: Ganzj ährig K12, halbj ährig K 6, vierteljährig K 3. Ausland jährlich K 20. Einzelnummer 30 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraöe 55. Erscheint jeden Donnerstag r. 7. Wien, 13.. Februar 1919. V.Jahrgang« Tanz um die Seele der Orthodoxie. Man sollte annehmen, das lebhafte Interesse, welches seitens der Orthodoxie in letzter Zeit der Palästinasache gewidmet wird, müßte seitens der Zionisten mit großer Genugtuung begrüßt werden. Es ist Ja klar, daß dieses Interesse der Sache des jüdischen Volkes nur zum Vorteil gereichen werde. Die glaubenstreue Judenheit vertritt allerdings den Standpunkt, auch bisher für Palästina sehr viel geleistet zu haben, sie zeigt auch keine Lust, chre bisherige Arbeit im heiligen Lande und > für dasselbe einzustellen oder auch nur einschränken zu - wollen. Nach wie vor will sie für diejenigen sorgen, die nach dem Lande unserer Väter wallfahren, um dort ihr Leben in Thauro und Awaudo verbringen zu können, nach wie vor soll die traditionelle Rabbi.Maier-Bal-Haneß-Aktion in vollstem Maße fortgesetzt werden, in dri: Ueberzeugung, diese Aktion sei im Interesse des Judentums notwendig, und dgß es eben der alte Jischub war,-der die Entstehung des neuen ermöglichte. Immerhin ist man heute im Lager der Orthodoxie entschlossen, aus der Entwicklung der Dinge, wie sie die Kriegsereignisse mit sich gebracht haben, die. Schlußfolgerungen zu ziehen und auch dem neuen Jischub, die Besiedelung des Landes durch Juden, die Förderung der Kolonisation, des Handels und der Industrie,'sowie die Schaffung, eines geistigen Zentrums im Lande . unsererVäterensatick-zu betreiben.. Dies .müßte. unter allen Umständen jenem. Gedänkenuno jenen Aspirationen, in deren Namen der Moderne Zionismus auftritt und wirkt, nur zugute kommen und der. gesunde Verstand sollte es diktieren, daß diese sagenlvir ersten Gehversuche der Orthodoxie in der Palästinasache seitens der Zionisten nur mit Freude ' begrüßt werden müßten. Entgegen . allen Erwartungen sind ..wir aber Zeugen einer höchst grotesken Erscheinung:,.man ist im zionistischen Lager, überaus.n e r v ö s.geworden und setzt alle. Hebel.in Bewegung,, um die ruhige Entwicklung innerhalb der Orthodoxie hinsichtlich derKolonisation Palästinas zu stören.-. Denn anders kann das ,,gewaltige Bestreben,, die glaubenstreue Judenheit von. jedem selbständigen. Vorgehen , abzu- Men und . ins zionistische Fahrwasser .--hineinzuziehen, nicht.,gedeutet.und bewertet.werden..Wer' die'Verhältnisse im. Lager, der. Orthodoxie, näher kennt, der weiß, daß..nun..einmal diese, gegenüber den. Zionisten ein ernstes. Mißtrauen hegt Md auch zu /allerhand Bedenken, und Befürchtungen Grund genug-hat. Es ist,absolut.ausgeschlossen, daß.sich das Gros. der. Orthodoxie entschließen. könnte,., mit fliegenden'Fahnen und klingendem Spiel ins , zionistische Lager überzugehen. Dazu, sind die Gegensätze, die nun einmal vorhanden .sind, denn doch zu tief.' Die" Folge eines. Anschlusses, wäre., nur. das weitere. Abseitsstehen der breiten orthodoxen Massen, die Opposition derjmigen, die -es mit der Sache des unverfälschten Judentums ernst meinen Der Gewinn, den der Zionismus damit erreichen wird, wäre minimal. Das hätten, die Herren schon daraus ersehen können, daß der, bisherige..Anschluß gewisser orthodoxer.Ejgenbrödler ihnen und der.Sache wenig Nutzen gebracht. Hat- Nur ein gesondertes Vorgehen der' Orthodoxie' hinsichtlich, deriPalästinasache,, im Sinne der eigenen Auffassungen. und.im Geiste.der Thorck könnte von Erfolg ,begleitetjejn...Man.sollte demnach im zionistischen Lager olles Jntexesse.dqran haben,' die' Lutwicklung. nicht, zu. stören. Tut.Man es.deynoch, dann.müß.man sich..den,Vorwurf. gefallen taffen,; es, gehe, nicht so, sehr um dieHagqda, als,.um die' Knödel"'Man möchte..die.Orthodoxie justament, .ins .xigene Lager hineinziehen, Md!,Gehst Du nicht willig, dann brauche ich Gewalt!" — Man will das Eisen schmieden, solange es heiß ist und die ersten Schritte der glaubenstreuen Judenheit dazu benützen, um das eigene Lager zu vergrößern und das Aufkommen jeder „Konkurrenz" zu verhüten. An dieser Stelle sind wiederholt die Gründe'auseinandergesetzt morden, die gegen das Eintreten der Orthodoxie in das zionistische Lager sprechen, daß auch in der Palästinasache nur ein Nebeneinander und nicht ein Miteinander geboten und möglich sei. Wenn wir heute dieses Thema noch einmal behandeln, so fühlen wir uns hiezu durch.das jüngste Vorgehen der Zionisten in Wien und in Berlin veranlaßt, die den Eindruck erwecken, das Interesse der Orthodoxie für Palästina sei ihnen nicht bequem, außer, wenn es gelänge, dieselbe dem zionistischen Kommando unterzuordnen und vor den zionistischen Triumphwagen zu spannen. Die Dinge in Deutschland wollen wir vorläufig nicht näher erörtern, aber über das. was in Wien geschieht, geziemt sich ein ernstes Wort. An anderer Stelle finden hie Leser einen kurzen Bericht über den Verlauf einer Versammlung, die dazu bestimmt war, die Orthodoxie für den Zionismus zu kaptteren. Der Wiener Oberrabbiner Dr. Chajes: hat es übernommen, die Orthodoxie für die zionistische Partei zu gewinnen. .Wir, wollen die Autorität des Dr. Chajes im Lager seiner Anhänger unangetastet lassen, aber er .mag es.sich gesagt sein .kaffen, daß die Orihodoxie Msig^M^Evo^^^ens^^^ehrenUtJi^E Das,, was der Herr Öberrabbiner in seiner Montagrede vorgehracht hat, läßt sich am besten mit dem bekannten Satz charakterisieren: „Das Gute war nicht neu. das Neue war nicht gut!" Es heißt offene Türen einrennen, will man der glaubenstreuen Judenheit den Beweis erbringen, wie wichtig der Jischub-Erez-Jisroel -ist , Md wie dringend, die Förderung einer solchen Aktion geboten sei..All die Aussprüche der Talmudweisen (sichraunom liwrocho), des Ramban und des Raben« Tam. psw. sindhin- .Anglich -bekannt. Mer ebensowenig wie jemals, wird. und. kann sich die Orthodoxie dazu entschließen, ihre Grundsätze! aufzugeben und darauf zu verzichten, daß der Jischub in ,Erez-Jffroel a l taharat hakguhesch jein. muß,, und daß dies, nur dann möglich.sei, wenu die Orthodoxie ihre Selbständigkeit bewahrt und, sich keinen fremden Einflüssen .aussetzt. Daß.dies notwendig ist,, beweist ja die. Entwicklung innerhalb des Zionismus. Warum mußte eigentlich der „Misrachi" als besondere Föderation gebildet. werden, warum mußte jüngst unter , der Patronanz.,und der Aegide der Ziorststenwieder eine..besondere „orthodoxe" Jischub-Erez-Jisroel- Mion,. respektive Organisation, ins Leben gerufen werden? Warum gehören die. Misrachisten,. und ihre.jüngsten. Nachahmer nicht aanz einfach der zionistischen Organisation „ an?..Weil es eben..im Jvdentume so .viel Nuancen gibt, und auch innerhalb des glaubenstreuen Lagers. Es. kann fromme Juden,gehen, für -ie„ der Misrachi Mt .geyugjist, andere Vyflen .schoy. den Jischuh-Erez-Jrsroel haben, und-,wieder änderen. ist nicht .einmal dieser gut genug,..sondern.sie w.yllssnjhre Selbständigkeit, pyll undHanz wahren. „ Wer Dagegen. remonstriert, her verkennt die innerhalb des Judentums.vorhandenen Strömungen, wer aber unter, falscher Flagge jegxln will, urn-Seelenftzugerei zu.;betreiben, der.begeht einen .schweren,Fehler und setzt sich und die S nachteiligen'. Folgen aus. Denn nichts.anderes,., als unter.ialscher,Flagge segeln, .auf die,Tä.ufchnng der öffentlichen Meinung loAgehen, ..bedeutet.,das Arrangement, dieser ,Versammlung. wenn man zwei Herren, hinter,.welchen niemand steht, vorschiebt, um den Eindruck zu erwecken, es sei dies Wiener Orthodoxie, die dabei ist, weil diese beiden Herren zufällig Betsitzinhaber in der Schiffschul sind. Nichts anderes, als die Oeffentlichkeit irrezuführen, bedeutet die Taktik, gleichzeitig in dasselbeLokal eine Wählerversammlung einzuberufeu,um eine recht große Zahl „verläßlicher" Zuhörer herbeizulocken, die dann die Claque abzugeben hätte, wonach man sich darauf berufen könnte, eine „Massenversammlung" habe den offiziellen Rednern zugestimmt und dieses oder jenes mit erdrückender Majorität beschloffen. Tatsächlich war der Saal zu zwei Dritteln von der Jugend beiderlei Geschlechtes besetzt, die kaum dazu berufen ist, über die Frage: Orthodoxie oder Zionismus, zu entscheiden, wogegen man gleich zu Beginn der Versammlung alle Eingänge hermettsch abgesperrt hat und das eigentliche koinpetente Publikum nicht hineinließ, obwohl im Saale noch genug freier Raum vorhanden war — man wollte eben das „unverläßliche" Element so wenig als möglich drinnen haben. Dieser Taktik entsprang auch das Verhalten, entgegen der feierlichsten Zusicherung des Vorsitzenden, den Wortführern der Orthodoxie gleich nach der Rede des Oberrabbiners das Wort zu erteilen, zuerst einen weiteren „verläßlichen" Redner 'zu Worte kommen zu lassen, dessen Ausfichrungen geradezu provozierend wirtten. Wohl wissend, die.Loyalität verletzt zu haben, waren die Herren Arrangeure auch furchtbar nervös und . als irgend. ein Zwischenruf ertönte, da ging der sicheriM früher, verabredete Spekstckel. los,, man drängte die emgekadenen Vertreter der Orthodoxie von der Tribüne und aus dem Saale mit der Ausrede, sie. wollten die Tribüne stürmen, und als der Lärm infolgedessen denn doch zu arg wurde, da beeilte man.sich,, die Versammlung als geschlossen zu. erklären, um behaupten zu können, die „Schiffschul" (?) hätte die Versammlung gesprengt — in Wirklichkeit handelte es sich den Herren darum, die Lorbeeren, die der erste Redner geerntet hat, einzuheimsen und zur eigenen Sache, zu den-Wahlen, überzugehen. Dasalles ist entschieden Seelenfängerei, das bedeutet ein Segeln unter falscher Flagge, eine Takttk, die weder.Ehre, noch Nutzen bringen kann. Die glaubenstreue Judenschaft; ist reif genug, um den Herren, nicht auf den Leim zu gehen. Sie weiß, was sie sich selbst und ihren Idealen schuldig ist und wird sich keineswegs in ihrem Verhalten irre machen. lassen. Die Herren Zionisten mögen sich, noch jo sehr ihrer Erfolge rühmen und behaupten, .hie Orthodoxie würde bei einem, selbständigen Vorgehen nichts erreichen. Beweis: die Zionisten hatten bisher so. große Erfolge aufzuweisen, , wogegen die Orthodoxie zur tatkräftigen Arbeit unfähig sei. Diese Behauptung ist aber arundfqlsch. In den 20 Jahren ihrer Arbeit haben die Zionisten fast nichts Reales geleistet. Mit den Fonds, die sie zusammengebracht, könnte man nicht einmal, .500 Familien.. in, Palästina ansiedeln. Die Krsegsereignisse. haben. die günstige,Konjunktur. für die, Palässiuasache geschaffen.. Wenn 'man auch die Verdienste der Ziyuisten um die Propagierung des Gedankens uicht jchmälern darf, so haben sie jein Recht, die, heutige Konjunktur ganz, auf ihr. Konto zn buchen! Heute, da diese Konjunktur mm einmal da ist, wird, die Orthodoxie ebenfalls in der Lage sein, Großes, .zu seiften!. Zumindest sollte man ihre Arbeit nicht stören. .Auch die Anfänge der zionistischen Organisation waren, recht bescheiden, und es bedurfte jahrelanger Arbeit,,hevor.man.es zu.etwas, bringen konnte. Wenn die Organisation der Orthodoxie 2<),Arbeitsjahre,hinter sich haben, wird, dann wird eS Zeit . sein für!, eine Auseinandersetzung, , für.. ein „lechu nu wepiwoch'chu!“ - .Nach lyrtgem Zögern — es...mag,„offen eingestanden werden — hat sich die Orthodoxie jus Arbeit aufgerafft, die außerhalb der vier EllewH«

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