Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 5 (30.1.1919)
- Date
- 1919-01-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdische Korrespondenz. Nr. 5 Palästina. Ein Unterschied, den das Komitee aushebt in den allumfassenden „Syrien". Aus der Rede Pichons und aus den französischen Zeitungen geht hervor, der gegenwärtige Zweck der französischen Politik gehe dahin, Palästina den Engländern zu konzedieren und all den Rest, wie den weiteren Norden, Cilicia inklusive Damaskus und Alleppo, für Frankreich zu nehmen. Dies involviert eine beträchtliche Modifikation der geheimen Abmachung von 1916. Dieser Vertrag sah einen arabischen Staat vor, oder einen Gürtel von arabischen Staaten, der sich von Hedjaz über Damaskus nach Aleppo erstrecken und einen Pusier zwischen der britischen und französichen Einflußsphäre bilden sollte. Der Wechsel, augenscheinlich vorgesehen durch das französische Auswärtige Amt, ist, so will es scheinen, ein Wechsel auf Koste» des arabischen Staates. Es wäre gut, daß das französiche Auswärtige Amt rinsehe, daß die geheime Abmachung von 1916 nicht aufrecht bleiben kann. Aber die französische Diplomatie müßte noch viel weiter gehen, wenn sie ihren Frieden im Geiste der Zeit machen will. Die Neuordnung darf nicht «in neuer diplomatischer Handel sein, sondern ein Arrangement, das der jüdischen, arabischen und armenischen Nation Gerechtigkeit angedeihen läßt. I. P. Z. Talmud und Judentum. Don Rabbiner Samson Raphael Hirsch.* ... In der Tat, daS Judentum, wie eS in der welthistorischen Erscheinung des jüdischen Volkes verkörpert ist, und wie es in geistigen und sittlichen Fähigkeiten und fügenden zu Tage tritt, die ihm selbst seine Feinde nicht abzustreiten wagen, ist durch und durch ein Produkt der talmudischen Lehre und der von ihr geleiteten und gepflegten Erziehung, und Bildung: Das. bewußtvolle Wandeln durch allen Wechsel der Zeiten und der Geschicke, ^das geduldige und vertraurnsmutige Ausharren in den herbsten und prüfungsvollsten Leiden, die opferfreudige Kraft der Ueberzeugungstreue, die sich wohl niederwerfen, aber nicht brechen, beugen, ober nicht knicken, hinschlachten, aber nicht zum Abfall verleiten läßt: daS Pflichtgefühl, das Gehorsam und Treue für Fürst und Obrigkeit. Wohlwollen und Wohltun für Mitbevölkerungen bereit hält und betätigt, ohne Rücksicht auf das größere oder geringere Maß von Wohlwollen, Gerechtigkeit und Menschlichkeit oder deren Gegenteil, besten es sich selber in Mitte der Bevölkerungen zu erfreuen hat, also, daß das jüdische Volk von je Mißbandlungen und Ausschreitungen erduldet, ohne sich selber zu rächenden Ausschreitungen hinreißen zu lasten, und bei allen Staaten erschütternden Ereignissen immer mit Festigkeit und Treue aus Seite der Obrigkeit gestanden: das geistige Jntereste und die geistige Begabung, die von je die Glieder des jüdischen Volkes kennzeichneten, und ohne Anteil an staatlicher Fürsorge, ja unter nichtachtender staatlicher Verkümmerung, tm eigenen Kreise und aus eigener Mitte eine solche hingebende Pflege und Nahrung gefunden, daß, als ihm aus der aufgezwungenen Zurückgezogenheit, unter der Gunst der Neuzeit in das Licht der Oeffentlichkeit hinzuzutreten vergönnt war, es unerwartet in vollendeter geistiger Ebenbürtigkeit den anderen Staatsgenosten zur Seite stand; die persönlichen Tugenden der Mäßigkeit, des Fleißes, der Wohltätigkeit, der Sparsamkeit und gleichzeitig der Freigebigkeit, wo es Zwecken der Humanität, der öffentlichen Wohlfahrt und Bildung gilt; die Tugenden der Sittlichkeit die denn doch noch heute in der Liste der groben Verbrechen gegen Leben, Keuschheit und Eigentum, jüdische Namen zu den Seltenheiten zählen läßt; die Tugenden des Familienlebens, das glückliche Verhältnis der Ehe, der Eltern zu den Kindern, der Kinder zu den Eltern und der Geschwister unter einander; das Gemeindelebcn, das immer auf bereitwillige Opferfreudigkeit seiner Glieder wie auf uneigennützige Hingebungstreue seiner Verwalter rechnen konnte; alle diese Durchschnitts-Eigentümlichkeiten des jüdischen Charakters, die demselben gewiß nicht zur Unehre gereichen, und die so sehr zu Tage treten, daß selbst Feinde der jüdischen Nation nicht umhin können, sie ihr zuzugestehen, hat lediglich der Talmud geschaffen, so sehr, daß seitdem die Neuzeit sich mehr und minder dem Talmud entfremdet hat. dies auch bereits in der Abnahme einiger dieser Eigentümlichkeiten zu bemerken ist. (Bemerkenswert ist. daß auch der bekannte christliche Theologe Profestor Strack die Bedeutung des Talmud ähnlich bewertet.) _ Rundschau. (Rumänische Drohungen.) Der Antisemitismus in Rumänien wächst nach einer soeben cingegangenen Meldung aus Budapest andauernd. Den Führern der rumänischen Judcnbewegung, die von Bratianu empfangen wurden, wurde sofortige Verhaftung angedroht, falls sie die Agitation für die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien fortsctzen sollten. Die rumänische Regierung fordert eine ausdrückliche schriftliche Verpflichtung der Juden, jede Agitation in jüdischen Angelegenheiten bis zur Beendigung der Friedenskonferenz ruhen zu laifen. In südlichen Kreisen ist man überzeugt, daß die rumänische Negierung, vor allem Bratianu, eine Hebung der Lage der Juden durch die Friedenskonferenz befürchtet. (Die Bucharer Gemeinde.) Die Bucharer Gemeinde Jerusalems, die bekanntlich stets zu dem reichsten Teile der Jerusalemer Judenhcit gezählt wurde, hatte unter den Nöten der Kricgszeit am schwersten zu * Aus der Schrift des berühmten Gelehrten (sichisunaii lnvrocho): „Die Beziehung des Talmud zum Judentum" leiden. Während des OttomanisierungszwangeS verließen die meisten Bucharer Juden Jerusalem und begaben sich nach Aegypten und Rußland. Von den 1500 Bucharer Juden blieben nur 800 Personen übrig, zumeist Frauen, Kinder und Greise. Die Wohnungen der Bucharaer, die schönsten Räume Jerusalems, wurden von den türkischen Behörden zu militärischen Zwecken requiriert. Besonders groß war die Zahl der Seuchenopfer unter den Mitgliedern der Gemeinde. Die Palästinakommission befaßte sich mit der Frage der Hebung der wirtschaftlichen Lage der ruinierten Bucharer Juden und hat ihnen vorläufig «in Darlehen von 4M Pfd. St. monatlich zur Verfügung gestellt. (Bankett für „Emir Feisal.") Zionistische Blätter veröffentlichen folgende „wichtige" Nachricht: Zu Ehren des in England eingetroffenen „Emirs" Feisal, des Sohnes des „Königs" von Hedjas, arrangierte Lord Rothschild ein Bankett für ihn und sein diplomatisches Gefolge. Hiebei waren u. a. anwesend Lord Milner, Robert Cecil. Graf Creme. Herbert Samuel und mehrere zionistische Führer. Es wurden warme Reden zugunsten des Zionismus gehalten. Dr. Weizmann steht in enger Verbindung mit dem Emir. * (Chinesische Judenkolonie in Palästina.) Chinesische Juden beschloffen, eine besondere Kolonie in Palästina zu gründen. Herr Kadoorie hat zu diesem Zweck dem Jewish Colonial Trust bereits 50.000 Pfd. überwiesen. (Die polnische Regierung und die nationale Autonomie der Juden.) Das Bureau des polnischen Ministerpräsidiums wandte sich an daS Zentralkomitee der Zionistischen Partei wie auch an die jüdische Volkspari« mit der Bitte, ehestens in allen Einzelheiten auSgearbeitete Programme der national-kulturellen Autonomie der jüdischen Bevölkerung Polens vorzulegen. Diese Bitte wurde mit der Notwendigkeit, Material für das Projekt der Konstitution der polnischen Volksrepublik zu sammeln, motiviert. Erwähnte Parteien sind bereits an die gründliche und genaue Formulierung ihres Standpunktes in der Frage der Autonomie herangetretrn. Notiz. Wir erlauben uns hiemit, unsere geehrten Leser auf das in unserer heutigen Nummer eingeschaltete Inserat der Firma Wilhelm Kohn, Gas- und Wasterlcitungs- Jnstallateur. IL, Stephaniestraße 6, Hammer-Purgstallgaffe 1, aufmerksam zu machen. Herr Kohn, der nach zweijährigem Militärdienst die Leitung seiner Firma wieder übernommen hat. verdient die wärmste Förderung besonders seitens der glaubenstreuen Juden, da er einer der wenigen Installateure ist. die strenge Sabbat- und Feiertagsruhe bewahren. Der Baalschem von Lhelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von C h a i m Bloch, Delalyn. tForiscyung.» 2. Kavvi ßtie erschafft den Kokem. Es dürfte gegen Mitternacht gewesen sein. Rabbi Elie weckte seinen Jünger Simche'), vertraute ihm heimlich alles Dorhergegangene und den reifgewordenen Entschluß, den Golem zu erschaffen. Er sprach: „Aus unserem Willen heraus, mit der Gewalt unserer Absicht, sollen wir einen Menschen aus Lehm formen und ihm Leben geben. Seine Aufgabe wird es sein, an die Türen der Gefängnisse zu rütteln, sobald ein Jude unschuldig eingesperrt wird, in Schlaffer und Paläste der Edellcute sich einzuschleichen, um ihre. Ratschlüsse über Juden zu belauschen, in ihre Gemächer einzudringen, um entführte jüdische Töchter vor Schändung und Verunreinigung zu bewahren, auf die Landwege und einsame Pfade umherzustreifen, um lleberfälle auf Durchreisende zu vereiteln und sonstiges Böse niederzurcißen ... Und nun müsten wir in dem Quell der Mystik baden, im Meere der Geheimnisse tauchen, desten Waffer das Herz reinigt und das Auge verborgene Dinge schauen An allen Gliedern zitternd sprach Simche: „Meister, bedenket, das Wagnis, das Ihr unternehmen wollet; ein Wesen im Ebenbilde Gottes wollet Ihr schaffen. Und wenn der Versuch mißlingt -und Ihr dem Golem den Lebensnerv nicht geben könnet? Ihr habt dann den Namen des Schöpfers eitel ausgesprochen. Oder wenn der Golem Euch sodann über den Kopf wächst, sich zu den Feinden Israels gesellt? Euer Werk wird dann zum Verderbnis, der Name Gottes und Israels entweiht und Ihr werdet ein großes Unheil angcrichtct haben." Rabbi Elie legte seine Hand auf die Schulter seines Jüngers und redete: „Sei ruhig, mein Sohn. Ich habe alles erwogen. Die Weisen sagten: ,Die Boten einer guten Sache werden nicht geschädigt? Will ich das Werk etwa zu meinem Nutzen machen?"-) lj Ein Chelmcr Jude sagte mir, daß nach der überlieferten Sage auch dieser Jünger einmal einen Golem zu erzeugen versuchte. Aber keinen Giganten, sondern vielmehr einen Leiputen hakte er geformt. Das Werk mißlang, er vermochte nicht dem Körper Leben zu geben und starb in der Blüte feiner Jahre aus Kränkung, daß er unnützlich den Heiligen Name aussprach. -) Es heißt im Talmud (Traktat Synodhrin F. 6',. 6.) - „Wer sich der heiligen Namen um seinetwillen bedient, stirbt in der Milte seiner Jahre". Rabbi Elies Antlitz leuchtete wie ein Feuer. Schon haben sich seiner die hohen Gedanken bemächtigt. Er befahl seinem Jünger, einen Wastereimer und einen Spaten zu holen. Auch Männerkleider händigte er ihm ein. Er selbst trug unter dem Arm das Buch Jezurah und ein Beschneidungsmester. Und nun forderte er Simche auf, ihn-zu begleiten. Mit dem erwähnten Zeug ausgerüstet, begaben sie sich zu dem Hügel außerhalb der Stadt. Es war eine stockfinstere Nacht. Fast konnte man die Dunkelheit mit den Händen fasten. Lichter wollte Rabbi Elie nicht anzünden, um nicht durch den Schein derselben seine Handlung zu verraten. Als sie aber ans Ziel gelangten, zerstreuten sich die dichten Wolken und der Mond beleuchtete den Hügel. Ringsum herrschte Totenstille, kein Laut wurde vernehmbar. Selbst die Bäume hielten in ihren Bewegungen ein. Rabbi Elie sprach zu seinem Jünger: „Ich hoffe, daß unsere Intention die Gnade des Himmels erregen Unter einer großen Eiche war ein Brunnen. Hier tauchten Meister und Jünger dreimal unter, sprachen einige Psalmen, und nun ging es an die Arbeit... Mit dem Angesichte gegen Osten') gewendet, grub Rabbi Elie Erde vom Boden. Bei jedem Hineindrücken des Spatens rezitierte er verschiedene Gebete. Als ein ansehnliches Quantum Erde ausgegraben war, schöpfte Rabbi Elie Atem, wischte sich den Schweiß vom Gesichte und rezitierte mit seinem Jünger verschiedene Psalmabschnitte. Er sammelte ein Quantum Lehm in der Länge von zwei Ellen und in der Höhe von fünf Fäusten, ließ seinen Jünger Master bringen und knetete Lehm und Master zu e,ner Maste, bis eS ihm möglich schien, ein Modell zu formen. Und nun spannte er seine Seele zur großen Andacht an. Er wusch sich die Hände und betrachtete eine Weile sein Werk. (Fortsetzung folgt.) ') Der Osten, hebräisch Mizrach, hat im jüdischen Schrifttum große Bedeutung. Das Wort Mizrach legt sich aus den Anfangsbuchstaben der Worte „üliraä Ze Ruach CHaim" (,JLon dieser Seite weht der Geist des Lebens") zusammen. Adas Jisroel (Schiffschul) - II., Große Schiffgasse 8. - Gebetstunden Sn der Zeit vom 30. Schebat bis 7. Adar 5679 (31. Jänner bis 7. Februar >919). Freitag, den 30. Schebat: Sabbateingang 4 45. , Samstag, 1. Adar I, Morgengebet 7 und 9 30, Minolta 1215 und 3-30. Sabbatansgang: 5*30. An Wochentagen: Morgengebet 6-45, Minolta 445. Donnerstag, den 6. Februar, riD ITj>j"l Minolta 4-30. Freitag, den 7. Adar (7. Februar): Sabbateingang 4 55. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trauungen und Barmizwah werden wahrend der Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. ICON KURS. Der Bethausverein, Wien, XIV., Storchengasse 21. will einen geschulten Bai Tffiloh, zugleich KorehjbessereKraft, aufnehmen. Derselbe darf nicht über 40 Jahre alt und muß orthodoxer Richtung sein. Offerte nur schriftlich mit der Erwähnung frühererVenvendungnebstDokumenten. Probevortrag nach vorheriger Bestimmung unerläßlich. Aufnahme und Gehalt späterer Besprechung Vorbehalten. Offerte an den Vorstand. Philipp Hofbauer WILHELM KOHN Gas- und Wasserleitungsinstallatcur WIEN, II., Stephaniestr. 6 — Hammer Purgstallg. 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