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Jüdische Korrespondenz · 1919-01-23 · 4 (23.1.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
4 (23.1.1919)
Date
1919-01-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz. Nr. 4 Meinung zu vernichten, daß Rumänien eine Politik der Verfolgung und Intoleranz gegenüber seiner jüdischen Bevölkerung ausübc." (Die Gleichberechtigung der rumänischen Inden.) Das „Echo de Paris" vom 5. Jänner meldet: Das Zentralkonsistorium der französischen Juden wandte sich an den Gesandten Rumäniens in Paris, Antonescu, mit dem Hinweis, daß die Zeit für die Lösung der Judenfrage in Rumänien gekommen sei. Herr Antonescu erwiderte m einem an den Präsidenten des Konsistoriums, Baron Ev. Rothschild, gerichteten Schreiben, dem wir den wesentlichen Passus entnehmen: „Mit Recht erinnern Sie mich, daß Herr Bratianu in der Sitzung vom 10./23. Juni 19X7 der rumänischen konstituierenden Versammlung die Dringlichkeit einer durchaus liberalen und vollständigen Lösung der jüdischen Frage anerkannt hat. Herr Bratianu, aufs neue Ministerpräsident geworden, hält 'sein Versprechen und vollendet den Akt der völligen, so lang erwarteten Emanzipation. Durch ein vom 23. Dezember 1918 datiertes Telegramm aus Bukarest, teilt mir Herr Bratianu mit, daß ein Dekret, das allen in Rumänien geborenen Juden das Bürgerrecht gewährt, in diesen Tagen Gesetzeskraft erlangt." — Dazu ist zu bemerken: Die Bürgerrechte sollen nur Juden, die ihre Geburt im Lande Nachweisen können, gewährt werden. Kenner der Verhältnisse, die wißen, daß dieser Nachweis besonders bei der älteren Generation schwierig sein dürfte, werden von diesem Gesetze keine große Veränderung in den tatsächlichen Verhältnisien der Juden erwarten. (Rückkehr palästinensischer Verbannter.) Das Stockholmer Jüdische Preßbureau erfährt von einem Londoner Korresondenten unter dem 7. Jänner: 350 Juden, zumeist Verbannte, trafen am 12. Dezember aus Konstantinopel in Palästina ein: Der Dampfer führte die jüdische Flagge. Die Rückkehr wurde von dem Heimschaffungskoimtee unter Ruppins Leitung organisiert. (Die Lage der Juden in Pistyan.) Der nach Budapest geflüchtete Oberrabbiner des Kurortes Pistyan, Koloman Weber, erhielt von seiner Gemeinde die Verständigung, daß der Kommandant der tschechischen Besatzung den jüdischen Kaufleuten den Befehl erteilte, ihre Läden am Smnstag offen zu halten,-sonst werde er ihre Geschäfte mit Gewalt öffnen und die Waren durch fremde Personen verschleißen laßen. Dieser Befehl ist um so ungerechter, als im Kurort Pistyan genügend christliche Geschäfte vorhanden sind und die Bevölkerung stets in genügender Weise ihren Samstagsbedarf dort decken konnte. Oberrabbiner Weber wandte sich unverzüglich an den Budapcster Gesandten des tschechoslowakischen Staates, Dr. Milan Hodzsa, der sogleich versprach, wegen dieses GewißenSzwanges zu intervenieren und ersuchte: daß man sich, falls auch in anderen slowakischen Ortschaften ein religiöser Zwang auf die Juden ausgeübt werde, telegraphisch an ihn wenden möge. (Gegen den Ziouismns.) Das große Newyorker arabische Tagblatt „Al-Hoda" kündigt an, daß sich ein aus allen syrnchcn Elementen Amerikas zusammengesetztes Palästinakomitee gebildet hat, um den zionistischen Bestrebungen entgegenzuarbeiten. Das Komitee hegt keinerlei Abneigung gegen die jüdische Kolonie in Palästina, aber es opponiert gegen die Schaffung eines jüdischen Staates in Syrien. Man vernimmt andererseits, daß das britische Gouvernement die Führer der arabischen Bewegung in Kairo wißen ließ, daß das Arabische auch weiterhin im palästinensischen Staate, der selbst auch fernerhin den' arabischen Charakter beibehalten wird, die offizielle Sprach? bilden soll. Die Zionisten werden daselbst nur ein, eines jeglichen politischen Charafters entkleidetes Heim besitzen. (Bereinigung der Jude« Rußlands.) Im Zusammenhänge mit den letzten Ereignißen tauchte, wie daS Jüdische Preßbureau in Kiew meldet, in jüdischpolitischen Kreisen der Gedanke auf, die Tätigkeit der Jüdischen Zentralorgane, die in den Einzelstaaten des ehemaligen russischen Territoriums entstanden sind, zusammenzufassen. Das jüdische Nationalsekretariat beschloß, zu diesem Zwecke eine permanente Beratung der jüdischen Zentralorgane Groß-RußlandS, der Ukraine, Litauens und West-Rußlands zu schaffen. Diese Körperschaft soll später eine Vertretung wählen, die bevollmächtigt wäre, im Namen deS rußländischen Judentums aufzutreten, um seine nationalen und politischen Forderungen durchzusetzen. (Großlüge« der Antisemite«.) Zu welchen Mitteln die Antisemiten greifen, um die Juden zu verdächtigen, beweist ein Prwatbrief auS Weimar. Ein dort lebender Gelehrter schreibt, er habe von mehreren Seiten erfahren, „die Synagoge in Berlin habe der Spartacusf ruppe 1'/, Millionen Mark für ihre Agitation geliehen". )as Unsinnige dieses Gerüchts liegt auf derHand. Aber die Entstehung und Ausstreuung ivlcher Gerüchte ist ein neues Zeugnis für den Eifer, mit dem viele bemüht sind, Ansehen und Würde des Judentums herabzusehen und ihm bei der großen Menge Schaden zu bereiten. (Ein „Appell an da» menschliche Gewissen".) Eine große Anzahl schweizerischer Schriftsteller und Profeßoren veröffentlicht in der Preße unter diesem Titel einen Protest gegen die polnischen Pogrome. Unter den Unterzeichnern deS Aufrufes befinden sich die Namen: Hermann Hrße, Paul Jlg, Ferrucio Busoni, August Forel, Felix Möschlin. Vereinsnachrichten. (SchülerbeklcidungSaktion de»„Jefod Hathora"- Schnlvereine« der „Adas Jifroel".) Donnerstag, am Ehamischoosorfeste, fand im Beisein deS BereinsvorstandeS eineÄeteilung 16 armer Echülermit warmen Winterrücken statt, die Herr Bela Deutsch für die Schüler der „Jesod Hathora" spendete. Herr Wolf Pappenheim richtete eine in wärmfühlenden Worten gehaltene Ansprache aff die Anwesenden, in der er dem edlen Spender seinen Dank aussprach; die Schüler aber anspornte, mit eisernem Eifer beim Studium der Thora auszuharren. Frohen Herzens dankten die Schüler für diese Wohltat. Die anwesenden Gäste hatten das Empfinden, daß der „Jesod Hathora"- Schulverein auf der Höhe seiner Aufgaben sieht, da er nicht nur für einen vorzüglichen Unterricht in seinen Religionsschulen, sondern auch für die Gesundheit seiner Schüler sorgt. _ Der Daalschem von Lhelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von C h a i m B l o ch, Delatyn. (Fortsetzung.) Rabbi Elie begriff/ daß von irgend einer Seite die Entführung einer Jüdin geplant wird. Entführungen von jüdischen Töchtern kamen damals, wie schon oben angedemet, sehr häufig vor. Edelleute und Gutsherren fanden eine besondere.Befriedigung, an jüdischen Mädchen und Frauen ihre wüsten Leidenschaften zu befriedigen. Warf ein Puriz sein Auge auf ein jüdisches Weib, dann war es ein verlorenes Ding. Entweder — und dies war noch die „vornehmste" Art — betörte er es so lange durch Verlockungen und Versprechungen, bis cs sich willig ihm ergab, oder er gebrauchte Gewalt. Einige Lakaien überfielen das jüdische Wirtshaus und nahmen die Frau oder die Tochter deS Juden als Pfand für die nichteingezahlte Pachtrate. Wenn der Jude durch'Quittung Nachweisen konnte, er sei keine Pachtrate rückständig, dann wurde er wegen Dokumentenfälschung in den Kerker geworfen. Klagen an die Behörde blieben unerledigt, oder eS dauerte Jahre, bis eine Aufforderung an den Edelmann erging, das Judenmädchen ihren Eltern zurückzugeben. Das jüdische Mädchen ging inzwischen an den erlittenen Scelenqualei» zugrunde, der polnische Gutsherr war befriedigt, .die polnische Behörde hatte jedoch Recht gesprochen.... Wieder überschlug Rabbi Elie die Blätter des Fünfbuches. Die Stelle, welche sich jetzt aufschlug, -lautete: „. -. - und sie werden erwidern und sagen: Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergaffen." Er versuchte auch ein Gebetbuch aufzuschlagen. Und er traf auf die Stelle im „Jekum Purkan" wo es heißt: „Und Ihr werdet erlöst werden von jedem Unheil." Noch einmal öffnete er das Gebetbuch und las: „Der die Ratschläge der Völker vereitelte und die Gedanken der Nationen verstöre." Don allen den Stellen und Versen begriff Rabbi Elie, daß ihm verschiedene Anschläge gegen die Juden offenbart wurden. Was ist dagegen zu tun? Darüber fehlte ihm jeder Aufschluß. 1 Er ging weiter an daS Buchaufschlagen. Aber siehe da- Als hätten sich die heiligen Buchstaben gegen ihn verschworen, sie erschienen ihm von nun ab so dunkel, so nichtssagend, daß Rabbi Elie erschrecken Er verbrachte daher die ganze Nacht und auch den folgenden Tag in größter Unruhe und nahm weder Eßen noch Trank zu sich. Als eS wieder Abend wurde, gab er sich in feinem Zimmer der Abgeschiedenheit hin und schloß sich ein. Er dürfte unter keinen Umständen gestört werden. So befahl er seinem Diener. Den Meister des TraumeS wollte er herabzwinaen, daß er ihm alles klar offenbare, was im Himmel über das Volk Israel verhängt wurde. Bevor er sich zur Ruhe begab, vertiefte er sich eine hübsche Weile im Buche „Sohar" und in anderen heiligen Büchern und flehte den Schöpfer aller Menschen an, daß er ihm die Einsicht schenken soll, die Dinge gründlich zu ersoffen, um von seinen Brüdern ein drohende- Unheil abwenden zu können. Als er einschlief, träumte ihm, ein Buch, ein ihm völlig unbekanntes Buch, schlug sich vor seinen Augen auf. Er las die Worte: ,GoaIeuu U'moschienu, lochem milchamtonu“, „unser Erlöser, unser Helfer, der unseren Streit streitet". ' Rabbi Elie erwachte, sein Herz pochte sehr und die heiligen Buchstaben tanzten wie lebendige Gestalten vor seinen Augen. Aber noch wußte Rabbi Elie keinen Bescheid, was er zu unternehmen habe. Soll er die Buchstaben geometrisch') lösen? Plötzlich schlug ein Gedanke in seinem Hirn: „Die ersten Buchstaben".-Den ersten Buchstaben der Worte „Rusche Teiwos“ wird in allen Büchern der geheimen Wissenschaft große Bedeutung zugeschrieben. Sie bilden den Schlüffe! zu den Rätseln und viele verborgene Gedanken werden durch sie entziffert. Daher ihr ,Name „Os", „Zeichen", weil sie hohe Dinge bezeichnen- Rabbi Elie stand hastig vom Lager auf, wusch sich die Hände und schrieb die ihm im Schlafe gezeugten Worte aufs Papier. Sagen ja die Weisen: „Die Schriftzeichen machen klug." Als er diese auf den Gehalt der ersten Buchstaben prüfte, da erschien das Wort: „G o l m". Also, einen Golm soll er machen. Ein Grauen und ein Schrecken erfaßte ihn. Sein Antlitz wurde scheel und gelb. Daß man durch Anrufung von bestimmten heiligen Namen einen Golem, d. h. einen Menschen, von Lehm erschaffen kann, war ihm kein Geheimnis. Es war ihm ') Jeder Buchstabe bedeutet im Hebräischen gleichzeitig eine Zahl, zum Beispiel A=1(B=2, C 3 usw- Aus den Berhältniszahlen wird ein geometrischer Körper konstruiert. ferner bekannt, daß schon viele Heilige vor ihm solche Wundermenschen erschufen und mit ihnen, große Dinge für die Juden ausführten. Auch von Prag drang jüngst die Kunde, ein dortiger Meister der Kabbalah schuf einen Golem,' welcher wunderbare Dienste leistet. Rabbi Elie fühlte sich in der Kabbalah mächtig genug, m em solches Werk zu meistern. Und doch wurde er von einer Scheu und Angst ergriffen. Müßte man ja zu dieser Schöpfung viele Namen der Schöpfer aller Welten aussprechen und den „ausdrücklichen Namen", Sehern harnloresch, anrufen. Wenn — der Himmel bewahre davor — nur ein Irren in der Kawano unterlaufen sollte, dann sei er der Hölle verfallen: er würde den heiligen Namen eitel gesprochen Auch tauchte bei ihm ein Zweifel auf, ob er vom rechtlichen Standpunkte das Werk des Allmächtigen nachahmen darf, ob er sich dadurch nicht gegen die Lehre vergehen werde. Da weckte ihn eine Stimme: „Es ist Zeit, für Gott zu handeln, du bist der Lehre entbunden"!-Es schwand jede Scheu und jede Angst aus seinem Herzen und es wurde ihm klar, daß man das Schaffen des Golem vom Himmel gut hieß. Ohne weiteres Zaudern entnahm er aus dem Bücherschrank das Buch „Jezirah"') und suchte nach der Stelle, wo von der Schöpfung des Urmenschen Adam die Rede ist. Er.nahm all seine ganze Kraft zusammen, rief die Verdienste seiner Ahnen und Urahnen an, um jene heiligen Zeichen zu ergrübeln und zu erfaffen, durch die man cliien Menschen aus Lehm erschaffen kann. Eine solche Handlung erforderte große Vorbereitung. Nach den Anleitungen im „Buche des Engel Rasier' muß einem solchen Wagnis ein dreimaliges Fasten von Sabbat zu Sabbat, mindestens aber ein solches von „Montag-Donnerstag-Montag"') vorangehen. Auch eine gründliche Reinigung von Geist und Körper ist erforderlich. Doch die Not der Zeit gebot, von diesen Formalitäten abzuschen. Wer weiß, ob das Unheil nicht so rapid Heranbrechen würde, daß man schon Tags darauf die Dienste des Golems benötigen könnte. Noch in derselben Nacht soll der Golem ins Leben gerufen werden. (Fortsetzung folgt.) ') Nach der Lehre dieses Buches sind die zehn Sefiros (Sphären, Intelligenzen): 1. Kether firone; 2. Choch« mah — Weisheit; 3. Li» ab — Einsicht; 4. Chesed — Gnade; 5. Ge wura, — Stärke; 6. Tiferes — Prach i; 7.Nezach — Sieg, auch Endlos; 6. Rod —Ruhm; 9. Jesod Fundament; 10. Malchus — Reichsherrschaft, insgesamt mit den 22 hebräischen Schriftzelchen, den 32 Bahnen der Weisheit, den Grundlinien für alle Dinge. Die zehn Sefiros symbolisieren viele Dinge, so nach einer Meinung die sechs Weltrichtungen vorn, hinten, rechts, links, oben, unten sowie die wichtigsten Weltdinge, gut und böse, hell und dunkel. -) Es ist alter Brauch der Juden, am Montag und Donnerstag jeder Woche zu'rasten. An diesen Tagen werden auch herzergreifend« Gebete (Slichos) verrichtet, welche im Mittelalter zur Zeit der großen Verfolgungen verfaßt wurden. Die kabbalistisch gesinnten Juden beachten noch heute diesen Brauch. - II., Große Schiffgasse &. - Gebetstunden in der Zeit vom 23. bis 30. Schebat 5679 (24. bis 31. Jänner^. Freitag, den 23. Schebat: Sabbateingang 4‘35. Samstag, Morgengebet 7 und 9 30, Mincha 12-16 und 3 30. Sabbatausgang: 5 20. An Wochentagen: Morgengebet 6 30, Mincha 430. Donnerstag, den 13. Jänner, n l(i' JTjyD und Jom-Kipur-Kotan, Mincha 4 15. Anmeldungen von Eheaufgebotenf Trauungen und Barmizwah werden während der Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. BRENNHOLZ : hart und weich : geschnitten und gehacht g£ wird fuhrenweise verkauft und zngestellt 33 Anträge an: (3-6) E. Zopperitsck Wien, XVII-, Kainzgasse 5, 11/17. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20. ^^.+/3+/:C

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