Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 2 (9.1.1919)
- Date
- 1919-01-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Korrespondenz. sobald sie auf wirksame Weise errichtet sind." Hierauf bat Israel Zangwill mit folgendem Brief im „Jewish Chronicle" geantwortet: „Als vielleicht dem ersten Schriftsteller. der dafür eingetreten ist, daß Palästina unter britischer Souveränität an die Juden zurückfalle, werden Sie mir wohl gestatten, meine Beunruhigung über die offizielle englisch-französische Erklärung auszusprechen, auS der Paläftina vollständig verschwunden oder mindestens in Syrien aufgegangcn ist. — Das wäre sogar weit mehr, als Frankreich auf Grund des Sykes-Picot-Ver- ■ träges beanipruchte. Wenn England nicht gerüstet ist, sich mit der Bürde Palästinas zu beladen, so ist die natürliche Folgerung, nicht daß dieses als Teil eines französischen Syrien behandelt wird, sondern daß es ein unabhängiger Staat wird, ein Teil der künftigen Liga der Nationen, was eine automatische Garantie seiner Sicherheit bedeuten würde." (Litauer und Juden.) Das Verhältnis zwischen Litauern und Juden hat eine erfreuliche Klärung erfahren. Die von den verschiedenen jüdischen Parteien ausgestellten Forderungen sind von der vorläufigen litauischen Regierung vorbehaltlos angenommen worden. Den Juden wurden drei Sitze in der Taryba und in der vorläufigen Regierung angeboten, wegen weiterer Sitze schweben noch Verhandlungen. Die neuen jüdischen Minister sind Rechtsanwalt Roscnbaum als Unterstaatssekretär für das Auswärtige Amt, Dr. Wigodski als Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Rachmiliewitsch als Unterstaatssekretär im Ministerium für Handel und Gewerbe. Ein feierlicher Empfang der jüdischen Regierungsmitglieüer durch den Präsidenten Smetona fand am io. Dezember im Tarybagebäudr statt. (Indisch oder evangelisch?) Infolge eines Schlaganfalles starb in Bern auf offener Straße der ehemalige Privatdozent Dr. Jakob Schapiro aus Kowno im 48. Lebensjahre. Der Verstorbene war von Beruf Zoologe, arbeitete aber in letzter Zeit im veterinär-anatomischen Institut, wo er sich nicht als Jude ausgab, obwohl es ihm gar keinen Abbruch getan hätte. Er wurde daher auf den christlichen Friedhof übergeführt und auch ein Pfarrer ist von Bekannten des Verstorbenen zur Einsegnung der Leiche bestellt worden. Als die züdischen Studenten dies vernahmen, eilten sie zum Präsidenten der dortigen israelitischen Kultusgemeinde, um dies zu verhindern. Die Leiche wurde auch sofort auf den israelitischen Friedhof übergcführt. und dieselben Bekannten, die vorher den Pfarrer bestellt hatten, .bestellten jetzt den jüdischen Seelsorger für einen Nachruf auf den Heimgegangenen. Inzwischen erhielt der Leiter des obengenannten Institutes ein dringendes Telegramm von oer Gattin des Verstorbenen aus Mainz, woselbst sie als Polizeiassislentin beschäftigt sein soll, mit der Bitte, mit der Beerdigung noch bis zu ihrem Eintreffen zu warten. Anstatt der Gattin kam fedoch der etwa zwanzigjährige Sohn, und zur nicht geringen Enttäuschung aller jüdischen Bekannten des Verstorbenen erklärte der Sohn feierlichst, daß hier ein Irrtum vorliege, da sein Vater Jakob Schapiro aus Kowno von Geburt auf evangelisch sei. Die Leiche ist natürlich wieder auf den christlichen Friedhof gebracht und dort beigesetzt worden. . (Antisemitisches aus Frankreich.) Die in Paris erscheinende „La vieille France* bringt in letzter Zeit wiederholt Hetznotizcn in auffälliger' Forin. Aus der reichen, uns vorliegenden Auswahl bringen wir vorderhand nur folgendes: LES ETATS-UNIS, LA FRANCE ET L’ANGLETERRE ont promis de rendre la Pa.lestine aus Juifs. ENFIN nous pourrons rendre les Juifs ä la Palestine. (I. P. Z.) Personalnachrichten. Wien. Herr Moritz Pappen heim, Sohn des Herrn Wolf Pappenheim, hat sich mit Frl. Margit Ernst . aus Budapest verlobt. Oie industrielle Entwicklung Palästinas. Von Davis T r i e t s ch. Es hat eine Zeit gegeben, in der gerade die Länder des vorderen Orient in der Industrie der ganzen bekannten Welt führend gewesen waren. Noch heute zeigen zahlreiche in den allgemeinen Besitz der europäischen Sprache übcrgcgangenc Worte die einstige industrielle Ueberlegenheit dieses vorderen Orients. Dies gilt besonders von der Textilindustrie. Die Bezeichnungen Damast, Monffclin, Gaze, Joppe und vielleicht auch Seide, gehen auf die Städte Damaskus, Mossul, Gaza, Jaffa und Seida zurück, die einstmals Mittelpunkte der Textilindustrie des Orients waren, von denen aus die ganze damalige Welt mit jenen Erzeugnissen versehen Die europäische Technik hat nachher diese Bezugsvcrhältniffc umgekehrt, aber schon längst setzt eine neue Bewegung ein, die eine ganze Anzahl noch kürzlich in industrieller Beziehung von Europa abhängiger Gebiete wenigstens zum Teil wieder selbständig macht. Auch in der Türkei gab cs schon vor dem Kriege eine ganze Reihe solcher Ansätze, itnd das Land ist an Rohstoffen so reich, oder hat doch so große Möglichkeiten, seine bisherige Rohstosferzeugung zu vergrößern, daß in dieser Hinsicht kein Zweifel an den dortigen Jndustriemöglichkeitcn zu bestehen braucht. Auch hinsichtlich der motorischen Kraft steht Vorderasicn nicht ungünstig. Es besitzt große bereits erschloffene und noch viel größere bisher unerschloffene Lager an Kohlen und besonders an Petroleum. Auch elektrische Kraftanlagen finden vielfach die erforderlichen Voraussetzungen. sowohl hinsichtlich der Wafferkraft wie auch der städtischen und verkehrstechnischcn Entwicklung. Hinzu kommt noch eine bisher in den Industrieländern noch wenig anerkannte Kraftquelle, die gleichwohl als Anfangsstadium bereits erfolgreich überwunden hat, und von der man schon bei ihrem ersten ernsthaften Auftreten sagen konnte, daß sie geeignet ist, die Jndustrieverhältniffe der ganzen Welt weitgehend zu beeinflußen, indem sie nämlich der industriellen Entwicklung der Knlturmenschheit gerade in den heißen und trockenen Ländern des Orients die größten Möglichkeiten erschließt. -Dies ist die Sonnenwärme, die mit Spiegelsystemen verschiedener Arten zu einer Dampferzeugung ohne Kohle verwendet wird, und die gerade in jenen Gebieten in verschwenderischem Maße zur Verfügung steht. Es ist kein Zufall, daß die erste große praktisch arbeitende Anlage dieser Art in Aegypten aufgestellt ist, ivo in der Nähe von Kairo eine hundertpferdige Sonnenkraftmaschine seit dem Winter 1911/12 sehr viel billiger arbeitet als eine gleich starke Dampfmaschine. Eine Industrialisierung dieser Gebiete könnte leicht zu einem wesentlichen Ausbau dieser in jedem praktischen Sinne unversiegbaren Kraftquelle führen. Außer den genannten Betriebsarten kommt übrigens noch die Windkraft in Betracht, die überall in den küstennahen Gebieten einen verläßlichen Antrieb bietet, und schließlich ist auch die Holzfeucrung für Dampfmaschinen zu erwähnen,' die beispielsweise bei besonders konstruierten Sauggasanlagen mit einem Kilogramm Holz per PS-Stunde auskommt. Der vielbcklagte Holzmangel des Orients spräche keineswegs hiergegen, denn die zahlreichen schnellwachsenden Holzbäume, deren systematischer Anbau ohnehin eine der besten Rentabilitäten in der Bodenbenutzung des Orients bietet, würde Abfallhoiz in jeder gewünschten Menge zu billigerem Preise liefen! als die Kohle in jeder größeren Entfernung vom Fundorte sich stellen würde. An Rohmaterialien für die Industrie sind die vorderasiatischen Länder ebenfalls reich. In besonders Hohem Maße gilt dies gerade für die Textilindustrie. Wolle, Baumwolle und Seide sind schon jetzt in ziemlichem Umfang verfügbar und würden bei rationeller Wirtschaft in noch viel größeren Mengen zu gewinnen sein. Die klimatischen Verhältniffe sind sowohl der Wollschafzucht wie dem Baumwollbau und der Seidenkultur außerordentlich günstig, und auch der Anbau der Agave würde in vielen Landesteilen eine der vorteilhaftesten Arten der Bodenbcnutzung darstellen. Wie schnell beispielsweise der Baumwollbau mittelst neuer Bewässerungsanlagen auf einen' großen Umfang gesteigert werden kann, ist bekannt. Aber auch die Äaumwollindustrie läßt sich in sehr kurzer Zeit entwickeln. Beispielsweise hat Japan die Zahl seiner Spindeln in der Zeit von 1883 bis 1913 von 44.909 auf 2,390.999 gebracht. Was aber noch vor kurzem Jahrzehnte in Anspruch nahm, läßt sich auf Grund der letzten Fortschritte jetzt schon in wenigen Jahren erzielen, so daß wir es hier keineswegs nur mit industriellen Entwicklungen auf lange Sicht ju'tun haben. Innerhalb Vordcrasiens nimmt Palästina in industrieller Hinsicht eine bevorzugte Stellung ein. Syrien und Palästina — im Westen vom Meer und im Osten von der sogenannten Wüste (die in Wirklichkeit nicht Wüste sond-rn Steppe ist) — begrenzt, bildet eine Art Landbrücke zwischen dem kleinen asiatischen Hauptland und den wichtigsten Südgebieten, nämlich den arabischen Provinzen und dem ägyptischen Nebenlande. Ueber letzteres hinaus wird der syrisch-palästinensische Küstenstteifen sogar zur Landbrücke zwischen Afrika und Asien- Europa. Diese bevorzugte Landverkehrsanlage, die durch den Ausbau der wenigen noch fehlenden Glieder eines zusammenhängenden Schienennetzes innerhalb weniger Jahre zu voller Geltung kommen wird, wird unterstützt durch eine hafenreiche Küste und ein vorläufig zwar noch nicht mit dem Weltverkehr verbundenes, aber für orientalische Verhältniffe schon recht dichtes und leistungsfähiges Eisenbahnnetz. Werden die Häfen erst entsprechend ausgcbaut (was ebenfalls nur eine Frage ganz kurzer Zeit ist>, so wird auch die Nähe des Suezkanals unvergleichlich mehr als bisher die Entwicklung des Landes begünstigen, und es in augenfälliger Weise zu einem wichtigsten Schnittpunkt des 'Weltverkehrs machen. Diese Verkehrsanlage wird natürlich auch einer Entwicklung günstig sein muffen, die einem industriell sehr leistungsfähigen Palästina auch weite Gebiete der islamitischen Welt öffnen wird. Neue Bücher. „Gilead." Ein Jahrbuch 1919, Verlag der Zeitschrift „Jung-Juda", Präg 11/629, herausgegeben zu deren XX. Jahrgang, mit Beiträgen von Max Brod, Professor Oskar Epstein, I. Fried, Josef Hart, Erich Juhn, Eleazar Lädier, Prof. Josef Lamm, Paula Lederer, Dr. Heinrich Loewe u. a., ist soeben erschienen und kann durch den obigen Verlag zum Preise von X 4-— bezogen werden. — Mit diesem Jahrbuche scheint eine neue Art von Jugendschriften in Verkehr zu kommen, die gleich der Zeitschrift selbst für einen jüdischen Leserkreis berechnet ist und Liebe zum Judentume, Jntereffe an seiner Vergangenheit und Zukunft wecken will. Die Beiträge stamnien durchwegs aus der Feder bewährter Schriftsteller und sorgen sowohl für Belehrung als auch für Unterhaltung. Das neue Bühnenwerk von Richard B e e r - H o fm a n n, „JaakobS Traum" ist soeben bei S. Fischer, Verlag Berlin, als Buch erschienen. „Gcwuloth." Hebräische Monatsschrift für moderne Literatur. (M. Hickl Verlag, Wien-Brünn.) Herausgegeben von G. Schoffmann und Z. Diesendruck. — Inhalt des soeben erschienenen zweiten Heftes: Z. Diesendruck: Wir, die wenigen; M. Silburg: Das Gesicht des Todes (Skizze); Ü. Z. Grimberg: Gedicht; M. I. Bin Gurion: Fragmente: Abraham Schwadron: Vom Technismus (Essay); Schymonowicz: Gedicht; H. Reimann: Grotesken. — Gloffen usw. — Inhalt des Dezember-Heftes: Hugo Bergmann: Die wahre Freiheit; S. Schneller: Die Gefangene; G. Schoffmann: Vier Skizzen; Z. Diesendruck: Von der Groteske; ll. Z. Grünberg: Gesang der Kämpfer: Zeitgloffen usw. — Abonnement beträgt : halbjährlich X 15 (Mk. 19), Einzelheft inklusive Porto X 3'20 (Mk. 2-29). Einzelverschleiß: Administration Wien, U., Taborstraße 52 B, sowie sämtliche Buchhandlungen und Zeitungsverschleißstellen. - II., Grolle Schiffgasse 8. - Gehetstunden in der Zeit vom 9. bis 16. Schebat 5679 OO. bis 17. Jänner). Freitag, den 9. Schebat: Sabbateingang 4 15. - Samstag, Morgengebet 715 und 9 30, Hincha 12-15 und 3 39. Sabbatausgang: 5 Uhr. An Wochentagen: Morgengebet 645^ Minclia 4-15. Montag, den 13. Jänner, C'-Ü'XT rTJi-D Mincha 4 Uhr. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trauungen und Barmizwah werden während der 'Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. Oberkantor (p&’Kn }tn) wird im Bethause der „Adas lisroel“ (Schiffschul) aufgenommen. Erforderlich ist entsprechende fachliche,- erstklassige Befähigung. Nur solche Bewerber können Berücksichtigung finden, die bisher ausschließlich in streng orthodoxen Bethäusern tätig waren. Gesuche mit dem Nachweise der bisherigen Verwendung und des Familienstandes sind an den gefertigten Vorstand zu richten (Gesuchsbelege in Abschriften). Spesen werden nur dem Aufgenommenen vergütet. <2-3- Wien, 18. Dezember-1918. Der Vorstand der „Adas Jisroef“ (Schiffschul) Wien, II., GroSe Schiffgasse 8. Jakob Fuchs Philipp Back Schriftführer. Obmann. ERSTER SERRETRR WIRD GESUCHT. -«8 Erforderlich ist streng religiöse Lebensführung, Repräsentationsfähigkeit, stilistische Gewandtheit (deutsch und tunlichst auch hebräisch) und Kenntnis des jüdischen Gemeindewesens. Gehalt nach Uebereinkommen. Offerte mit Angabe der bisherigen Verwendung und des Familienstandes sind an den gefertigten Vorstand zu richten. <2-3, Wien, 18. Dezember 1918. Der Vorstand der „Adas Jisroef“ in Wien, II., Große Schiffgasse 8. Jakob Fuchs Philipp Back Schriftführer. Obmann. BRENNHOLZ : hart und weich : geschnitten und gehacht wird fuhrenweist gtrhauft und zugustullt 3S Anträge an: (2-s, & Zopperitsch. Wien, XVlI., Kainzgasse 5, li/17. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIR., Hemalser Gürtel 20. ^^.+/3+/:C