Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 1 (2.1.1919)
- Date
- 1919-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 1 das unoeorng! oeiemgl wervr» «tup. »»u, ^»"7 juden wollen dem .Judentum treu bleiben. Noch t ft Seit. Sorgen Sie daher für eine eh est e Zusammenkunft A ff fr Gesetzestreuen im tschecho-slowakischen Staat, damit auch wir unsere Stimme erheben können. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung, bm ich Ihr ganz ergebenster Rabbiner Dr. E. L a n.d a u. Rundschau. (Sammlung für die Pogromopfer.) In der Schiffschul („Adaß Jisroel") und dem affilüerten Bet-Hamidrasch „Thorah Ez Chajim" wurden dte Spenden am Sabbat, 21. d. M., für die Pogromopfer gewidmet und ergaben den Betrag von K 10.108'—. (Tranerandacht.) Donnerstag (Fasttag) wurde in der Schiffschul beim Abend-Thoravorlesen für die Pogromopfer. Kel Mole Rachamim gesagt. Die dichtgedrängten Besucher des Bethauses waren tief ergriffen. Kein Auge blieb tränenlos. (Lehrlingsfürsorge.) Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten (Obmann Herr Kommerzialrat Leopold Simon) hat sich dem Vereine zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wen und Niederösterreich zur Verfügung gestellt, Lehrlinge, die Schabbos halten, mit Kost nnd Wohnung zu versorgen. Der Obmann letzteren Vereines, Herr Bernhard Hofbauer, hat schon eine Anzahl von solchen Lehrlingen untergebracht. (Pogrom i» Pose».) AuL Berlin wird gemeldet: Hier einlangenden Nachrichten zufolge, ist es gelegentlich der jüngsten Kämpfe zwischen den Polen und Deutschen in Posen auch zü einem Judenpogrom gekommen, wobei dreißig Juden verwundet wurden. Die Synagoge ist heftig beschossen und beschädigt worden. (Ausschreitungen 1« Prng.) Am 18. Dezember nachmittags, wurden, wie beinahe Maglich, vor dem Modewarengeschäft „Wolf & Schleim" m der Rittsgafle aus einem Möbelwagen Waren für die in dem Hause untergebrachte Landes - Volksbekleidungszenttale abgeladen. ES sammelte sich sofort eine größere Menschen- .menge an, auS der plötzlich der Rut laut wurde, daß die Ware ausgefübrt werden sollte. Die Menge nahm sofort «ine drohende Haltung ein. Unter den Rufen: „Nieder mit den Juden!" wurden Teile der fchdnen Festdekoration heruntergerifseri. ©tn Teil der Menge dran» in das Geschäft ein und bedrohte die Angestellten. Dem Polizeirat Pokorny gelang es. die Leute zumVerlassen des Geschäftes zu bewegen. Die Wache zerstreute sodann die Ansammlung. (Tschechische «oyr»tt«sU»tt»n gegen die Inden.) Der „Klub tschecho-slowaftscher Geschäftsleute, Agenten und Kommissionäre" in Prag erlaßt in den „Narodny Lisch" einen Boykottaufruf an den tschechischen Handel und das Gewerbe, in dem es heißt: Deutsche Juden aus Böhmen und Mähren siedeln nach Prag über, um als Angehörige des tschecho-slowakischen Staates die Welt zn betrügen und unS weiter auszubeuten. Wir fordern deshalb die Handels- und Gewerbekorporationen und -gcsellschasten auf, sich zu einer einheitlichen und nachdrücklichen Aktwn zur Verteidigung der nationalen und wirtschaftlichen Interessen zu vereinigen. (Wie Masaryk ein Jndenfrenad wurde.) Aus dem Leben des nunmehrigen Präsidenten der tschechischen Republik wird folgende Episode erzählt: „Auf einem StudeMenaussluge sah er, wie ein jüdischer Jüngling das Abendgebet mit rituellen Zeremonien verrick^^ Dies übte auf ihn einen so tiefgehenden Einfluß, — „ er aus einem Judenhasser ein Juvenfteund wurde, was er später in seinem Eintreten für Hülsner dokumentierte. Er selbst sagte, daß er an den Ritualmord glaubte.. bis er den jungen Mann beim Abendgebete belauschte....' (15.000 beschästigunaslose jüdische Arbeiter in Berlin.) Das jüdische Arbeitsamt in Berlin berichtet, daß dort 15.000 jüdische Arbeiter als beschäftigungslos gemeldet wurden. (J.P Z-) (Katholische Geistliche in Polen warnen vor Pogrome« gegen Juden.) Während einzelne Geistliche in Galizien zu Pogromen gehetzt haben, wird von Polen das Gegenteil gemeldet- Dort sind Geistliche, die ihren Beruf würdig auffasien, zum Schutze der Juden aufgetreten. Diele Geistliche haben in der Predigt das Vorgehen in Progromen gegen die Juden als Verbrechen gegen die Religion und gegen die Menschlichkeit erklärt und davor gewarnt. Der geistliche Professor am katholischen Semmar in Wlozlawck besucht an Markttagen, an denen viele Bauern aus der Umgebung nach Wlozlawek kommen, mit seinen Schülern den Marktplatz und verbringt den Tag dort. Dort hält er an die Bauern gruppenweise Reden und ermahnt sie, sich ruhig gegen die Juden zu verhalten. Seine Reden haben den t Erfolg. (Der Cher cm in Wilna.) Um die Teuerung zu bekämpfen, hat die Wilnaer jüdische Gemeindeverwaltung vorläufig einen Verkauf von Brot zu billigerem Preise organisiert. In den jüdischen städtischen Verkaufsstellen wird täglich ein Pfund Brot jeder Person gegen Brotkarte verabfolgt. In der Großen Synagoge wurde der Cherem (Bann) gegen Inhaber der Branntweinbrennereien ausgesprochen, die das von der Stadt Wilna gelieferte Korn und Mehl (mehrere tausend Pud die Woche) zu Branntwein verarbeiten. Mehrere tausend Personen waren beim Verlesen des Bannes anwesend. Die Wirkung war verblüffend, der Preis des Roggenmehles ist andern Tags um ein beträchtliches gefallen. (Konferenz der AgüdaS Haorthodoxitn.) Der Warschauer „Hajnt" veröffentlicht eine Einladung zu einer Konferenz der polnischen Orthodoxie, die in Kürze stattfinden soll- Sie ist durch die „Agudas Haorthodoxim" unterzeichnet. (Der jüdische Kongreß in Amerika.) Das jüdische Preßbureau in Stockholm erhielt vom jüdischen Kongreßbureau in Philadelphia folgendes Kabeltelegramm vom 19. Dezember: Der Jüdische Kongreß wurde am 15. in höchst eindrucksvoller Weise mit Ansprachen von Nathan Strauß und Richter Julian Mack eröffnet. Zum permanenten Vorsitzenden wurde Julian Mack, der Präsident der zionistischen Organisation Amerikas, gewählt. Ehrenvorsitzender ist der Philanthrop Nathan Strauß. Montag den 16. nahm der Kongreß die Berichte der Kommissionen über die Judenfrage in den verschiedenen Ländern entgegen. Die vom Kongreß eingesetzten Komitees weisen eine überwältigende zionistische Mehrheit auf. Unser Londoner Korrespondent meldet uns am 19. Dezember: Der Richter Julian Mack sagte in seiner Eröffnungsrede, daß Palästina unter der Sachwalterschaft einer Großmacht stehen müfle, deren Basis Freiheit und Demokratie sind. Wenn die Juden sich dafür entscheiden sollten, daß Britannien, deffen Armeen Palästina befreit haben, im Aufträge des Völkerbundes Palästina verwalten soll, so werden die Bestrebungen des jüdischen Volkes vom Friedenskongreß sicher anerkannt werden. Ein Telegramm unseres Londoner Korrespondenten vom 20. meldet: Die Schlußsitzung des Jüdischen Kongresses, die am 16. stattfand, nahm mit großem Enthusiasmus folgende Resolution an: „Der Kongreß instruiert die von ihm gewählte Friedensdelegatton zusammen mit den anderen jüdischen Organisationen, namentlich mit der gesamten zionistischen Organisation, dahin zu wirken, daß der Friedenskongreß die Bestrebungen und historischen Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina anerkenne, und erklärt, daß in Uebereinftimmung mit der von den Alliierten-und Präsidenten Wilson gutgeheißenen brittschen Erklärung derartige politische, administrative und ökonomische Bedingungen m Palästina geschaffen werden müssen, die die Entwicklung Palästinas unter der Sachwalterschaft des im Aufträge des zu errichtenden Böllerbundes wirkenden Britanniens zu einem lüdischen Gemeinwesen sicherstellen soll. Dabei wird verstanden, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinden in Palästina oder die Rechte und . die politische Stellung der Juden in den anderen Ländern beeinträchtigen könnte." Vereinsnachrichten. Wie«. Der Verein „Tifers Bechurim" zur Unterstützung armer Wiener Talmudschüler, der gegenwärtig besttebt ist sich, durch eine großzügige Aktion, der Kapitalisierung seiner Mitgliedsbetträge, einen dauernden Fonds zu schaffen, um für alle Zukunft seinem heiligen Zwecke, der Förderung der Thora und ihres Studiums, dienen zu können, beging in diesen Tagen das Fest seines zwanzigjährigen Bestandes. AuS Anlaß dieses Jubiläums hielt Seine Ehrwürden Herr Rabbiner S. Fürst vorletzten Samstag vor einer zahlreichen Zuhörerschaft im Beth Hamidrasch der Schifflchul eine Deroschoh, in welcher er mit warmen und begeisterten und auch Begeisterung erweckenden Worten d,e Bedeutung der Pflicht der Förderung des echt jüdischen Thoralernens hervorhod und es allen Anwesenden ans Herz legte, die Bestrebungen des TifereS Bachurim-Vereines sowohl geistig als auch finanziell besonders zu fördern. Nach dieser Rede, die bei allen Zuhörern den Willen zur tätigen Thoraförderung erweckte, danfte der Obmann des Vereines, Herr Jacob P i n k a s, im Namen der Vereinsleitung und auch im Namen jener Bachurim denen die Fürsorge des Vereines zugute kommt Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Fürst für seine innigen Worte und für sein dem Vereine stets entgegengebrachtes Wohlwollen. Er richtete an die Ergsienenen nochmals den Appell, nach neunmaligen, dem taate gewährten Anleihen nunmehr gemäß dem Thorawvrte: Haassiri jijeh Kaudesch in zehnter, heiligen Zwecken gewidmeter Hilfsbereitschaft dem Tifers Äachurim-Dereine die finanziellen Mittel zu bieten, seiner edlen jüdischen Aufgabe dienen zu können. Prag. Am. 27. November 1916 hielt der Verein „Sinai" zur Wahrung der Jntereffen des konservativen Judentums seine bereits im Sommer geplante, jedoch durch die Grippegefahr mehrmals aufgeschobene ordentliche Mitgliederversammlung ab. — Der Obmann der Propagandakommission, Herr Markus Ungar, leitete die Versammlung ein und berichtete eingehend über die Vereinbarungen des „Sinai" mit dem jüdischen Nationalrat. Zum Schluffe seines Berichtes gedachte der Redner des Unglücks in Lemberg. Lauter Beifall, der den Ausführungen folgte, gab jedem deutlich zu verstehen, daß das neurevidierte Programm mit erdrückender Majorität angenommen ist. In der Debatte, die sich dem Referate anschloß, suchte Herr Dr. Kohner iw gewählten Worten auf die Nachteile unseres Anschluffes Hinzuwelsen und erklärte, daß die causa movendi der gegenseitigen Vereinbarungen im gemeinsamen Angriffspunkt der Kultusgrmeinde zu suchen sei. Einige Redner, darunter der Vizepräsident ves jüdischen Nationalrates, Herr Doktor Max Brod, sowie Herr Proft Dr. .Alfred Engel (was hatten diese beim „Sinai" zu suchen? — Red.), sowie Herr Dr. S. Lieben, traten diesen Ausführungen entgegen. Zum eigentlichen Programmpunfte, über das jüdische Schulwesen, kam es nicht. Es wurden noch einige kleine Punkte erledigt und hierauf folgende Resolutton angenommen: Die am 27. November 1918 tagende Mitgliederversammlung des „Sinai", billigt den Anschluß deS „Smai" an den jüdischen Nationalrat auf Grund der getroffenen Vereinbarungen und unter Wahrung seines Programme?. Hamrbia. - GroBe Schiffgasse 8. - Gebetsfunden in der Zeit vom 2. bis 9. Schebat 5679 (2. bis 10. Jänner^* Freitag, den 2. Schebat: Sabbateingang 405. Samstag, Morgengebet 7 15 nnd 9 30, Mincha 12-15 nnd 3 30. Sabbataasgang: 450. An Wochentagen: Morgengebet 7 Uhr, Mincha 4 Uhr. Donnerstag, den 8. Jänner, ]-|fj Mincha 3 45. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trau* ungen und Barmizwah werden während der Kanzieistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegeagenommen. Oberkantor (juwn }?n) wird im Bethause der „Adas Jisroel“ (Schiffsch'ul) aufgenommen. Erforderlich ist entsprechende fachliche, erstklassige Befähigung. Nur solche Bewerber können Berücksichtigung finden, die bisher ausschließlich in streng orthodoxen Bethäusern tätig waren. Gesuche mit dem Nachweise der bisherigen Verwendung und des Familienstandes sind an den gefertigten Vorstand zu richten (Gesuchsbelege in Abschriften). Spesen werden nur dem Aufgenommenen vergütet. <i_S) Wien, 18. Dezember 1918. Der Vorstand der „Adas Jisroel“ (Schitfschui) Wien, II., Große Schiffe**«« *• Jakob Fuchs Philipp Back Schriftführer. Obmann. ERSTER SERRET9R war llll GESUCHT. ~M Erforderlich ist streng religiöse Lebensführung, Repräsentationsfähigkeit, stilistische Gewandtheit (deutsch und tunlichst auch hebräisch) und Kenntnis des jüdischen Gemeindewesens. Gehalt nach Uebereinkommen. Offerte mit Angabe der bisherigen Verwendung und des Familienstandes sind an den gefertigten Vorstand zu richten. <i_3) Wien, 18. Dezember 1918. f Der Vorstand der „Adas Jisroel“ in Wien, II., Große Schllfgaese 8. Jakob Fuchs Philipp Back Schriftführer. Obmann. BRENNHOLZ : hart und weich : geschnitten und gehacht Ai wird fuhpenweise uerhauft und zugestellt 33 - Anträge an: ,,-s) E. Zopp erlisch. Wien, XVII., Kainzgasse S, 11/17. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII:, Hemalser Gürtel 20.