Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 422)
- Language
- German
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397 Bemerkungen. Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutschösterreich. X. Band. Urkunden aus Wiener Grundbüchern zur Geschichte dei Wiener Juden im Mittelalter. Im Aufträge der Historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit einer Einleitung von Otto H. Stowasser herausgegeben von Rudolf Geyer und Leopold Sailer. Wien 1931. Deutscher Verlag für Jugend und Volk. XV u. 698 S. 8®. Ein Urkundenwerk von außergewöhnlicher Bedeutung. Es enthält die Judenurkunden aus den Grundbüchern der Stadt Wien oder richtiger aus den Grundbüchern im Besitze der Stadt Wien. Fast 2000 Satzurkunden sind zusammengetragen worden, die ältesten — 7 an der Zahl — aus d. J. 1381, die jüngsten aas d. J. 1438. Allerdings die Urkunden nach 1421 berichten schon nur von Vergangenem, denn das Jahr 1421 setzt der alten Judengemeinde Wien und den anderen uralten Gemeinden Österreichs ein gewaltsames schreckliches Ende durch die »Wiener Geserah“. Dementsprechend berichten auch die Urkunden nach 1421 von ehemaligen Judenhäusern, oft heißt es ״sie seien an Herzog AL brecht gekommen4‘, der sie dann in Gnaden verschenkt oder verkauft, zwei solcher Urkunden berichten auch von dem Hausbesitzer Meister Gabriel, dem Neuchristen, alles Auswirkungen der Geserah. Der Wert der Urkundensammlung liegt darin, daß sie uns orientiert über die Stellung der Juden im Erwerbsleben Wiens, vornehmlich im Geldhandel; allerdings wie Stowasser in Seiner Einleitung treffend bemerkt, sind wir über den prozentuellen Anteil der jüdischen Geldleiher damit noch nicht unterrichtet, da erst der Handel der um diese Zeit immer höher ansteigenden christlichen Geldleiher genau erfaßt und dann in eine geldgeschichtliehe Relation gebracht werden müßte. Die Publikation hat über diese wirtschaftliche Bedeutung hinaus noch ihren besonderen Wert für die jüdische Geschichte, durch die vielen Namen von bisher meist unbekannten Juden, die sie uns vermittelt, die als Geldgeber und Grundbesitzer auftreten