Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 415)
- Language
- German
- Belongs to
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sem vergessen, sondern unter Tageslicht, mit all ihren Sinnen und Organen, Absage leisten an alles, was gestern gewesen ist, vei^ zichten noch au! das Letzte, was ein Mensch besitzen kann, von Mal zu Mal beginnen, sich neu zu formen. Nicht bei allen verschlägt es. Nur fünfzig von hundert Nawardokern bleiben fromm. Es ist beit Tausenden von uns trotz allem und allem nicht erreicht worden, was Nawardok und Rabbi Israel gewollt haben« Die Sande ist stärker gewesen. Wir haben dieser Welt nicht entsagen können, wir haben unsere Tage an Nichtigkeiten gehängt, sind in die Hast geraten und haben über dem Tun die Taten vergessen. Wenn man will, hat der Mussar uns nichts genützt. Im Gegenteil. Wir sind vielleicht viel hungriger geworden ond dann schlechter gewesen als andere. Aber keiner ist unter ans, der nicht Umkehr tun könnte. Keiner ist da, den es nicht noch im tiefsten Pfuhl, weit weg, nach Jahren und Jahrzehnten, plötzlich einmal mitten in der Nacht auf triebe zum Mussar. Ja, wir haben uns verloren, uns aus der Hand gegeben. Aber wir halten uns noch, immer noch lose, von weitem, wie an der Leine. Kein Sumpf, in den wir nicht versinken, kein Götze* vor dem wir uns nicht bücken, kein Verlangen, dem wir nicht nachgeben. Die Sünde hält uns Tage, Stunden, Wochen, Jahre fester, stärker als jeden anderen. Aber Mussar reißt uns wieder auf. Mussar läßt uns: keine Ruhe; Seit Jahr and Tag haben wir kein Gebetbuch mehr in der Hand gehabt, seit Jahr und Tag nicht mehr an unser Judentum gedacht, das Wort ״Gott“, vielleicht das Wort ״rein“ nicht ausgesprochen, aber plötzlich und unwiderstehlich stehen wir dann in einer Zimmerecke und weinen und schreien, und alle Bande, alle Erziehung, alle Bildung sind abgeglitten, und wir wissen wieder, wie aufgebläht wir waren und wie klein wir sind, und zwischen Schein Und Sein gähnt jene Leere, aus der die Umkehr kommt. ■ r'׳• Wö haben wir uns nicht schon alles getroffen, Genosse? ~ Wohin haben wir uns nicht schön altes verlören, Bruder?—- Aber