Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 409)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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384 das Ehrgelüst angegangen werden und das bis zum Elul, wo wieder die Arbeit um Tschuwa und Gottesfurcht beginnt.“ Damit sind die Begriffe und mit dem Schmues die Anschau־ angen von Nawardok genannt. Es bleibt noch zu schildern, wie die Praxis aussieht. So führen sie ihren Krieg: Sie kommen bei Nacht in kleine Städtchen und nisten sich im Beth-Hamidrasch ein. Wenn am Morgen nach ihrer Ankunf die Leute aufstehen, die Läden an ihren Fenstern zurückstoßen hastig das Gebetbuch nehmen und in die Gasse hinausschlurfen aufs Bethaus zu, dann bleiben sie plötzlich vor einer Tür stehen, auf der mit großen Kreidebuchstaben zu lesen ist: Juden tut Umkehr! Es wird den Leuten dann ein bißchen ungemütlich. Es ist, als wenn die mit Füßen getretene Gottesfurcht plötzlich Mund zum Sprechen und Hände zum Schreiben bekommen hätte und nun durch die Stadt ginge, malmte. Frauen bleiben vor den Kreidebuch8taben stehen und seufzen. Kinder staunen sie mit großen Augen an, über die Alten legt sich eine Wolke von Unzufriedenheit mit sich selbst. Eine Stunde später schon weiß man: es sind Nawardoker im Städtchen. Man wundert sich dann garnicht mehr, wenn sie auf dem Markt eine sogenannte ״Börse“ eröffnen. (Warum das ״Börse“ heißt, weiß ich nicht, Vielleicht weil die Nawardoker es mit der Leidenschaft eines Spielers, eines Spekulanten lieben. Vielleicht auch, weil es da erregt und hitzig zugeht. Allenfalls: gekauft und verkauft wird hier nichts.) Es ist nicht mehr als eine kleine Menschenansammlung, in deren Mitte einer steht und sich anklagt, bekennt, beichtet, Buße für sich fordert. Er erzählt zum Beispiel, während neugierige Fuhrleute und Wasserträger sich zu dem Auflauf gesellen, daß er heute früh, als er zu beten anfangen wollte, gedacht hat, er, der sein ganzes Leben der Tora widmet, sei doch etwas mehr wert als beispielsweise ein Marktweib. Er, der durch die Städtchen fährt and versucht, Leute für Gott und die Wahrheit zu gewinnen, sei doch für den Himmel weniger entbehrlich als irgendein Schweinehirt.