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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 368

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 368)
Language
German
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eia aufrechter, ehrlicher Jade wachsen. Ein ״Stolz Israels64, ein Slobodkaer eben. Wo die Bede vom Alten ist, scheint mir auch der rechte Ort für eine Antwort auf die Frage, weshalb erst unter ihm, im Schülerschülergeschlecht also, in Slobodka wie in allen anderen Jeschiwoth, der Mussar seine eigentliche Form gefunden hat. In Slobodka haben Rabbi Jizchak Blaser und Rabbi Naphtali Amsterdam gelehrt, Männer, deren Namen in den Jeschiwoth fast mit der gleichen Ehrfurcht wie der von Rabbi Israel genannt werden. Und doch konnte erst der Alte das ״System“ ganz schaffen. Vielleicht beleuchtet das Faktum und seine Grunde besser als alle theoretische Abhandlung ein Dokument, ein Brief von Rabbi Naphtali Amsterdam, dreizehn Jahre nach Rabbi Israels Tod geschrieben. Er ist an den eigenen Sohn gerichtet und lautet: ״Ich kann mir denken, daß du jetzt in großer Traurigkeit bist, wenn du dich (im Elul) der vergangenen Zeiten erinnerst, wo du in Keim in der Gemeinschaft der Frommen und der Mussarlemenden geweilt hast. Deshalb will ich dich heute ein wenig beruhigen und trösten; denn meine Traurigkeit ist ja noch viel größer, wenn ich mich an die vergangenen Zeiten erinnere, wo wir uns jeden Tag im Elul in der Mussarklaus von Rabbi Israel versammelten und er zu uns sprach und mit seinen Worten an uns rüttelte, bis daß wir alle zusammen schrieen: Führe uns zurück . .. Was denkst du, haben wir damals nicht viel mehr bekommen und erlebt als du in Keim? Und doch tröste ich mich und beruhige mich. So auch beruhige du dich und denke an das, was der Misehnalehrer sagt: wenn nicht ich für mich stehe, wer dann? Ich sitze jetzt allein in einem Zimmer für mich und lerne etwa zwei Stunden am Tag Mussar. Eine Stunde morgens im ״Schaarej Keduseha“ und eine abends im ״Rescbit Chachma64. Und wenn die Gedanken der Bücher recht ins Herz dringen, dann tröste ich mich; denn das Mussarlemen in Erschütterung belebt die Seele. Und das, obwohl ich meine Erschütterung nicht so nach außen dringen lassen kann, wie in der Mussarklaus, weil auf derselben Etage, auf der ich wohne, direkt vor meiner Tür, Leute arbeiten, Gerber.

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