Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 364)
- Language
- German
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339 einer einen Michladen auf machen wollte.“ Damit wird dir ständig ins Bewußtsein gestellt, wie klein, wie harmlos und unverfänglich ein Greinst sein kann and wie unglaublich weitgreifend, wie sehr in alle Zeiten wirkend die Konsequenz. (Es kommt natürlich dabei nicht auf die ״Richtigkeit“ des Bonmot an. Die Aphorismen, hier wie überall in den Massarjeschiwoth, sind |a nicht geistreiche Apercus, sondern in erzieherischer Absicht zu bestimmter Welteinstellung hindrängende mnemotechnische Hilfsmittel.) Ähnlich sagen sie zum Beispiel auch in Slobodka: — ״Im Midrasch steht: Esau begehrte Jacobs Tochter, die Dina, zur Frau. Als Jacob das sah, hat er sie vor ihm versteckt. Obwohl nun Jacobs Absicht dabei gut war, obwohl er sie nur versteckte, weil er Esau genau kannte, — trotzdem: weil er seinem Bruder eine Bitte abschlug, ist er mit dem Fall der Dina gestraft worden. Der Schmuess malt das dann aus: ״Stellt euch vor, wer Esau war: Feind Jacobs, noch ehe sie beide geboren wurden, einundzwanzig Jahre hat Jacob seinetwegen in der Fremde Diener und Sklave sein müssen, in unbeschreiblicher Angst er ihm dann endlich entgegenzieht, er weiß, was für ein Raufbold, wie unjüdisch, gotteslästerlich dieser Esau ist. Und er verlangt nun seine, Jacobs Tochter. Natürlich versteckt der Vater sie ängstlich, er fürchtet für ihr Leben, ihren Namen und ihr Glück. Er versteckt sie in der reinsten Überzeugung, es tun zu müssen, aus ungemischter Vaterliebe, nur um der Frömmigkeit willen, nur um seine Tochter vom Zwang zum Götzendienst zu befreien. Er meint eine absolut gute Tat zu tun, — und man bestraft ihn mit der schlimmsten Schändung, die die biblische Geschichte kennt. — Warum? Weil er einem Bruder eine Bitte abschlug. “ Die Slobodkaer hören das und schweigen eine Weile. Es wird ihnen eindrucksvoll und mit großem Aufwand von Temperament gesagt und bleibt in ihnen haften. Es wird in der Jeschiwa besprochen und zum geflügelten Wort. Es übt jene eigenartige Wirkung aus, die die humanistischen Erzieher Mitteleuropas immer haben erreichen wollen und nie haben erzielen können: die 33*