Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 363)
- Language
- German
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333 den Bundban aller Chancen des Lebens öffnet, dieser Satz hat in Slobodka nur noch damit einen an den Mussar gemahnenden Sinn, daß er auch als Verpflichtung ausgedeutet wird. ״Um meinetwillen ist die Welt erschaffen worden“, das heißt: für mich, ich bin ihr Herr; es heißt aber auch: ich bin ihre Ursache, ihr Ziel, und — ein hohes Ziel. Im Slobodka von heute (das sich allerdings wesentlich von dem seiner Geburtsjahre unterscheidet) ist deshalb Lebendigkeit zu Hause. Slobodkaer singen, viel und gern. Slobodkaer haben eine Beschwingtheit in ihren Melodien und in ihrem Auftreten, die in seltsamem Widerspruch steht zu den bewußt düsteren Nigunim der ersten Mussarklausen und den gebeugten Rücken der ersten Mussarschüler. Ja, im Slobodka von heute und von vor zehn Jahren haben die Rabbis, wenn einmal einer mit asketischen Neigungen sich zu ihnen verirrte, sie ihm beinahe gewaltmäßig ausgetrieben. Sie können Leute, die das Joch der himmlischen Regierung nicht wie freudige Freiwillige auf sich nehmen, nicht leiden. Und doch haben sie die Lehre von Rabbi Israels Leben wach erhalten. Sie bringen dir das Erschrecken über dich selbst bei. Nur verlassen sie sich da nicht auf die Wirkung der Mussarstunde, nicht aufs einmalige und individuell bedingte Erlebnis, sondern auf dich als den Talmudschüler, den denkenden Menschen. Sie züchten das Erschrecken über sich selbt mit logischen Mitteln und im Gebiet logischen Gedankenablaufs, sodaß es mehr ein Erstaunen als ein Erschrecken wird. Sie drohen nicht mit den Strafen der Hölle, sondern sie zeigen dir die Sünde, die Versuchung, an der du achtlos vorüber« gehen wolltest, in ihrem Kern, den Möglichkeiten ihrer grauenhaften Auswirkung, dem Gewicht, das unser Schrifttum ihr beimißt, sie analysieren und definieren die Gefahr, sie drücken sie in Zahlen aus. Und sie pflanzen dir mit ihren Schmuessen, mit ihren Aphorismen, Tag um Tag, im nebensächlichsten Gespräch, beim Aufstehen und Zubettgehen, mit Worten, die der Rabbi gesagt hat, und die sich dir und dem Nachbar bei allen Gelegenheiten auf die Lippen drängen, eine Weltanschauung ein, die zu Recht den Namen Mussar trägt. Sie tradieren zum Beispiel ein Wort des Rabbi, das heißt: מ Aller Schmerz in der Tierwelt hat vielleicht erst angefangen, als