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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 362

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 362)
Language
German
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337 Segenssprüchen beginnt man ans dem Schlaf zn tauchen und von neuem zu fühlen, daß man lebt, dann, daß man denkt, dann, daß man diese und jene besonderen Kräfte hat, daß einem die Angen sich öffnen, daß einem die Bande der Bewußtlosigkeit sich lösen, daß einem der Bücken sich streckt, daß einem Seele in entseelten Körper wiederkehrt. Vielfältiger aber noch ist, was wir mit den Segenssprüchen über die Tora erleben. Um beim Beispiel vom Kinde zn bleiben: Es ist so, als ob das Kind eines Morgens anfängt zn lallen, kurz darauf schon Worte formt, Sekunden später schon sprechen kann, Minuten nachher schon lernen, Mischna, Gemara, als ob im Nu aus einem Säugling ein Gaon geworden wäre. Denn die Segenssprüche über die Tora wollen uns, und wollen noch den Größten unter uns, jeden Tag wieder jene Freude übers Gewachsensein durchleben lassen, die schon in der Vergessenheit versunken war oder niemals recht aufblühen konnte, weil sie sich über lange Zeitstrecken verteilte. Eben noch läßt uns der Spruch die Wandlung vom toten zum atmenden Menschen freudig durchleben, und schon sind wir erwachsen und wissenserfüllt geworden. Deshalb auch die Form der Segenssprüche, die nicht nur auf die Sache, für die wir danken, selbst, sondern ebenso auf ihr Äußeres, ihr Herkommen, ihre Gestalt hinweist. Denn für den Genuß einer Sache ist wesentlich, wie sie dargeboten wird. Kostbarste Speise, schmutzig gereicht, schmeckt nicht. Und die Segenssprüche wollen, daß uns ״schmeckt“, was wir Mal um Mal als neu empfangen.“ Das also ist aus Babbi Israels Lehre geworden. Weit mehr als der nur zerknirschende, nur mahnende Aufruf, weit mehr und fast ganz anderes. Slobodka schon, — obwohl vom eigentlichen Interpreten Babbi Israels, Babbi Jizchak Blaser, gegründet, — sagt deutlich vernehmbares Ja zum Leben und noch zn dieser Welt, wie sie ist. In Slobodka ist vergessen, was ich als ein Wort Babbi Israels wiedergab, daß der Mussar noch die Träne ״trejfa“ macht und an seine Stelle ist ein anderes getreten, ein Talmudwort: ״Der Mensch hat zu sagen: um meinetwillen ist die Welt erschaffen worden.“ Dieser Satz, der dem Mussar, wenn auch nicht die Selbstsicherheit, so doch das Selbstgefühl wiedergibt, der jedem einzelnen das ganze Weltall zur Disposition stellt, ihm Jahrbuch <ter j. L. Q. XXJJ.

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