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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 139

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 139)
Language
German
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114 sich eia Bind (goldenes Kalb) befindet. Die Gesicbtszüge lassen einen energischen, im Sinne des Zeichners unerbittlichen Mann, keineswegs einen Schwächling erkennen, der nach den ersten Martern zusammenbricht. Damit stimmt der den Holzschnitt begleitende Text fiberein,1) in dem Jossel sich selber ״unverzagt“ nennt.2) Da die Regensburger Juden infolge Eingreifen des Kaisers von ״Bad und Brand“ verschont geblieben waren und man ihnen nicht ans Leben konnte, tobte sich der ganze Haß des Volkes in diesem Flugblatte aus. Alle Schlechtigkeit wird den Juden nachgesagt, und als Herold aller Juden offenbart der ״schalkhafte Bösewicht“ Jossel ihre Bosheit. Es ist hier nicht der Ort, auf den ganzen Inhalt der Schmähschrift einzugehen. Von sich selber sagt Jossel: Ich mag mich des berüemen auch, das ich von meiner mueter pauch pin der Goyen veind gewesen. ihm ledig werde“, der Rat möchte die Pfänder bei Mair [Mail* Heller] unverruckt lassen, damit ihm kein Schaden geschehe: HStA., Gemeiners Nachlaß, Karton 11. Spätere kleine Geldgeschäfte Jossels begegnen uns 1481—85 in der ״Bestettung der Jaden irer schulden lautt der gerichtspucher etc.“ in Gemeinere Karton 18. Dort werden aus der Zahl der 1480 entlassenen Gefangenen noch Gelddarlehen von Ansei (1481—85), Sayda Straubinger (1482—88), Jang Straabiuger (1483), Mair Schalman (1489) und Eberl (1489—97) bestätigt, vorausgesetzt daß Eberl von Werd gemeint ist. ף Schreiber (siehe weiter) beschreibt: vor einer Säule, י) Reproduziert von Haberditzl, Die Einblattdrucke des 15. Jahrhunderts in der Kupferstichsammlung der Hofbibliothek zu Wien, Bd. 1 Tafel CXIX Nr. 179, S. 40—41. In Verkleinerung von Liebe, Das Judentum in der deutschen Vergangenheit, S. 36. Vgl. Chmel, Der österreichische Geschichtsforscher 1,116-18 und Schreiber, Handbuch der Holz- und Metallscbnitte des 15. Jhdts. IV, 107—108 Nr. 1964 (Manuel de l’amateur, S. 306—307). Als Zeit des Reiberdruckes geben Schreiber ״etwa 1475“ und Haberditzl ״in den 70er Jahren des 15. Jhdts.“ an. Beide setzen irrig eine Vertreibung der Regensburger Jaden 1474 voraus. Der Holzschnitt kann nicht früher als 1480 nach Freilassung Jossels und der anderen 16 Juden hergestellt worden sein. Den Irrtum Liebes, der unsern Jossel mit Josel von Rosheim identifiziert und den Druck aus der ersten Hälfte des 16. Jhdts. datiert (siehe auch Liebe S. 38), hat bereite Haberditzl berichtigt. *) ״Dann lauff ich Gössel unverzagt**. Im Eingang des Textes: ״Und hayß der Gössel unverzayt, ein herolt aller Jüdischayt“. Unverzayt statt unverzagt ist mit Rücksicht auf den Reim gewählt, es weist wohl auch auf den unverzeihlichen, erbarmungslosen Charakter des Geldleihers hin.

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