Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 129)
- Language
- German
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104 Nach Osiander1) waren die Gefangenen die Reichsten der Gemeinde. In den Vermögenslisten 2) umfaßt das Inventar Simons nicht weniger als acht engbeschriebene Schmalfolioseiten, das des Straubinger sechs, das des Mail* Heller vier Seiten. Hausbesitzer Jossel, wohl der erste Vorsteher, war nach der später zu besprechenden Schmähschrift ״ein herolt aller Jüdischayt“, Straubinger Besitzer einer Synagoge in seinem Hause. Die Hausbesitzer Simon und Heller waren Steuereinschätzer der Gemeinde.3) Letzterer (Meir b. Moses hallevi) ist einer der Regensburger Vorsteher, an die Israel Isserlein sein Gutachten Nr. 214 richtete. Mit den sechs Gefangenen begnügte sich der Rat nicht. Jossel, Schmoel und Simon hatten in ihrer Fojternot weitere Juden als Mittäter bezichtigen müssen. So wanderten am 9. April, am ersten Tage des Peßachfestes, wiederum mit Genehmigung des Herzogs4) noch elf Regensburger Juden in den Kerker5 6): Groß 1) Jahrb. XVIII, 370 Anm. 1. 2) Akten Nr. 18. *) S. 85 Anm. 5. 4) Da der Herzog am 6. April Hans Fraunberger als Vertreter bei der Inventarisierung des Judengutes bestellte — S. 82 Anm. 9, am 9. April ist Erhard von Murach Vertreter des7 Herzogs — dürften die Abgesandten des Rats am 5. oder 6. April in Landshut gewesen sein. Wie der Rat S. 81 erzählt, hatte damals auch Simon schon ein Geständnis abgelegt. Diese Urgicht hat sich nicht erhalten, es liegt erst eine solche vom 7. April vor. 6) Die S. 82 vom Rat mitgeteilte Liste ist nicht zuverlässig. Sie zählt zwar elf Namen auf, führt aber die identischen ״Eberlen, der Jacobin sune“ und ״Sehwartz Eberlen“ als zwei verschiedene Personen auf und nennt ״maister Ysack, Straubingers aidem“, der garnicht gefangen genommen wurde. Siehe Jahrb. XVIII, 371 und XX, 178. Demnach verbleiben nur neun Namen. Es fehlen Josuel Leser und Abraham von Kitzingen! Straubingers Schwiegersohn Isak wurde zwar von Jossel im ersten Verhör am 30. März erwähnt, doch noch an demselben Tage seine Anwesenheit in der Synagoge bezweifelt. In den späteren Urgiehten Jossels kommt. Isak nicht mehr vor. Man hat von seiner Veihaftung Abstand genommen. Bereits am 3. April (Mittwoch nach St. Ruprecht) schwur er Urfehde, die Versperrung seines nnd seiner Frau Vermögen wurde aufgehoben: Jahrb. XVI11, 371 nach HStA., Juden in Regensbürg fase. 32. Dies zeigt, daß, wie man auch als selbstverständlich annebmen konnte, am 29. März das Vermögen der ersten sechs Gefangenen ohne weiteres beschlagnahmt wurde. Isak muß bei seinem Schwiegervater Straubinger gewohnt haben. Am 17. August schwur auch Isaks Frau Ölkel Urfehde: Jahrb. XVIII, 376 Nr. 34. Straubingers Schwiegersohn ist mit Isak von Stein 1’dentisch: S. 100 Anm. 4.