Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 309)
- Language
- German
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303 Einige Grabinschriften. Die Schrift auf den Grabsteinen ist gewöhnlich eingerahmt; außerhalb der Einrahmung befinden sich an den vier Ecken des Steines erhöhte Rosetten oder ähnliche runde Verzierungen, die sich vielleicht aus der Überlieferung erklären lassen, daß die liegenden Grabsteine der reicheren Portugiesen in der Kirche gewohnlich ein Familiengrab deckten und, um bei eintretendem Todesfall den Grabstein leichter heben zu können, man ihn an den vier Ecken mit Knäufen oder Ringen versah. Die Rosetten, die sich daraus entwickelt haben, wurden von den Portugiesen bis in unsere Zeit beibehalten. Allerdings finden sich auf den ältesten Steinen in Altona und Glückstadt wohl aus Gründen der Frömmigkeit diese Knäufe und Einrahmungen nicht. In Glückstadt ist die Weiterentwicklung nicht immer deutlich wahrnehmbar, weil dafür zu wenig Grabsteine vorhanden sind. Nach den einfachen Grabsteinen der Zeit bis 1620 kamen Steine mit einfacher Umrahmung, sodann wurde die Umrahmung kunstvoller und verzierter ausgeführt, bis gegen 1660 prunkvolle Grabsteine auf kommen, die aber nur mit Wappen verziert sind, bis sich endlich gegen 1720 ganze bildliehe Darstellungen auf den Grabsteinen finden, sowohl allegorische wie biblische. Gegen 1730 setzt die entgegengesetzte Bewegung ein, bis sich von 1750 an nur allereinfachste Grabsteine ohne Umrandung, aber mit umfangreicher Grabschrift finden. Die Grabsteine in Glückstadt lassen deutlich erkennen, daß sie genau dieselbe Entwicklung wie die in Hamburg durcbgemacht haben müssen, und die Verzierungen der Umrandung, Engelskop! mit Flügel, oder andere Verzierungen, wie Totenkopf und Stundenglas, die eigenartige Einrahmung eines Grabsteines mit Säulen (vergl. die Titelbilder der Amsterdamer Drucke von Uri ha-Levi und die Steine der Mussaphias und anderer in Altona) weisen auf den engen Zusammenhang hin, der zwischen Hamburg und Glückstadt bestand. Wenn man die Form der Buchstaben mit denen auf den Steinen in Hamburg vergleicht, kann man wohl annehmen, daß die Grabsteine sowohl für Hamburg wie für Glückstadt von denselben (höchstwahrscheinlich portugiesisch-jüdischen) Künstlern stammten. Bei einem Vergleich wird man stets finden, daß etwa neuauftauchenden Formen und Verzierungen der Grab-