Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXI. (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 293)
- Language
- German
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Die portugiesischen Juden in Glückstadt. Von Alfonso Cassuto, Hamburg. Das erste öffentliche Zeugnis für das Vorhandensein von Juden nördlich der Elbe datiert aus dem Jahre 1577, als ein kaiserlicher Gesandter in der Türkei berichtet, dass in Hamburg Juden leben, die sich vordem in Portugal zum Christentum bekannt hatten. Sehr gross an Zahl wird wohl diese Hamburger Ansiedlung damals noch nicht gewesen sein, da erst gegen 1600 die Hamburger Bürgerschaft sich über diese Portugiesen, darunter ״rechte Juden“, beklagt, und erwähnt, dass sie jetzt recht zahlreich vorhanden seien. Es ist nun zweifelhaft, ob die ersten Portugiesen grossen Zuzug erhalten hatten, oder ob sie mehr hervortraten, da man sie bereits viele Jahrzehnte in Religionssachen unbelästigt gelassen hatte. Jedenfalls stellt sich im Jahre 1612 heraus, dass damals bereits 44 portugiesisch-jüdische Familien in Hamburg wohnten, während in den Jahren von ca. 1606—■1611 die Zahl der Personen angeblich von ca. 6 auf 90 und von da bis 1612 auf 125 gestiegen war. Es ist anzunehmen, dass man im Anfang weniger Personen angab, um nicht die Aufmerksamkeit der christlichen Bevölkerung auf sich zu ziehen, und es daher für geraten hielt, ein allmähliches Anwachsen vorzutäuschen. In dem betreffenden Verzeichnis von ca. 1610 ist bei sehr vielen Personen angegeben, dass sie wegziehen wollten, oder sich in Hamburg nur auf der Durchreise aufhielten, während aber die Mehrzahl derselben in Hamburg geblieben zu sein scheint. Jedoch beobachtete die Bürgerschaft und besonders die protestantische Geistlichkeit mit scheelen Augen den Reichtum dieser Juden, in deren Händen sich ein grosser Teil des Hamburger Aussenhandels befand. Trotz aller Anfeindungen fuhr diese kleine jüdische Ansiedlung fort zu wachsen und