Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 389)
- Language
- German
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316 ״sich in Prag zusammen, um zu Füssen der grössten Lehrer ihrer ״Zeit zu lerne□, und sie trugen dann den Namen Prags hinaus in ״alle Orte, wo Juden wohnten. Zu allen Zeiten gab es in Prag ״Meister der Thorawissenschaft, die jüdische Geschichte kündet uns ״ihre Namen, die rabbinisehe Literatur ihre Werke. ״Nur wenigen war es beschieden, dass ihr Andenken auch ״ausserhalb der Zunft der Gelehrten bekannt blieb, dass ihr Wirken, ״durch Sage und Dichtung verherrlicht; fortlebt in der lebensfrischen ״Erinnerung des Volkes. Ein solches Gedenken ward Rabenu ״Jehuda Liwa ben Bezalel zuteil. In der ganzen Judenheit gibt es ״nicht viele, die nichts von ihm gehört haben, sein Name klingt ״wohl den meisten fremd, doch nennen wir bloss seinen Beinamen ״״der hohe Rabbi Löw“ oder ״Mehral miprag“, dann erinnert sich ״jeder des Namens, von dessen Wundertaten die Sage so viel er- ״zählt, dessen Golem wohl die Kinderstube aller Ghetti bevölkert. ״Was hat nun der hohe Rabbi Löw geschaffen, wodurch sich ״seine Popularität erworben? Seine grossen Werke, die sich mit ״®ibelerklärung, mit Auslegung schwieriger Hagadastellen, der ״Spruche der Väter, mit der endlichen Erlösung Israels befassen, ״bilden wohl keinen hinreichenden Grund. Auch andere haben ״ebenso grosse, ebenso gelehrte Werke verfasst und ihr Name ist ״ypm Volke längst vergessen. Ja, noch viel mehr! In den Responsen ״zeitgenössischer Gelehrter wird Rabenu Jehuda Liwia als der be- ״deutendste Gelehrte seiner Zeit gefeiert, er wird ״der Löwe unter ״seinen Kollegen“, ״unsere Augenweide“, ״unser Lebenshauch“ ge- ״nannt, ohne dass wir eigentlich in seinen Werken das Korrelat ״hieza, die ihm nachgerühmte beispiellose Gelehrsamkeit finden. ״Darin liegt wohl der Schlüssel zu dem Geheimnisse seines Ruhmes. ״J&T bat eben vieles geschaffen, was nicht in seinen Büchern steht, ״ebenso wie seine Werke uns seine einzige Gelehrsamkeit nur ahnen ״lassem Dar hohe Rabbi Löw war kein Stubengelehrter, war weniger ״ein Mann der Worte als viel mehr ein Mann der Tat. Er wählte ״die Werke, die er veröffentlichte, vom Gesichtspunkte der Wirkung, ״die sie erzielen konnten, und darum sind darunter nur wenige, die ״nur der verhältnismässig kleinen Gelehrtenrepublik von Nutzen sind. ״Die Meisten seiner Werke wenden sich an das Gros seiner Zeit- ״genossen, sie behandeln agadisehe Stoffe, die sonst von den grossen ״Meistern vernachlässigt erscheinen, trotzdem schon der Talmud der