Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 290)
- Language
- German
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217 ivünschten die ländlichen Commissionsmitglieder auch die Berufung von Rabb. Dr. Lehmann-Mainz und Dr. Plato-Frankfurt a. M., namentlich Jonas Meier aus Trebur erklärte, dass Rabb. Treuenfels aus Weilburg als Prediger zwar genüge, doeh habe derselbe bei einer Rabbinerversammlung in Frankfurt1) Meinungen vertreten, die dem wahren Judenthum widerstreben, z. B. dass das Erscheinen des Messias zweifelhaft sei. Dr. Landsberger-Posen habe ihm besser gefallen, aber seine Richtung sei ihm unbekannt. Deshalb empfehle auch er die Berufung von Dr. Lehmann und Dr. Plato. Dagegen treten die beiden Darmstädter Geistlichen in einem ausführlichen, die geschichtliche Entwicklung der Darmstädter jüd. Gemeinde würdigenden Gutachten für die beiden Probekandidaten, namentlich für Treuenfels-Weilburg ein. Prov. Direktor v. Willich empfiehlt mit dem Darmstädter Vorstand Dr. Landsberger, während er von der Berufung der HH. Rabb. Dr. Lehmann und Dr. Plato wegen deren streng orthodoxen Richtung Abstand zu nehmen bittet. Der hessische Bundestags-Gesandte Frh. v. Münch-Bellingshausen, Excellenz, sowie der Frankfurter Anwalt Dr. R. Pfefferkorn wenden sich eingehend an das Ministerium des Grossh. Hauses und des Äussern bzw. an den Grossh. hess Kammerherrn Frh. v. Leonhardi für Oberlehrer Dr. Plato. Auch protestieren mehrere jüd. Einwohner von Darmstadt2) am 28. Juni 1859 beim Ministerium gegen die Ernennung der beiden Kandidaten Landsberger und Treuenfels und bitten um Einholung von Gutachten rechtgläubiger Rabbiner (genannt wurden Oberrat AltmaDn-Karlsruhe, die Rabbiner Dr. Enoch- Fulda, Fromm-Homburg, Adler-Aschaffenburg, Bamberger Würzburg, Tiktin-Breslau, Oberrabbiner Stern-Hamburg, Ettlinger Altona). Am 16. August 1859 wurde Dr. Julius Landsberger zum Rabbiner des Bezirks Darmstadt auf Widerruf ernannt. Als Gehalt bezog er bis 1872 jährlich 1500 fl, von da ab 2100 fl, als Lehrer an der Religionsschule eine Remuneration von 500 fl und für Bürokosten 150 fl. Der neue Rabbiner scheint sofort die Zufriedenheit der Darm- Städter Gemeiude erworben zu haben, denn ein Jahr nach seinem 1) Wahrscheinlich auf der Frankfurter ״Rabbinersynode“. 2) Unterschrieben sind: B. Meyer, Löw Sulzbacher, Jakob Marx, W. Heil, Joseph Stade, H. Mayer, Abraham Haas, Mordcbe Marx, Max Mayer, Lueas Oppenheimer, Jacob Kahn und M. H. Mayer.