Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 73

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486301--7687-3494065
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ober Psalmenlektüre. Ein Vortrag. Von Bez.-Rabb. Dr. Stein-Schweinfnrt. Ich erinnere mich, einmal ans dem Mnnde des Amsterdamer Oberrabbiners Dr. Dünner 8. A. ein vielsagendes Witzwort gehört zu haben. Es sprach jemand seine Verwunderung darüber aus, dass so wenige Jehudim wirklich etwas von den Psalmen verstehen, wiewohl doch jeder täglich sein Tehillim sage. Der Widerpart des Fragers habe darauf geantwortet, ihn wundere das nicht; denn jeder sage eben sein Tehillim, wie er es versteht und gewohnbeitsmassig her unter leiert. Wenn man wirklich Tehillim sagen würde, wie sie objektiv verstanden werden müssen, dann wäre allerdings der Mißstand verwunderlich. In der Tat gibt es keine Lektüre, die der Erklärung mehr Schwierigkeiten macht, als gerade die Psalmen. Die Psalmen sind lyrische Gedichte, Gefühls-Poesie. Die lyrische Poesie ist immer schwieriger zu erfassen, als etwa die epische oder dramatische. Wir möchten es von vorneherein aussprechen, dass nur der die Psalmen verstehen kann, der mit einem empfindsamen Gemüt, mit einer poetisch eingestellten Seele, deren Saiten durch die Psalmen in Schwingung versetzt werden, an sie herantritt. Nur einer mit rechtem Gefühl ausgestatteten Persönlichkeit erschliesst sich Sinn und Bedeutung der Psalmen. Es bedarf zur sachgemässen Lektüre der Psalmen auch eines offenen Auges, eines, ich möchte sagen, divinatorischen Blickes, der sich in die Seele des anderen zu versenken vermag, der die Situation zu erfassen versteht, welche den Ausgangspunkt eines Psalmes bildet. Oft genug können wir im Zweifel sein, ob wir in einem Psalm eip Dankgebet oder ein Bittgebet vor uns haben und nur die Möglich- Jahrbuch der J, L. G. XX• 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.