Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 353)
- Language
- German
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Die politische Lage der Juden in Halberstadt von ihrer ersten Ansiedlung an bis zur Emanzipation. Von Ernst Frankl, Halberstadt. Wie bei den meisten jüdischen Gemeinden Deutschlands fehlt es auch in Halberstadt an Nachrichten und Quellen, die anf die erste Ansiedlung der Juden im Bistum Halberstadt hindenten. Das frühe Auftreten der Juden in Halberstadt bestätigt nns der Schutzbrief des Bischofs Volradus von Kranichfeld. Der Brief stammt aus dem Jahre 1261 und wurde mit Übereinstimmung des Halber- Städter Domkapitels erteilt. Es wird darin den Jaden der Schatz versprochen, auch sind sie einer Gerichtsbarkeit unterworfen ״wie es stadtkundig sei“, wenn sie dem Bischof ״die gebührenden and gewohnten Dienste leisten“. Aus welchem Grunde den Halberstädter Jaden dieser vom Gerechtigkeitssinn des Bischofs zeugende Schatzbrief erteilt wurde, weiss man nicht genau. Vielleicht ist er als eine Folge der Balle Innozenz IV. zu betrachten. Die Bulle wurde 1244 erlassen and legte den Bischöfen den Schutz der ihnen unterstellten Jaden ans Herz. Man vermutet aber, dass Volradus sich oft in Geldverlegenheit befand und die Juden ihm als Geldgeber willkommen waren. So lesen wir auch in der Halberstädter Chronik von Hermann Böttcher, dass der Bischof im Jahre 1273 sich gezwungen sah, seine Schulden durch denVerkauf einiger Grafschaften and Schlosser zu decken. Auch hatte er bei Quedlinburger Jaden Geldschulden zu bezahlen. Wir sehen daraas, dass es za jener Zeit in der näheren Umgebung Haiberstadts Juden gegeben hat, doch auch deren erstes Auftreten lässt sich nicht bestimmen.