Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 246)
- Language
- German
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207 Datums sind und im allgemeinen nicht über 1600 zurückgehen. Ursprünglich hatte man in den Gemeinden, um Maharils Minhag zu genügen, für die Memorsabbate nur einfache Listen mit den Namen der Märtyrer, Märtyrerorte und verstorbener Grossen1). Das Interesse der Zuhörer für alle diese Namen verblasste allmählich bei der Vorlesung. Die Listen kämen in Gefahr, verloren zu gehen, ja gingen ziemlich ausnahmslos zu Verlust. In Erkenntnis dieser Gefahr ging man in immer mehr Gemeinden daran,die Listen in Almemorbücher einzutragen mit allen auf dem Almemor (gleich der Memorliturgie) zu verrichtenden Gebetstücken. Es entstanden so Gebetbücher, die vor aller Öffentlichkeit mit einer gewissen offiziellen Feierlichkeit benutzt wurden, da der Vorbeter sie allsabbatlich auf dem Almemor, besonders bei Rezitierung des Fürstengebetes, heranziehen musste. Das Almemorbuch wurde zu einem unerlässlichen Inventarstück der Synagoge; damit erhielt auch die in ihm erhaltene Memorliturgie ihren Schutz. Die meisten Almemorbücher sind erst nach 1700, ja z. T. nach 1800 entstanden nnd enthalten doch uralte Märtyrernnd Nekrologlisten. Wie lässt sieh das anders erklären, als dass man längst vorhandene alte Listen in das nun endlich erstandene Almemorbuch übertrug? Wer weiss, ob nicht Isak b. Samuel rechtzeitig die den alten Namens־ listen aus den Kreuzzügen drohenden Gefahren erkannte, als er sie 1296 zum Bestandteil eines Gebetbuches, des ersten Almemorbuches, machte (Salfeld S. 288—92)!? Ohne Zweifel hat er gerade dadurch uns die wertvollenBerichte in solcher Ausführlichkeit erhalten. Sicher hatten zahllose Gemeinden dieselben oder ähnliche Verzeichnisse; aber sie sind samt und sonders verloren gegangen, als lose Blätter. Erst von dem Zeitpunkt an, da man 3—400 Jahre später sich entschloss, Isaks Beispiel nachzuahmen und solche Listen Gebetbüchern einzuverleiben, blieben sie vor dem Untergang geschützt. Heutzutage sind die allgemeinen Gebetbücher handlicher, bequemer und verhältnismässig billiger geworden, als sie es vor 200 und 300 Jahren waren; überdies ist ]etzt vielfach ein von Dr. Moses Freund (Rödelheim 1905) unter dem Titel ס* שיד ושבדוה herausgegebenes Almemorbuch in Gebrauch, das alle die bisher in den Mbb. aufgeführten ף Wie heute noch in den Gemeinden des polnischen Ritus, ״Untersuctrangen‘4 Jb. XVI 8, 318, mit Note 1.