Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 243)
- Language
- German
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264 vor Schabaoth gewählt wurde, der im allgemeinen doch schon aus der Omer-Trauerzeit herausfällt. Doch gerade hier finden wir neben vielenjmderen einen überaus wertvollen Fingerzeig für den Entstehungsort des Memmer-Ritus. Er ist Mainz. Hier fand nämlich die Verfolgung am 3. Siwan, also unmittelbar in der Woche vor Schabaoth, statt. Im nächsten Jahr beging man am Sabbath vor Schabuoth gleichsam den Jahrzeittag und so auch in den darauffolgenden Jahren, so dass sich diese liturgische Usance in der Erinnerang der Gemeinde allmählich zum festen Ritus verdichtete ... Maharil (lebte in Mainz), unter dessen Autornamen ein Kompendlam der ^deutschen“ Synagogenliturgie erschien, das wie kein zweites für den ״deutschen“ Minhag grundlegend wurde, stellt für Mainz den gottesdienstlichen Ritus fest, dass hier an den zwei genannten Sabbaten ״die Opfer von 1096“ zu nennen sind; für die nichtrheinischen Gemeinden gilt diese Bestimmung nicht. An anderer Stelle erweitert er diesen Ritus für alle rheinischen Gemeinden. Die Opfer der Verfolgungen in Worms, Köln und Mainz sind von Salfeld S. 103—118 aus dem Mainzer Mb.1) namentlich aufgeführt“. — Mit anderen Worten, das Memmern am Sabbat vor Schabaoth kann nur begründet werden, wenn wir Mainz als Ausgangspunkt des Ritus betrachten. Auch dass Isak b. Samuel, der erste Schreiber des Mainzer Mb., ein Opfer der Nürnberger Verfolgung 1298 gewesen und mit dem daselbst Gefallenen gleichen Namens identisch sei, wird von mir ‘(gegen Salfeld) als nicht glaublich nachgewiesen״, das Wirken des Maharil in Nürnberg, worauf Salfeld hauptsächlich seine abenteaertiche Hypothese der Transferierung des Mb. von Nürnberg nach Mainz begründet, als sehr zweifelhaft hingestellt. Mit Ausführlichkeit, ja fast offenbarer Vollständigkeit, bringt das Mainzer Mb. die Opfer der fränkischen Judenverfolgung unter Rindflcischs Anführung i. J. 1298. Es könnte die Frage aufgeworfen werden, warum diese in das Mainzer Mb. aufgenommen worden sind. Aber abgesehen davon, dass mit viel mehr Begründang die Gegenfrage gestellt werden müsste, warum die rheinischen Opfer des Jahres 1096 im Nürnberger Mb. Aufnahme gefunden haben sollen, haben wir ja in unseren ״Untersuchungen“ nachge- 1) m>. Memorbucb; Mbb. Memorbücher.