Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 228)
- Language
- German
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189 Monathalter mussten auf dem Altstädter Ring vor dem Rathause verbleiben, falls mehr Leute erforderlich sein sollten.1) Die Nachforschungen nach der Ursache des Brandes hatten ergeben, dass unzweifelhaft Brandlegung vorliege, man hatte dabei auch eruiert, dass sowohl früher als später Brandlegung versucht worden war, so war im Oktober 1753 im Hause des Benet Nacbod auf der Stiege, wie im Keller je ein brennendes Päckchen mit Schwefel, Pech und Lumpen gefunden und von den Hansleuten gelöscht worden, am 12. August 1754 etwas ähnliches bei Jakob Samuel Wien.2) Des Täters wurde man erst habhaft, als man ein christliches Mädchen am 20. Mai bei dem Versuche, das Neustadter Spital auf dem Viehmarkt in Brand zu stecken, ertappte. Das Mädchen gestand die Brandlegung der Judenstadt und behauptete, sie sei von fremden Jaden dazu verleitet worden. Alle Juden, auf welche die Beschreibung des Mädchens passte, wurden verhaftet, fünf Juden wurden dann trotz des Widersinns der Beschuldigung in Haft behalten, wo sie elf Monate verbleiben mussten bis zum Rüsttage des Pessachfestes 5515 (26. März 1755). Diesen fünf Juden, die, wie es im Erlasse heisst, dureh ihr unschuldig erlittenes Gefängnis gänzlich verarmt und ruiniert worden, wurde dann am 15. XII. 1755 der Schutzgeldrest nachgesehen. Die Gefangennahme hatte aber für die Jaden die bösesten Folgen, da man sie jetzt allgemein beschuldigte, die christlichen Städte in Brand stecken za wollen.3) Die vielen Streitigkeiten, die nnter den Besitzern der einzelnen Räumlichkeiten der Häuser — der sogenannten Teilhäuser — wegen des Aufbaues und der Restaurierung entstanden, veranlassten die Gemeindevorsteher am 12. Siwan eine Kommission von angesehenen und gelehrten Gemeindemitgliedem gemeinsam mit dem Rabbinat einzusetzen, die in dem unversehrt gebliebenen Hause der Chewra Kadiseha in allen!diesen Stritten Recht sprechen sollte.4) Wie gross die wirtschaftliche Not der Juden war, erhellt daraus, dass sie, nachdem sie ebenso wie die christlichen Abbrändler in Gruppen von je zehn auf dem Altstädter Rathaus ihren Schaden beschworen hatten, durch eine Deputation von Maria Theresia einen bedeutenden Steaernachlass erhielten, für die nächsten drei Jahre insgesamt 180.000 fl. ף J. G. A., Berichtend 161, f. 267. *) Das., f. 331, 338. ף Das., f. 398. 4) Vgl. Anhang III.