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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 215

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 215)
Language
German
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176 Altstadt, grenzte aber an die Judenstadt. Das Feuer griff bald auf die Jadenstadt über, die mit ihren zum grossen Teil aus Holz gebauten Häusern den gierigen Flammen reiche Nahrung gab. Im Laufe eines Tages verbrannten nicht weniger als 318 Judenhäuser, * dann spraog der Wind um und das ,Feuer griff wieder auf seinen Ausgangspunkt zurück, die Altstadt; drang auch in die Neustadt und wütete dort besonders im Klemensviertel. Am ärgsten war die Jadenstadt mitgenommen; fast alle Häuser waren niedergebrannt, die wenigen, die noch standen, unbewohnbar. Wie der Brand entstanden war, wusste man nicht, die öffentliehe Meinung — die schon lange feindselig gegen die Franzosen war, bezichtigte französische Marodeure der Brandlegung; diese vox populi fand in den durch Tortur erpressten Geständnissen einiger Verdächtiger ihre freilich nicht einwandfreie Bestätigung. Mit der Judenstadt war auch zum weitaus grössten Teile die Habe ihrer Bewohner verbrannt. Wohl hatten die Juden gleich zu Beginn des Brandes ihre Habseligkeiten in die steinernen gewölbten Synagogen gerettet, die durch ihre Bauart Schutz zu gewähren schienen, aber diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Die Synagogen wurden auch eine Beute der Flammen und die einstürzenden Deckengewölbe töteten die dem Feuer Entkommenen, zerschmetterten sie und ihre Habe. Elf grosse Synagogen wurden zerstört, hunderte Thorarollen verbrannten, das gesamte Aktenmaterial des iud. Rathauses ging verloren, nur die Altneuschule blieb unversehrt. Ein Augenzeuge berichtet wie um Mitternacht die auf dem Friedhefe stehende Synagoge — wohl die Klaussynagoge — die von Fluchtigen gefüllt war, plötzlich im hellen Feuerschein dastand, um im nächsten Momente in sich zusammenzustürzen, ungezählte Opfer unter sieh begrabend. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten wird nirgends berichtet, sie wird nur als sehr gross an־ gegeben. An der Hand der Grabsteine des alten Friedhofes lernen wir einige kennen, denen die heilige Sitte den Titel ״kodösch“ gewidmet So sei hier nur auf einige verwiesen: Hirsch Dworeis Horwitz, Mitglied des Rabbinatskollegiums, Sohn d. Jakob, Blume, Frau des Selig Auerbach, Tochter des Jakob Dringerls, ihre Mutter Chaja, Witwe des Jakob Dringerls, Isak S. des greisen Berel Tein umd seine Frau Edel, Tochter des Eisik Tischeis, Gerschon Sohn des Upmann Kaz Poppers.

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