Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 118)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486305--6923-3493299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

79 aufnehmen könne. Ausserdem sei die jüd. Jugend in F. unterrichtlieh sehr vernachlässigt. Die Judengemeinde sei gegen 270 Seelen stark und vermögend, so dass sie wohl eine eigene Schule errichten könnten. Solange dies nicht gehe, schlagen sie vor, dass, die dortigen deutschen Schullehrer die Judenkinder täglich zwei Standen gesondert unterrichten sollen. Dabei bemerken sie, dass alle dortigen jüd; Religionslehrer bis auf einen (Busweiler) ״vom Talmud verschrobene Köpfe“ seien. So wurden die Friedberger Lehrer Markei und Fritsch mit dem Unterricht betraut. In einem bes. Vertrag wurde bestimmt, dass jedes Kind vom 6. bis 14. Jahr schulpflichtig ist und vierteljährlich 1 fl. 3 Kreuzer zu bezahlen habe. Der Unterricht steht unter Aufsicht des Staates. Dagegen wenden sich wiederum die jüd. Vorsteher Seligmann Offenbach, Joseph Fürth und Moses Levy Reis und bitten den Schulrat um Erlaubnis, eine eigene Schule halten zu dürfen. Sie haben den jüd. Seminaristen Bacharach, der seit 5/4 Jahren im dortigen Seminar ist, im Auge. Feist Wolf Zeckendorf in Friedberg wendet sich jetzt gegen die jüd. Vorsteher (die er ״Räthelsführer“ nennt) und bittet den Schulrat um Anstellung der städtischen Schullehrer entsprechend dem Vorschlag der Geistlichkeit. Zum Überfluss bittet Lehrer Meyer Frank1) in Schotten mit Rücksicht auf seine geringen Einkünfte um Versetzung nach Friedberg. Endlich wurde am 1. November 1825 die Schule von den beiden christl. Lehrern Merkel und Fritsch eröffnet. 34 Schulkinder erhalten täglich von 10—12 Uhr Unterricht, während Religionslehrer Busweiler den Religionsunterricht übernimmt. Acht Familien (und zwar die reichsten in Friedberg) protestieren vergeblich beim Ministerium und wollen den bald abgehenden Seminaristen Aron Bacharach als Lehrer. Sogar Staatsminister Grolmann mischt sich in den Streit und fordert am 7. II. 1826, als er bei seinem Aufenthalt in F. von den Missbrauchen im dortigen Schulwesen und bes. im Jüdischen gehört hatte, den Kirchen- und Schulrat zum Bericht auf. Ein Landrat, der seine ״Pappenheimer kannteu, amtierte in Büdingen. Die dortige israel. Gemeinde wollte im Jahre 1835 eine 1) In seiner Eingabe spricht er von seinen Verdiensten znr Aufklärung des Volkes, ״das noch in Finsternis begraben liegt.“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.