Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 361)
- Language
- German
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323 ist als vorzüglich gelungen zu bezeichnen. Aus vielem Guten und, auf Grund einer souveränen Beherrschung der Goetheliteratur, Gebotenen ist besonders die feinsinnige Betrachtung ״Biblische Motive im Faust“ hervorzuheben, die zugleich einen wertvollen Beitrag zum Verständnis des zweiten Teils des Faust bildet. Hier allein wird schon beweiskräftig gezeigt, wie das Schaffen des deutschen Dichterfürsten von der Bibel abhängig ist, wie ״seine von der Natur begnadete Seele ständig aus dieser Quelle getränkt und nicht zuletzt durch sie seine Weltenhöhe erreicht.“ Neben diesem willkommenen Nachweis liegt unser Interesse für eine Darstellung der Verwendung der Bibel in den Werken eines grossen Dichters noch auf einem anderen Gebiete. Oft schon hat man darauf hingewiesen, dass die moderne Bibelexegese vornehmlich den Händen von Philologen überlassen ist, denen bezuglieh der historischen Bücher bei ihrem eigentlichen grossen und wichtigen Arbeitsfeld häufig nicht genügend Gelegenheit geboten war, den geschichtlichen Blick zu schärfen. Bei der Behandlung der Poesie des Alten Testaments wird geklagt, dass den Commentatoren häufig die dichterische Auffassung mangelt. Letzterem Mangel kann durch die Lektüre solcher Bücher, wie das Goethebuch von Deutschländer, abgeholfen werden. Ähnliche Studien müssten wir für noch andere grosse Dichter haben, die Bibelerklärer würden daraus lernen, wie die auf dem Gebiet der Poesie Berufenen die unsterblichen Gedichte der Bibel auffassen, und würden an ihnen treffliche Wegweiser haben. Auch von diesem Gesichtspunkte aus sei dem Verfasser für die Mühe gedankt, die er auf sein Buch verwandte. 4 Buchdruckerei David Droller, Frankfurt a. M.