Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 218)
- Language
- German
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ä!5 Die vielen und fortwährenden Erlasse und Ermahnungen hatten schliesslich doch den Erfolg, die Handelsbetriebe der Jaden eingedämmt zu sehen. Eine behördlich inspirierte Notiz in der ״Deutschen Justiz- und Polizey-Fama“ — dem offiziösen Amtsorgane der Salzburger Regierung — vom 2. April 1802 *) bringt die entschlossene Unnachgibigkeit der Regierung in der Frage der Handelsfreizügigkeit der Juden nochmals klar und bündig zum Ausdruck und widerspiegelt gleichzeitig auch am besten den damaligen faktischen Stand der Angelegenheit. Auswärtige jüdische Kauflente, die in den Ländern ihrer Ansässigkeit das volle Handelsrecht und öffentliche Geschäfts-Komptoirs besassen, beabsichtigten die Salzburger Märkte zu besuchen. Sie wandten sich daher an das genannte Blatt mit der Anfrage, ob nicht etwa das strenge Gesetz der Nichtzulassung von Juden zum Handel in ihrem Falle eine Ausnahme zuliesse, da sie von ihren Regierungen Empfehlungspatente zu erbringen in der Lage wären. Die ״Justiz- und Polizeifama“ erteilt hierauf eine verneinende Antwort, indem sie unter Rekapitulierung der alten und neuen Gesetze mit Bezug auf die Juden ihre in Gebrauch stehende Nicht- Zulassung auch zu den Märkten, ebenso für gewöhnliche Hausierer als Grosshändler mit ausländischen Empfehlungen, feststellt ״da die Gesetze ganz allgemein verfügen und die Polizeibehörden keinen Unterschied machen können“. In ihrem eigenem Interesse wird daher den Juden empfohlen, das Erscheinen za den Märkten zu unterlassen und so unnötige Kosten und Beschwerden zu sparen. Als Grund wird wiederum der Umstand von dem einstweiligen Bildungsmangel der Juden angeführt und die Befürchtung vor einer Benachteiligung des einheimischen Gewerbes, So brachte also die Ausgangszeit der Regierung Erzbischof Hieronymus der begonnenen Judenannäherung — bis auf den abgescbafften Leibzoll — so ziemlich den Stand der Dinge von vor 1791 wieder. Bei alledem aber darf gesagt werden, dass der Zeitpunkt von 1772 bis 1803, die Dauer der Regentschaft des aufgeklärtesten Fürsten auf dem Salzburger Bischofsstuhle, das erste sehr verheissungsvolle Morgenleuchten einer schönen Zukunft *) Ebenda Nr. 19.